Große Dinge geschehen oft im Stillen: Seit Oktober 2025 lief bei Kufner in Weißkirchen die Übergabe der Geschäftsführung. Mit Ende Jänner wurde sie formell abgeschlossen. Stephan Schumann und Richard Lohner führen nun gemeinsam das Unternehmen. Ulrich Sogl, der altersbedingt in den Ruhestand ging, bleibt Kufner jedoch als Gesellschafter erhalten. Lohner ist bereits seit acht Jahren als CFO (Chief Financial Officer, Anm.) im Unternehmen.

Schumann bringt Industrieerfahrung aus einer Tochterfirma des Energie- und Automatisierungstechnikkonzerns ABB sowie aus dem Bereich technischer Textilien mit. „Man sieht das Produkt nicht, aber man spürt es“, beschreibt Lohner die Einlage, die Kleidung und Möbeln Form gibt. Kufner produziert diese Zwischenlagen in Weißkirchen und Shanghai und vertreibt sie weltweit.

125 Mitarbeiter am Standort Weißkirchen

Am Standort Weißkirchen sind 125 Mitarbeiter beschäftigt, darunter vier Lehrlinge. Da am Standort weiter optimiert und die Produktion breiter aufgestellt werden soll, übernimmt die technische Leiterin Heidemarie Raninger zukünftig auch noch weitere Verantwortung.

Denn das Umfeld bleibt schwierig: Pandemie, Energiepreise, Rohstoffengpässe, gestörte Logistikrouten und zuletzt geopolitisch motivierte Zölle haben die Textilindustrie unter Druck gesetzt. Die Produktion verlagere sich weltweit rasch von einem Land ins andere, so Lohner. Für Zulieferer wie Kufner bedeute das: Kunden und Märkte können sich innerhalb kurzer Zeit verschieben.

Finanziell plant das Unternehmen für 2026 stabil mit leichtem Wachstum, positivem Ergebnis und solidem Cashflow. „Wir schreiben keine Fantasiezahlen in die Planung“, sagt Schumann. Realistische Zielsetzungen seien angesichts der globalen Unsicherheiten Pflicht.

Neue Geschäftsfelder erschließen

Strategisch prüft Kufner neue Geschäftsfelder. Ein Schwerpunkt liege im medizinischen Bereich, wie Schumann berichtet: Wiederverwendbare OP-Kittel sollen künftig zusätzliche Umsätze bringen. Die Entwicklung sei weit fortgeschritten, Zertifizierungen laufen. Produziert werden soll zunächst in Weißkirchen, eine spätere Ausweitung auf andere Standorte ist denkbar.

Mit weltweit über 400 Mitarbeitern versteht sich die Kufner Gruppe als flexible Einheit statt als schwerfälliger Konzern. „Nach der Veränderung ist vor der Veränderung“, sagt Lohner. In der Textilbranche sei Anpassungsfähigkeit keine Option, sondern Voraussetzung.