In Teufenbach-Katsch gibt es Streit um den geplanten Neubau einer Kompostanlage. Während der Abfallwirtschaftsverband Murau (AWV) einen Neubau vorbereitet, fühlen sich Anrainer übergangen. Eine Bürgerinitiative schlägt Alarm und spricht von massiver Geruchsbelastung, drohender Naturzerstörung und fehlender Transparenz.

Bei einer Bürgerversammlung Ende Jänner glaubten viele, es gehe um eine mögliche Erweiterung der bestehenden Kompostanlage und nicht um einen Neubau. Statt Mitsprache fühlte sich die Bevölkerung von Teufenbach-Katsch mit einem bereits fortgeschrittenen Projekt konfrontiert: „Man hat uns vor vollendete Tatsachen gestellt“, sagt Andrea Leitner, Initiatorin der Initiative. Gemeinsam mit ihrem Mann Werner bewirtschaftet sie angrenzende Flächen. Geplant sei eine neue Anlage mit einer Kapazität von bis zu 8000 Tonnen jährlich. Bisher waren rund 2000 Tonnen genehmigt. „Wir wissen nicht, was wirklich läuft“, so Leitner: „Niemand informiert uns.“

Mehr als 160 Unterschriften haben die Leitners gesammelt
Mehr als 160 Unterschriften haben die Leitners gesammelt © KLZ / Maria Steinwender

Geruchsbelastung bereitet Sorgen

Gebaut werden soll den Leitners zufolge auf rund 1,7 Hektar Auwald in einem Naherholungsgebiet entlang der Mur. Die Fläche müsste gerodet und hochwassersicher aufgeschüttet werden. „Alle Leute gehen dort spazieren, joggen und Radfahren, jung, alt und Familien“, sagt Leitner. „Und genau hier soll die Anlage hin.“

Neben dem Eingriff in die Natur steht für die Anrainer vor allem die Geruchsbelastung im Raum. „Wenn der Kompost gewendet wird, stinkt es jetzt schon“, sagt Werner Leitner. „Und das bei deutlich geringerer Menge.“ Eine Vervierfachung der Kapazität lasse befürchten, dass künftig ein wesentlich größerer Umkreis betroffen sein könnte.

Kritisiert wird auch die Informationspolitik. Laut Bürgerinitiative seien nur unmittelbar angrenzende Grundstückseigentümer in Verfahren einzubinden. „Als würde der Geruch nach 30 Metern aufhören“, so Werner Leitner. Er verweist auch auf die „Krähenproblematik“ – die großen Vögel würden Unrat aus der Anlage im weiten Umkreis verteilen, vor allem für die Landwirte sei dies ein Problem.

Der Auwald, der der Anlage weichen könnte
Der Auwald, der der Anlage weichen könnte © KLZ / Anita Galler

Genehmigung fehlt noch

Mehr als 160 Unterschriften gegen den Neubau hat die Initiative inzwischen gesammelt, die in der letzten Februarwoche an die Gemeinde übergeben wurden.

Seitens des Abfallwirtschaftsverbandes weist Obmann Thomas Kalcher den Vorwurf mangelnder Information zurück. Die bisherige Anlage sei über Jahre von privaten Betreibern geführt worden, ehe diese den Betrieb einstellten und der Gemeindeverband als Betreiber eingestiegen ist. „Als Gemeindeverband müssen wir langfristig denken“, so Kalcher. Die Pacht für das bisherige Grundstück habe sich verdoppelt. Der Ankauf eines Nachbargrundstücks und ein Neubau seien wirtschaftlich sinnvoller.

Ziel sei es, biogene Abfälle künftig weiterhin regional zu verwerten, statt sie über weite Strecken abzutransportieren. „Der Wertstoffkreislauf soll vor Ort funktionieren“, erklärt Kalcher. Die geplante Kapazität sei durch steigende Sammelmengen gerechtfertigt. Ein Geruchsgutachten liege vor, eine stärkere Belastung als bisher sei nicht zu erwarten.

Zugleich betont Kalcher, dass das Projekt noch im Verfahren sei. Aber: „Wir werden einreichen, und es wird eine weitere Bürgerversammlung gemeinsam mit der Gemeinde Teufenbach-Katsch geben.“

Auch Vizebürgermeister Peter Panzer als Vertretung des sich auf Kur befindlichen Bürgermeisters Gottfried Sperl bestätigt, dass der Ankauf der erforderlichen Grundstücke in der Verbandsversammlung des AWV Murau im November 2025 beschlossen wurde. „Es soll keine Einbußen für unsere Bürger geben“, sagt er. Eine Informationsveranstaltung sei geplant, zudem brauche es noch entsprechende Genehmigungen.