Zu emotional und zu wenig sachlich. So wurde laut dem steirischen Mountainbike-Koordinator Markus Pekoll in der Vergangenheit das Thema Mountainbiken behandelt. Doch hier sei ein Wandel im Gange, dies zeigte sich auch bei einer Diskussion im Regionalbüro Judenburg der Kleinen Zeitung zum Thema „Wieviel Bike verträgt der Wald?“ Neben Pekoll zu Gast waren Isabella Painhapp, Geschäftsführerin Tourismusverband Murtal, und Karl Maier, Land- und Forstwirt aus Spielberg.

Auch der Großteil der zahlreichen Besucherinnen und Besucher der Diskussion sitzt gerne im Sattel. In den vergangenen Jahren wurden im Murtal vermehrt Möglichkeiten geschaffen, um dem Hobby legal nachzugehen. „Für die Umsetzung dieser Projekte muss Vertrauen geschaffen werden, auf Druck geht das nicht“, sagt Pekoll, der im Referat Sport des Lands Steiermark den Bereich Mountainbike koordiniert.

Stabiles Fundament

Pekoll spricht von einem stabilen Fundament für den Sport im Murtal, aktuell sind vorrangig Einheimische auf den Strecken in der Region unterwegs. Die vorhandenen Touren und Trails würden das touristische Angebot allerdings perfekt abrunden, sagt Painhapp. Wie kürzlich berichtet könnte das Angebot nach einem Vorstoß der „Mountainbike-Region Murtal“ um neue Strecken auf den bekannten Tremmelberg erweitert werden. Ein Thema, das auf großes Interesse stößt. Die Seckauer Waldgenossenschaft ist grundsätzlich bereit, Forstwege freizugeben. Unter Dach und Fach ist die Öffnung jedoch noch nicht.

Grundbesitzer am Tremmelberg ist neben der Waldgenossenschaft auch Karl Maier. „Können Sie sich vorstellen, sich an dem Projekt zu beteiligen?“, fragt Moderator Kleine-Redakteur Josef Fröhlich. „In welchem Umfang, kann ich noch nicht sagen, aber ich bin grundsätzlich gesprächsbereit“, sagt Maier, der selbst „sportlich auf Rad und Ski“ ist. Auf Erfahrungen mit illegalen Bikern in seinem Wald angesprochen, meint er: „Es kommt vor, in der Regel kann man das mit Gesprächen klären.“

Es seien ein paar wenige, die auf nicht geöffneten Wegen unterwegs sind und dazu beitragen, dass Grundbesitzer skeptisch bleiben, ist man sich bei der Diskussion einig. Deswegen ermahnt der Seckauer Bürgermeister Martin Rath aus dem Publikum: „Jeder, der illegal am Tremmelberg unterwegs ist, schadet der Umsetzung des Projekts.“

Maier über „verirrte“ Radfahrer (Video)

Natürlich steht auch die Haftungsfrage im Raum. Was passiert, wenn etwas passiert? Markus Pekoll erklärt Details rund um die Freizeitpolizze des Landes Steiermark, die Wegehalter versichern würde, – und verweist auch auf die Eigenverantwortung der Mountainbiker: „Ich fahre freiwillig in den Wald und muss dort mit gewissen Begebenheiten rechnen.“

Alle Forststraßen öffnen?

„Sollen nun alle Forststraßen geöffnet werden?“, fragt Josef Fröhlich das Publikum. Dieses kann mit Ja- oder Nein-Kärtchen antworten und die Tendenz geht Richtung „Ja“. Aber nur leicht. Karl Maier hat dazu eine ganz klare Meinung: „Natürlich nicht. Wir reden von überwiegend Wirtschaftswald.“ Er möchte „seine Gäste“ dahin lenken, wo sie am wenigsten Einschränkungen verursachen würden. „Ich bin für Konsens. Man muss miteinander ganz offen reden.“

Auch Touristikerin Painhapp ist zurückhaltend: „Ich bin für Qualität vor Quantität. Wir haben ein sehr großes Netz fürs Wandern, das heißt aber nicht, dass ich alle Wege für Wanderungen empfehlen würde.“ Pekoll spricht das Wegerecht grundsätzlich an und die schwierigen Voraussetzungen in unseren Breiten: viel Wald, hoher Privatbesitz. Überall zu fahren sei ohnehin nicht möglich, wichtiger sei eine Struktur zur Verfügung zu stellen, die sich nach der Realisierung von Projekten um Infrastruktur, Pflege und dergleichen kümmert.

Der Bereich Mountainbike ist vielfältig, auch der wirtschaftliche Aspekt kommt nicht zu kurz. Nach dem offiziellen Teil ist lange nicht Schluss: Es wird weiter diskutiert, und die meisten Anwesenden sind sich einig: Es darf und soll noch durchaus mehr Angebot im Murtal geschaffen werden. Oder wie Pekoll sagt: „Die Stimmung ist viel besser, als wir glauben.“

Impressionen von der Diskussion