Der Volksschule Retznei droht wie berichtet die Schließung. Grund ist der massive Spardruck der Marktgemeinde Ehrenhausen an der Weinstraße, die neben Retznei auch die beiden Schulstandorte in Ratsch und Ehrenhausen erhalten muss.

Aus Sicht der Gemeinde führt an einer Fusionierung mit der Volksschule Ehrenhausen kein Weg vorbei – das empfahl auch die Gemeindeprüfungsaufsicht. „Beide Schulen sind nicht ausgelastet. In Zeiten, in denen die Gemeindekasse gähnend leer ist, ist es nicht wirtschaftlich, beide Standorte zu betreiben“, sagt Bürgermeister Johannes Zweytick.

Eltern orten Platzprobleme

Besorgte Eltern befürchten allerdings, dass der musikalische und reformpädagogische Schwerpunkt der Schule abhanden kommen könnte. „Die Kinder brauchen Platz für das selbstständige Arbeiten. In Ehrenhausen gibt es diesen aber nicht und wir stellen uns die Frage, wie das funktionieren soll“, sagt Annemarie Göttinger, Mitglied des Elternvereins.

Zweytick zufolge solle sich am Schwerpunkt Musik aber nichts ändern: „Es ist mir ganz wichtig festzuhalten, dass es keine Verschlechterung bei der pädagogischen Qualität geben wird“. Mangelnde Kapazitäten in Ehrenhausen sehe er zudem nicht. „Wir haben in der Volksschule und der Mittelschule Platz für jeweils acht Klassen. Davon sind aktuell nur je vier besetzt“, sagt er.

Bürgermeister Johannes Zweytick sieht keine Alternative zur Fusionierung
Bürgermeister Johannes Zweytick sieht keine Alternative zur Fusionierung © Apresvino.at

Gerüchte, dass Schüler mangels Platz an die Volksschule Ratsch ausweichen müssten, könne er daher nicht nachvollziehen. Tatsächlich ist das ein weiterer Kritik- beziehungsweise Sorgenpunkt der Eltern, von denen viele täglich nach Graz pendeln. Die Kinder in der Früh nicht nach Retznei, sondern zur gut acht Kilometer entfernten und hoch am Berg gelegenen Volksschule Ratsch bringen zu müssen, empfinden viele als enormen Umweg.

„Niemand muss nach Ratsch wechseln, diese Meldungen stimmen nicht“, betont Zweytick. Ob ein Kind in Ehrenhausen oder Ratsch angemeldet werde, könnten die Eltern frei entscheiden. Zudem gebe es einen Schulbus ab Ehrenhausen, der Kinder aus der Umgebung täglich dort hinbringe und auch wieder abhole.

Gemeinderatssitzung am Montag

Zwar ist die Schließung der VS Retznei noch nicht offiziell beschlossen – dass es dazu kommen werde, bezweifle er jedoch nicht. Eine eigene Arbeitsgruppe ist derzeit mit der pädagogischen Prüfung beschäftigt und soll bei der Gemeinderatssitzung am Montag über den aktuellen Stand berichten.

Dieser wird auch der Elternverein beiwohnen, der sich zuletzt mit einer Online-Petition gegen das Vorhaben wehrte, und die drohende Schließung weiterhin bekämpfen will. „Der jetzige Standort ist optimal für das Konzept der Schule, daher wollen wir ihn erhalten“, so Göttinger.