Alte Ansichten aus Neumarkt, Digitale Retrospektive Judenburg, Knittelfeld wie es früher einmal war: Historische Plattformen wie diese sind in den sozialen Medien enorm beliebt. Mitglieder teilen Fotos, Dokumente und Erinnerungen an vergangene Zeiten, schwelgen in Erinnerungen und spekulieren, wer oder was auf den alten Bildern zu sehen ist.
Nun wird ein weiteres Stück Regionalgeschichte online zugänglich. Und zwar die „Tauern-Post, das Wochenblatt für das Tauerngebiet und das obere Murtal“. Die Zeitung wurde zwischen November 1908 und Mai 1939 wöchentlich publiziert. „Anfangs für Tamsweg, Murau, Judenburg und Knittelfeld“, wie Klaus Heitzmann, Obmann des Lungauer Museumsvereins Tamsweg, erklärt. Nach dem Ersten Weltkrieg konzentrierte man sich auf die Bezirke Tamsweg und Murau.
Das Lungauer Heimatmuseum sei nicht nur ein Museum, sondern „zunehmend ein sammelndes Archiv“. Fotomaterial wird gesammelt, historisch interessante Nachlässe werden übernommen. So landeten eines Tages auch fast alle Ausgaben der Tauern-Post im Museum. „Jede Woche wurden die unterschiedlichsten Ortsnachrichten veröffentlicht, wir haben da eine unschätzbare Quelle aus diesen Bezirken“, so Heitzmann.
Zusammenarbeit
Ebenfalls spannend ist, wie es zu der Digitalisierung gekommen ist. Vor einiger Zeit nahm eine Mitarbeiterin des Lungauer Beschäftigungsprojekts Mawi zu Heitzmann Kontakt auf. „Ich wurde gefragt, ob wir etwas zu digitalisieren haben.“ So entstand eine Zusammenarbeit zwischen dem Museumsverein und „Mawi Mensch – Arbeit – Wirkung“. Im Rahmen des Projekts sollen Menschen ihre individuellen Stärken und Interessen erkennen und nachhaltige berufliche Perspektiven aufbauen. Es gibt unterschiedliche Bereiche, darunter eben „Office und Digitalisierung“. Am Standort Tamsweg sind sieben Transitarbeitskräfte beschäftigt.
Für Paula Dürnberger, Projektleiterin Mawi Lungau, handelt es sich nicht nur um eine gute und sinnvolle Beschäftigung für die Transitarbeitskräfte: „Das Projekt bietet darüber hinaus einen hohen Mehrwert in allen Bereichen. Es ist ein Meilenstein.“
Breitenwirkung
Heitzmann war auch die Breitenwirkung wichtig. Deswegen initiierte er eine Zusammenarbeit mit der Österreichischen Nationalbibliothek, damit die Tauern-Post über deren Zeitungsplattform Anno gelesen werden kann. Die Jahre 1938 und 1939 sind bereits online, über Schlagwortsuche lassen sich regionale Inhalte gut finden: www.anno.onb.ac.at.
Von Vereinsgeschichte bis Familienforschung: „Man hat hier eine umfassende Recherchemöglichkeit. Ich habe in der Tauern-Post etwa meinen Ururgroßvater gefunden“, erzählt Heitzmann.