Die neuesten steirischen Arbeitsmarktdaten sorgten Anfang des Monats auch in den digitalen Kommentarspalten der Kleinen Zeitung für Aufregung. Demnach sind 53.000 Steirerinnen und Steirer ohne Job, davon fast 3200 im Bezirk Bruck-Mürzzuschlag. Einer, der sich an der Diskussion beteiligte, war Benutzer „hochschwabwirt“. Er monierte, dass er „seit Oktober eine Restaurantfachfrau oder -mann“ suche, aber bis jetzt „keine Bewerbung oder Vorstellungsgespräch“ hatte.

Hinter dem Nutzernamen verbirgt sich der in Thörl bekannte Wirt Kurt Reiter. Sein „Gasthaus zum Hochschwab“ ist an der B 20 (Mariazeller Straße) am Ende des Thörler Ortskerns gelegen, wenn man in Richtung Mariazell unterwegs ist. Der 53-jährige Gastronom hat gerade mit seinem Team für das Angebot „Essen auf Rädern“ gekocht und hat jetzt Zeit für ein Gespräch mit der Kleinen Zeitung: „Mittlerweile ist es so, dass sich Stammgäste selbst die Getränke nehmen, wenn ich Essen ausfahre“, erzählt der Wirt. Vom Kochen bis zum Servieren – der selbstständige Gastronom greift in seinem Lokal überall an, wo Bedarf herrscht.

Das „Gasthaus zum Hochschwab“ in Thörl liegt an der B 20 (Mariazeller Straße)
Das „Gasthaus zum Hochschwab“ in Thörl liegt an der B 20 (Mariazeller Straße) © KLZ / Tobias Graf

Zusätzlicher Ruhetag eingeführt

Bedarf an Verstärkung hat er derzeit vor allem im Service. „Vor Corona habe ich immer jemanden gefunden, wenn ich auf Facebook ausgeschrieben habe“, klagt Reiter. Während der Pandemie orientierten sich viele Gastronomie-Beschäftigte um und kehrten danach nicht mehr in die Branche zurück. An den Arbeitszeiten und der Bezahlung liege es beim Hochschwabwirt nicht. „Ausgelernte verdienen 2000 Euro netto bei mir, die Arbeitszeiten sind geregelt und das Trinkgeld ist da noch gar nicht eingerechnet“, poltert er und zeigt auf seine ausgedruckte Stellenanzeige, bei der die „Trinkgeldaussichten“ als „sehr gut“ vermerkt sind.

„Ich arbeite mittlerweile in Doppelschichten, damit ich das Personal anstellen kann, das ich nicht habe“, fasst er seine Situation zusammen. „Ich glaube, einen sichereren Job als in der Gastro gibt es aktuell fast nicht. Überall kriselt es, aber die Leute gehen trotzdem essen.“ Viele andere Optionen als sein Lokal haben Thörlerinnen und Thörler sowieso nicht mehr, denn Reiters Gasthaus ist neben zwei Pizzerias mittlerweile das letzte Wirtshaus im Ortskern von Thörl. „Die Zukunft läuft geschäftlich gut, aber gewisse Sachen kann ich nicht mehr machen, weil ich nicht weiß, ob ich das Personal habe.“

Kurt Reiter verweist auf die guten Trinkgeldaussichten bei ihm
Kurt Reiter verweist auf die guten Trinkgeldaussichten bei ihm © KLZ / Tobias Graf

Auch benachbarte Betriebe litten in der Vergangenheit an Personalmangel, beim Bodenbauer im Ortsteil St. Ilgen am Fuße des Hochschwabs zog sich die mittlerweile vorvorige Pächtergeneration aus diesem Grund vor drei Jahren zurück. „Dort ist es noch einmal was anderes, die sind wetterabhängig, ich bin das nicht“, sagt Reiter. Den Betrieb erhalte er derzeit unter anderem mit der Unterstützung von vier Pensionisten aufrecht. Trotzdem hat er heuer einen zusätzlichen Ruhetag eingeführt. „Ich bin seit 28 Jahren in Thörl Wirt und frage mich jetzt manchmal: Für was soll ich mich noch selbst jeden Tag zu Tode rackern?“