Es ist mucksmäuschenstill im Clublokal des Filmclubs Zeltweg. Gedimmtes Licht, Kleingebäck, Bier. Doch während gemeinsam Filme geschaut werden, wagt keiner, mit einem unangebrachten Geräusch die Aufmerksamkeit der anderen zu stören.

Filmschauen bedeutet volle Konzentration. Vor allem, wenn es sich um selbst gedrehte Filme der einzelnen Clubmitglieder handelt. An diesem Abend wird „Unser täglich Brot“ von Andreas Freigassner gezeigt. Ein Kurzfilm über die bäuerliche Arbeit bei der Getreide-Ernte, wo jeder Arbeitsschritt von Hand durchgeführt wird.

Keiner der Männer im kleinen Zimmer über dem Volksheim Zeltweg lenkt auch nur ein einziges Mal den Blick von der Leinwand ab, so sehr respektieren sie das filmische Schaffen ihres Kollegen. „Der Amateurfilm ist ein echter Film. Es wird eins zu eins gezeigt, wie es wirklich ist. Jeder Film spiegelt die Persönlichkeit des Erzählers wider“, erklärt Karl Resch, langjähriges Mitglied und einer der erfolgreichsten Filmer steiermark- und bundesweit.

Begonnen hat alles vor 55 Jahren, als noch mit Super 8-Kameras gefilmt wurde. Eines der Gründungsmitglieder, Hansjörg Heyl, ist auch heute noch aktiv im Club als Ehrenobmann tätig. Man trifft sich zweimal monatlich, um Filme aus den eigenen Reihen oder von anderen Filmautoren anzusehen und zu besprechen.

Natürlich landen die mit viel Herzblut produzierten Kurzfilme danach nicht in der Schublade. Die besten werden eingeschickt, um sich österreichweit mit Filmen aus anderen Filmclubs zu messen. Die rund 60 Clubs des Verbands der österreichischen Filmautoren benoten sich gegenseitig untereinander, es gibt Landes- und Bundesmeisterschaften unter den Amateurfilmern. Natürlich werden die Filme auch vorgeführt, so wie erst im November in der Burg Spielberg.

Jeder der elf Männer hat sein ganz eigenes Metier, in dem er bevorzugt arbeitet: Erwin Lüftenegger etwa ist weit gereist und bringt von seinen Erkundungen immer tonnenweise Filmmaterial mit, das von Publikum und Jury gleichermaßen geschätzt wird. Franz Leitner, genannt „Kamerafranzi“, der Kunstfilmer der Runde, der sich für kreative Werke begeistert. Andreas Freigassner, seit 1966 im Club und ein Meister der Dokumentation. Oder „Burgherr-Senior“ Robert Neumann, begeisterter Harley-Fahrer und Reisefilmer.

Die Runde ist aber weit mehr als Filme anschauen und danach anerkennendes Schulterklopfen: „Man muss sich an einige Regeln halten, um einen Film herzeigbar zu machen“, meint Resch. Bild, Ton, Perspektive, der richtige Schnitt und vieles mehr gilt es zu bedenken. All diese Feinheiten werden im Anschluss an jeden Film diskutiert, um das Endergebnis perfekt zu machen.

Go-Pro-Kamera, Smartphone und vielleicht eine Bearbeitungs-App: Über die jüngsten Entwicklungen am Film-Markt im Zeitalter der Digitalisierung sind die Zeltweger Film-Experten geteilter Meinung. „Das ist die Zukunft, es weckt Interesse bei der Jugend“ steht „Das ist doch kein richtiges Filmerlebnis mehr“ gegenüber.

Dennoch kommt es überall auf dieselben Grundvoraussetzungen an: Eine gute Geschichte und einen Spannungsbogen, denn, so Resch: „Filmen ist erzählen mit bewegten Bildern“.