57 oststeirische Kürbiskernöle wurden heuer bei der Landesprämierung der Landwirtschaftskammer ausgezeichnet – 484 wurden landesweit getestet. Gut 90 Prozent davon erreichten eine goldene Auszeichnung, 67 Prozent sogar das absolute Punktemaximum. Auch ein Zuwachs der abgefüllten Menge an Kernöl auf 2,73 Millionen Liter pro Jahr lässt sich laut Wirtschaftskammer verzeichnen – gutes Kernöl scheint also im Trend zu liegen. „Die Bauern haben gemerkt: Gute Qualität lässt sich verkaufen“, erklärt sich das Bettina Krenn aus Neudau – bereits zum 19. Mal mit ihrem Kernöl prämiert.

„Es sind etliche mehr Teilnehmer geworden“, erzählt die Oststeirerin. Nicht immer fördere eine Prämierung aber auch den Verkauf. „Jeder hat Stammkunden. Viele sagen, die Prämierung ist mir egal, mir schmeckt deins, deswegen kaufe ich das“, so Krenn. Der Anbau der Kürbisse für das Kernöl sei immer eine Herausforderung – stark abhängig vom Wetter. „Kürbisanbau ist ein Lotteriespiel“, meint Krenn. Daneben habe man mit Krähen, Schnecken und Rehen zu kämpfen, die auch gerne Kürbis genießen.

Verkosten von Kürbiskernöl vor dem Kauf

Der Anbau sei bei Direktvermarktung aber profitabel und die Nachfrage gut, wenn auch saisonabhängig: „Wir haben im Sommer mehr und im Winter weniger, aber es richtet sich nach den Essgewohnheiten der Leute.“ Dabei ist Krenn verwundert, dass nicht mehr Leute das Kernöl vor dem Kauf kosten wollen, wie beim Wein. „Ein Liter Kernöl kostet 20 Euro aufwärts. Da wäre ich schon enttäuscht, wenn mir das dann nicht schmeckt.“

57 Kernölproduzenten aus dem Bezirk Hartberg-Fürstenfeld wurden von der Landwirtschaftskammer prämiert – darunter auch Familie Lang aus Hainersdorf
57 Kernölproduzenten aus dem Bezirk Hartberg-Fürstenfeld wurden von der Landwirtschaftskammer prämiert – darunter auch Familie Lang aus Hainersdorf © Privat

Bei der Familie Lang aus Hainersdorf wird es hingegen immer häufiger, dass Kunden ihr prämiertes Kernöl vor dem Kauf probieren wollen. „Der Kunde ist anspruchsvoller geworden“, begründet das Katrin Lang, Nachwuchs-Landwirtin im Betrieb, der bereits in dritter Generation geführt wird und heuer in der 34. Saison Kernöl anbaut.

Prämierung als externe Qualitätsbestätigung

„Da ist es wichtig, zu zeigen, wo das Produkt herkommt“, so Lang. Die Kunden über regionale Herkunft und Partner zu informieren, sei daher wichtig – persönlich und auch im Online-Shop. Beim Anbau achtet man auf Nachhaltigkeit: „Nicht mit aller Gewalt bewirtschaften, sondern die äußeren Gegebenheiten berücksichtigen“, meint Bernhard Lang.

v.l.: Franz Lang, Helga Lang, Katrin Lang und Bernhard Lang
v.l.: Franz Lang, Helga Lang, Katrin Lang und Bernhard Lang © Privat

Die Prämierung der Landwirtschaftskammer sieht die Familie dabei als externe Bestätigung. „Damit man sieht, wo man steht“, meint Franz Lang. Bereits zum 19. Mal hat die Familie eine Auszeichnung erhalten, heuer mit voller Punktezahl. „Jede ist ein großer Erfolg. Es zeigt, dass unsere Arbeit über Jahre hinweg Früchte trägt“, ist sich die Familie einig.

„Super-Unkraut“ neben Wetter steigende Herausforderung

Auch beim Steßlhof in Bad Loipersdorf freut man sich über die Prämierung als Qualitätsbestätigung nicht zum ersten Mal. Dort ist das Kernöl Teil des Sortiments mit Schwerpunkt Schweinefleisch. „Durch die Prämierung ist das Kernöl mehr in den Medien. Das ist sicher positiv“, meint Josef Steßl grundsätzlich, merkt aber keinen wesentlichen Einfluss auf den Verkauf.

Familie Steßl wurde schon mehrmals für das Kernöl ausgezeichnet
Familie Steßl wurde schon mehrmals für das Kernöl ausgezeichnet © Privat

Für den Landwirt war in den letzten Jahren beim Kürbisanbau das Unkraut eine Herausforderung. Besonders bezieht sich Steßl auf Ambrosia, auch Ragweed genannt. „Das ist ein Super-Unkraut. Wenn man es nicht mäht, wird es so hoch wie Mais. Das haben wir früher nicht gehabt“, erzählt der Oststeirer.

Anbau, sobald es warm und trocken ist

Die Anbausaison startet übrigens Ende April/Anfang Mai, je nach Wetterverhältnissen. „Der Winter war speziell, jetzt werden wir sehen, wie es weitergeht“, meint Steßl und fügt hinzu: „Die Vorhersagen sind eh schon sehr gut. Wenn's trocken ist, wird sicher bald mal gefahren.“