Großes Haus mit gepflegtem Garten, Pool und Kinderschaukel. Dazu Vogelgezwitscher, ein malerischer Blick auf die Sausaler Weinberge und herrliches Frühlingswetter. Was nach perfekter Familienidylle aussieht, passt so gar nicht zu dem, was hinter dem von Polizisten bewachten rot-weißen Absperrband vor sich geht.
In dem schmucken Einfamilienhaus im südsteirischen Heimschuh sind an diesem sonnigen Samstagvormittag Tatortspezialisten des Landeskriminalamtes und Gerichtsmediziner am Werk. Eingehüllt in weiße Ganzkörperanzüge sichern sie Spuren einer schrecklichen Gewalttat, die sich nur wenige Stunden zuvor ereignet hat und den gesamten Ort fassungslos zurücklässt.
Femizid und Suizid
Zu diesem Zeitpunkt deutet alles darauf hin, dass der Hausbewohner, ein 36-jähriger Mann, seine um ein Jahr jüngere Ehefrau in den frühen Morgenstunden mit einem Gewehr erschoss und sich danach mit diesem selbst richtete. Später findet die Polizei im Haus eine zweite Langwaffe, beide hatte der Südsteirer legal besessen. Als mögliches Motiv für die Wahnsinnstat nennt die Polizei, dass sich die 35-Jährige laut Aussagen von Familienmitgliedern von ihrem Mann trennen wollte. Beide waren davor polizeilich nicht bekannt.
Obwohl sich rundherum mehrere Häuser befinden, hat ersten Befragungen zufolge keiner der Nachbarn die Schüsse gehört oder sonst irgendetwas Verdächtiges bemerkt. Mit Medienvertretern will niemand von ihnen sprechen – zu tief sitzt der Schock über die Tragödie gleich nebenan.
Angehöriger fand Leichen
Den Stein ins Rollen brachte ein Angehöriger des Ehepaares, bei dem die beiden Kinder übernachtet hatten. Weil er die Eltern am frühen Samstagmorgen nicht telefonisch erreichen konnte, hielt er beim Haus Nachschau. Dabei entdeckte er gegen 6 Uhr in der Küche die beiden leblosen Körper und schlug Alarm.
Kurz darauf machten sich neben der Polizei auch Mitarbeiter des Kriseninterventionsteams (KIT) auf den Weg zum Tatort, um die traumatisierten Angehörigen zu betreuen. Im Fokus stehen dabei die beiden Söhne des Ehepaares, die im Alter von sechs und neun Jahren zu Vollwaisen wurden.
Das Schicksal der beiden Buben beschäftigt die ganze Gemeinde, allen voran Bürgermeister Alfred Lenz: „Wir werden alles unternehmen, um sie und die dahinterstehende Familie in dieser schweren Zeit zu unterstützen.“ Dazu gehört auch, dass das KIT am Montag in die örtliche Volksschule kommt, um die Tragödie mit den Schulkollegen des Neunjährigen aufzuarbeiten. Sein jüngerer Bruder besucht noch den Kindergarten.
Im Ort beliebt
Über die beiden Toten kann der Ortschef nur Positives erzählen: „Sie waren liebevolle Eltern und fleißige Leute, haben überall angepackt, wo Hilfe benötigt wurde.“ Der 36-Jährige war Arbeiter bei einer Baufirma in der Umgebung, seine Gattin bei einem Lebensmittelmarkt im Ort beschäftigt. Dort stehen Kunden am Samstag vor verschlossenen Türen. „Aufgrund eines Todesfalls geschlossen“, steht auf einem Zettel an der Eingangstür. „Sperren die heute noch auf?“, fragt eine ältere Dame. „Das kann ich mir nicht vorstellen“, erwidert eine andere Frau, die eins und eins zusammenzählt.
Konzert abgesagt
Auswirkungen hat das tragische Ereignis auch auf den Musikverein Heimschuh. Das für Samstagabend in der Schutzengelhalle geplante Frühjahrswunschkonzert wurde in Absprache mit dem Bürgermeister abgesagt. „Es gibt keinen direkten Bezug zum Verein, aber natürlich kennt jeder die betroffene Familie. Das Konzert abzuhalten, wäre absolut unangebracht“, betont der Obmann. Ob es einen Ersatztermin gibt, lässt er offen. „Wichtig ist jetzt, dass der Ort wieder zur Ruhe kommt.“ Ein Wunsch, den in Heimschuh viele mit ihm teilen.