Ein letzter Blick auf Instagram, eine letzte Nachricht auf WhatsApp, dann wird alles schwarz. 53 Schülerinnen und Schüler schalten Mittwochfrüh in der Turnhalle der Mittelschule 2 in Leibnitz ihre Smartphones aus. Damit kappen sie auch die Verbindung zur digitalen Welt.

Die Anspannung ist spürbar. Nervös und aufgeregt hören die Jugendlichen Lehrerin Martina Tretnjak zu. Sie initiierte das österreichweite Projekt „3 Wochen ohne Smartphone“ an der südsteirischen Schule. Sie selbst zieht ebenfalls sprichwörtlich den Stecker ihres Smartphones. „Ich bin mega stolz auf euch, dass es sich so viele zutrauen und ausprobieren wollen“, sagt sie in die Runde. Das kann Direktorin Karin Sommer nur unterstreichen. „Jeder Tag, den man geschafft hat, ist ein Gewinn. Ich glaube an euch“, motiviert Sommer ihre Schützlinge.

Ein Busserl zum Abschied

Nachdem die Schüler ihren Namen und ihre Klasse auf einen Zettel geschrieben und damit ihr Smartphone gekennzeichnet haben, ist es soweit: Nach und nach legen sie ihren digitalen Begleiter in eine vorbereitete Schachtel. Der Abschied fällt einigen schwer, da gibt es sogar ein schnelles Busserl auf den Bildschirm. Die Schachtel wird anschließend in einem Safe in der Schule für drei Wochen versperrt, ein paar Jugendliche haben ihr Mobiltelefon den Eltern zur Verwahrung gegeben.

Gut auf das Experiment vorbereitet hat sich etwa Marlene. Sie führt seit einer Woche bereits ein Tagebuch und hat sich notiert, was sie alles in der gewonnenen Zeit unternehmen will. Motiviert hat die Jugendliche die ORF-Dokumentation zum Thema. „Ich würde mich richtig freuen, wenn ich es schaffe. Das wäre mein größtes Highlight“, erzählt sie. Etwas Angst hat die Schülerin vor Entzugserscheinungen, wie Kopfweh.

Schulkollege Sebastian will das Handy künftig weniger nützen und hofft mit dem Handy-Fasten den Anfang zu machen. Unterstützt wird er dabei von seiner ganzen Familie, die sich gleich selbst in Verzicht übt. „Am meisten werde ich Social Media vermissen, aber ich glaube, ich schaffe es“, sagt er.

Die Zeit will Sebastian mit seinen Hobbys und Treffen mit Freunden auffüllen. Sein Notfallplan, falls der Drang zum Smartphone zu greifen zu groß wird: Rausgehen in die Natur und Fahrrad fahren. Einen großen Ansporn durchzuhalten hat jedenfalls Alexander. „Ich bekomme am Ende von meinem Papa einen PC“, verrät er. Am Smartphone verbringe er tatsächlich sehr viel Zeit, besonders mit TikTok und Snapchat. Das werde der Schüler auch vermissen, statt am Handy zu hängen will er nun rausgehen und lesen.

Video: Lehrerin Martina Tretnjak initiierte das Projekt an der Schule

Erreichbar sind die Schüler übrigens trotzdem, denn statt des Smartphones gibt es ein Tastenhandy mit dem sie telefonieren und SMS schreiben können. Die Eltern wurden vorab von Tretnjak und ihrem Projektpartner Martin Gritsch mit ins Boot geholt. „Die meisten waren begeistert, es gab nur ein paar Ausnahmen, die das nicht wollten“, zeigt Tretnjak auf. 21 Jugendliche haben sich weiters für die Kontrollgruppe gemeldet. Sie dürfen das Telefon benutzen, füllen jedoch Fragebögen während des Zeitraums aus, die ausgewertet werden, um einen Vergleichswert zu bekommen.

„Es ist mir eine Herzensangelegenheit an dem Projekt teilzunehmen, weil wir gemerkt haben, wie abhängig Schüler von Smartphones sind“, sagt Tretnjak und ist gespannt, wie viele durchhalten werden. Gespannt ist auch Direktorin Sommer. Sie rechnet gerade in den ersten Tagen mit Entzugserscheinungen, wie Müdigkeit, Angespanntheit oder Grant, ist aber danach von den positiven Auswirkungen für die Jugendlichen überzeugt. Und: Jedem Schüler, der es schafft, winkt eine wirklich großartige Überraschung. Diese bleibt jedoch geheim.