„Chinese String“, „Awesome Emma“ und „Dark Galaxy“ – welche Bilder hatten Sie gerade im Kopf? Wenn Sie nicht ausgesprochener Pflanzenkenner sind, wahrscheinlich die falschen. Es handelt sich dabei um nur drei von Hunderten Gemüsesorten, die Katharina Soos in ihrem Online-Shop anbietet. Und zwar als Saatgut.

Soos betreibt einen Online-Shop; hier vertreibt sie hunderte Gemüsesorten
Soos betreibt einen Online-Shop; hier vertreibt sie hunderte Gemüsesorten © KLZ / Katharina Lagler

Die 44-Jährige züchtet seit 2012 Saatgut von Gemüse und Blumen in Bio-Qualität. Was als Hobby neben ihren Tätigkeiten als Pädagogin und Bio-Kontrolleurin in Deutschlandsberg begann, ist heute ihr Brotberuf. Sie lebt mit ihrer Familie in Reith bei Markt Hartmannsdorf und bewirtschaftet einen Garten mit rund zwei Hektar. 

Tiefgekühlte Schätze

Etwa 300 Sorten hat die gebürtige Kärntnerin in mehreren Tiefkühlern (wegen der längeren Haltbarkeit) vorrätig. Etwa 200 davon verkauft sie in ihrem Webshop. Dieser ist auch der Hauptverkaufsweg, und zwar in die ganze Welt: „60 Prozent der Pakete gehen nach Deutschland, 30 Prozent versende ich innerhalb Österreichs.“

Etwa 300 Sorten hat die gebürtige Kärntnerin in mehreren Tiefkühlern vorrätig
Etwa 300 Sorten hat die gebürtige Kärntnerin in mehreren Tiefkühlern vorrätig © KLZ / Katharina Lagler

Der Rest geht in die ganze Welt. Ab Hof kann man die Samen ebenso erwerben wie auf Saatgutmärkten zwischen Graz und Wien, wo die zweifache Mutter auch Jungpflanzen im Gepäck hat. Sehr beliebt sind Blumensamen: „Dieser Markt hat sich extrem gut entwickelt.“

Beim Gemüse seien Bohnen und verschiedenste Sorten von Mais der Renner: „Da ist ja leider viel Vielfalt vom Markt verschwunden.“ Aber diese Vielfalt brauche es, um neue Sorten zu züchten, die den veränderten klimatischen Bedingungen standhalten können. 

Online vernetzt

Neben ihrem Garten ist Soos auch im Internet zu finden. Auf ihrem Instagram-Kanal folgen ihr mehr als 6000 Menschen. Der überwiegende Teil davon kommt aus Deutschland, weiß sie. Etwa 70 Prozent der Community bilden Frauen. Die Garten-Fans sind online vernetzt. Soos gibt Einblicke in ihren Garten, erzählt Hintergründe zu ihren Sorten und verbindet sich mit Gleichgesinnten.

Bestimmte Techniken der Saatgut-Vermehrung hat sie sich etwa bei Kollegen in Übersee abgeschaut. Doch trotz viel Engagement und Erfahrung klappt auch bei Soos nicht immer alles. Die Schneckenplage hat sie dank jahrelanger Unterstützung durch ein paar Laufenten gut in den Griff bekommen. „Dafür haben wir reichlich Reiswanzen“, erzählt sie und ergänzt: „Jedes Jahr hat seine Erfolge und Misserfolge.“

Vergangenes Jahr waren die Bohnen eher zum Vergessen, dafür hat der Popcornmais überzeugt. Die Saatgut-Ernte ist, wie alles im Garten, wetterabhängig – und ein Ganzjahresprojekt. Die Samen werden geerntet, gereinigt, eingefroren, etikettiert und versendet. Oder auch im eigenen Garten wieder ausgesät, um vermehrt zu werden. Das Geschäft ist bürokratisch, Stichwort EU-Gesetzgebung: „Es wird uns kleinen Saatgutproduzenten nicht leicht gemacht“, meint die Absolventin der Universität für Bodenkultur. 

Vulkanspargel und Krachsalat

Welche Sortentipps hat die Landwirtin für die heimischen Hobby-Gärtner? „Die Puntarelle, auch Vulkanspargel genannt, ist ein spannender Bittersalat für den milden Herbst hierzulande.“ Die Kuhbohne, die aus den südlicheren Gebieten der Welt kommt, bilde lange zarte Hülsen und biete einen guten Ertrag. Und vom „Hollenegger“ schwärmt Soos sowieso: „Das ist der knackigste Salat, den ich kenne.“