Man hört vor allem das leichte Scharren von kleinen Holzplatten auf den Wirtshaustischen, ein leises Reden und ein regelmäßiges Bohren. Der große Saal im Gasthaus Mosbacher ist leicht abgedunkelt. Dort, wo sonst gefeiert und gespeist wird, stehen nur einige Brezeln auf einem der vielen, zusammengeschobenen Tische.

15 Männer und eine Frau arbeiten konzentriert und nach genauen Abläufen, stundenlang. Dazwischen wird kurz gejausnet. Ansonsten werden vor allem Zähne inspiziert: Wie weit sind sie heraußen? Wie stark sind sie abgeschabt? Und danach wird das Alter bewertet. Natürlich wird auch gebohrt.

Die sechsköpfige Bewerterkommission um ihren Vorsitzenden Reinhard Otter (r.)
Die sechsköpfige Bewerterkommission um ihren Vorsitzenden Reinhard Otter (r.) © Thomas Wieser

Es ist kein Zahnärztekongress, der Donnerstag im beschaulichen Strallegg stattfand. Dazu passten das zumeist grün-braune Gewand der Teilnehmer ebenso wenig wie die eher unscheinbaren, aber teils geländegängigen Fahrzeuge und das urige Landgasthaus selbst.

Nein, da trafen sich Jäger aus dem Bezirk Weiz zur Trophäenschau. Sie nahmen dabei die skelettierten Tierschädel unter die Lupe, mehrere hundert Stück, gelagert in Bananenschachteln und anderen Transportkisten.

Die Entwerter: Sie bohren ein Loch in das Kiefer der Tierschädel, damit diese nicht doppelt gezählt werden
Die Entwerter: Sie bohren ein Loch in das Kiefer der Tierschädel, damit diese nicht doppelt gezählt werden © Thomas Wieser
Sie schaut, dass alles seine Ordnung hat.: Julia Wilhelm, Sekretärin im Jagdamt Weiz (und natürlich auch selbst Jägerin)
Sie schaut, dass alles seine Ordnung hat.: Julia Wilhelm, Sekretärin im Jagdamt Weiz (und natürlich auch selbst Jägerin) © Thomas Wieser

Anhand des Kiefers, aber auch der Länge der Nasenscheidewand und den Ringen an den Hörnern, wurde das Alter der Tiere klassifiziert. So wurde kontrolliert, ob entsprechend viele junge, mittelalte und ältere Tiere erlegt wurden.

Diese Alterskategorien wurden dann an gelben Zetteln am Kiefer vermerkt. Dort stand auch drauf, wann, wo und von wem die Tiere geschossen wurden. Die Daten wurden dann von Julia Wilhelm, Sekretärin im Jagdamt Weiz, erfasst.

Vorsitzender der sechsköpfigen Kommission ist Reinhard Otter. Er ist seit gut 40 Jahren Jäger und seit 20 Jahren Bewerter. „Es ist natürlich ein gewisses Maß an Erfahrung nötig“, sagt der Sinabelkirchner. Meist sind sich die erfahrenen Jäger einig. Und wenn nicht? Dann hat Otter das letzte Wort. Auf einer hölzernen Tafel sind sieben, unterschiedlich abgenutzte Kieferknochen montiert. Die Jagd-Profis benötigen diese kaum mehr.

Aber wieso bohren im Anschluss zwei Jäger eigens ein Loch in jeden Kiefer? Es habe schon „Strizzis“ unter den Jägern gegeben, die Tierschädel doppelt zählen ließen, erzählt Günter Schafferhofer, Obmann des Jagdschutzvereins Birkfeld. „Aber das ist nur eine Vermutung“, fügt er an.

Er schildert auch, dass die Jagd schwieriger werde: Die Wälder werden intensiver bewirtschaftet, auf immer mehr Wegen seien immer mehr Radler und Wanderer unterwegs. „Jeder hat seinen Platz. Es ist kein Problem, wenn sie ihren Hobbys nachgehen. Wir tun das ja auch“, betont Schafferhofer ausdrücklich. „Aber viele sind auch in der Dämmerung und im Finsteren in der Botanik.“ Das sei ein großer Nachteil für das Wild, das sich immer mehr zurückziehen müsse.

Viel Arbeit für die Jägerinnen und Jäger

Und wie viele Tiere wurden im vergangenen Jahr tatsächlich erlegt? Da sind ja für die rund 1700 Jäger und rund 200 Jägerinnen aus dem Bezirk Weiz exakte Abschusszahlen vorgegeben. „Wir haben etwa beim Rehwild die Quote zu 103 Prozent erfüllt“, sagt Bezirksjägermeister Josef Kleinhappl. Etwas Stolz klingt da mit. „Ein Dank an die Jägerschaft, sie hat ja viel Arbeit.“ Auch am Donnnerstag im Saal beim Mosbacher.

Josef Kleinhappl, Bezirksjägermeister in Weiz
Josef Kleinhappl, Bezirksjägermeister in Weiz © Thomas Wieser

Bis in den Nachmittag hinein wurden die Tierschädel bewertet und dann entwertet. Dann wurden die Hunderten Trophäen an den Wänden des großen Saales gehängt. Nach der Jahreshauptversammlung des Birkfelder Jagdschutzvereins am Sonntag werden sie wieder abgenommen. Und der jährliche Bezirksjägertag findet heuer am 7. März statt. Um die 450 Jägerinnen und Jäger erwartet Josef Kleinhappl im Gasthof Ederer am Weizberg.