Können Sie ein sterbenskrankes Baby auf seinem letzten Weg begleiten? Diese Frage stellten Behörden vor vier Jahren Manuela und Markus Rodler aus Wildon. Zahlreiche Adoptivfamilien und neun Pflegefamilien vor ihnen winkten ab. Die Rodlers hingegen beantworteten diese Frage mit einem Ja.
Die beiden Südsteirer sind selbst Eltern und hatten bereits ein Pflegekind. Die kleine Mia sahen sie das erste Mal im Sommer 2020 auf der Palliativstation in Tirol. Die Diagnosen waren fatal, unter anderem leidet das Mädchen unter einem extremen Kurzdarmsyndrom. „Wir haben einen starken Glauben und wollten nicht, dass Mia alleine sterben muss. Sie sollte jemanden haben, der sie hinüberbegleitet“, erzählt Markus Rodler.
An ihrer Seite
Seine Frau packte ihre Sachen und blieb bei dem sterbenskranken Mädchen, er selbst und die gemeinsamen Kinder besuchten die beiden an den Wochenenden. Mit Mia im Kinderwagen ging die Familie hinaus in die Natur, liebkoste sie, war an ihrer Seite.
„Da sie jeden Tag sterben konnte, haben wir versucht, ihr so viel wie möglich von der Welt zu erzählen und die Natur zu zeigen. Wir haben sie auch taufen lassen“, erinnert sich Manuela Rodler. Letztere werde sie nie vergessen. Es war in einer kleinen Kapelle bei der Palliativstation und einige Mitarbeiter des Krankenhauses, die Mia kannten, waren gekommen. Es sei sehr friedlich gewesen.
Mia lebt
Doch Mia starb nicht. Entgegen aller Diagnosen wurden ihre Werte besser. Im April 2021 kehrte das Mädchen zum ersten Mal heim zu ihrer Pflegefamilie. Mittlerweile ist sie fünf Jahre alt – für die Rodlers ein Wunder und eine Herausforderung. Neben Ergo-, Logo-, und Physiotherapie braucht das Mädchen unter anderem auch zahlreiche Medikamente und Spritzen. Im Kinderzimmer auf ihrem Krankenbett sitzen zwei Kuscheltiere, daneben steht ein Infusionsständer. In Kästen türmen sich Medikamente samt Zubehör, Pflegeartikel und Mias Essen, da sie mit einer PEG-Sonde ernährt wird. Seit Kurzem kann sie oral etwas Nahrung zu sich nehmen. Ein Erfolg, den niemand für möglich gehalten hatte, wie Markus Rodler aufzeigt. Was und wann sie essen und trinken darf ist streng geregelt, die Liste am Kühlschrank in der Küche ist lang.
Einmal in ihrem Leben
Und im Wohnzimmer neben dem Aquarium sitzt das sterbenskranke Baby von früher und klebt mit Begeisterung Sticker in ihr Album während im Hintergrund Weihnachtsmusik läuft. „Ich habe viele schöne Sticker in meinem Heft“, sagt sie und grinst. Mit Unterstützung besucht das Mädchen auch den Kindergarten. „Mia ist eine Kämpferin. Sie will alles erleben und lebt jeden Tag, als wäre es ihr letzter“, erzählt die Pflegemama.
Doch ihr Zustand kann sich rasch ändern. „Wir leben mit dem Bewusstsein, dass es jeden Tag vorbei sein kann. Das ist hart, doch unsere Familie und unser Glaube geben uns Kraft“, sagt der Pflegepapa. Das große Ziel: Mia einmal in ihrem Leben das Meer zu zeigen. Bis dato ist das aus versicherungstechnischen Gründen nicht möglich gewesen, doch vielleicht schaffen wir es noch, zeigt sich Rodler optimistisch.
Dankbar für Hilfen
Derzeit wird für einen Anbau gespart, um eine 24-Stunden-Hilfe in Anspruch nehmen zu können. Allein kann die Familie die Kosten dafür nicht stemmen und hofft auf Spenden. Trotz aller Sorgen sind die Rodlers positiv und dankbar für die Hilfe der Familie, karitativen Clubs, Ärzten, Therapeuten und den Sozialarbeitern. Das Christkind bekommt von Mia heuer übrigens keinen Wunschzettel. „Was ich mir wünsche, weiß das Christkind ja sowieso, ein Kuscheltier. Ich freue mich auf das Weihnachtsfest mit meiner Familie“, erklärt sie und vertieft sich wieder in ihr Stickeralbum.