„Die vergangenen Jahrzehnte waren für mich nicht nur eine politische Aufgabe, sondern vor allem auch eine Herzensangelegenheit“, erklärt Walter Hubner, der seit 27 Jahren Bürgermeister der Gemeinde Vordernberg ist und damit der längstdienende Ortschef im Bezirk Leoben.
Bereits bei der Gemeinderatswahl im März 2025 stellte Hubner klar, dass es seine letzte Wahl sein wird, die er schlägt. Dabei waren im Jahr 2023 schon die Weichen dafür gestellt, dass er als Bürgermeister aufhören könnte. Doch kurz vor der Amtsübergabe an Kathrin Haßler-Zach sagte diese ab und legte aus persönlichen Gründen ihre Funktion als Vizebürgermeisterin zurück. Hubner machte weiter. Es war aber immer ein offenes Geheimnis, dass er sich ins Privatleben zurückziehen wollte. Gescheitert ist das bislang an der Tatsache, seine Nachfolge nicht regeln zu können.
Michael Kanitsch soll nachfolgen
Das schaut seit Montag anders aus. Vizebürgermeister Michael Kanitsch wird bis zur nächsten Gemeinderatssitzung die Bürgermeister-Agenden übernehmen. Dann soll er zum neuen Ortschef gewählt werden. Dass das der Fall sein wird, garantieren eigentlich die satten acht von neun Mandaten, welche die SPÖ im Vordernberger Gemeinderat seit der Wahl 2025 hält.
Seit Hubners Antritt als Bürgermeister im Jahr 1999 hat er insgesamt sechs Gemeinderatswahlen bestritten und es immer geschafft, die absolute Mehrheit für die SPÖ zu halten. Bei der jüngsten Wahl im Vorjahr konnte er mit seinen Parteikollegen wieder 78,35 Prozent der abgegebenen Stimmen holen.
„Gemeinsam mit vielen Wegbegleitern durfte ich unsere Gemeinde gestalten, weiterentwickeln und durch viele Herausforderungen führen. Nun ist für mich der Zeitpunkt gekommen, Platz für neue Ideen und neue Kräfte zu machen. Ich bin überzeugt, dass frischer Wind und neue Perspektiven wichtig sind, um unsere Gemeinde weiterhin erfolgreich in die Zukunft zu lenken“, sagt der scheidende Bürgermeister.
Er zeigt sich aber erleichtert, dass er sich ins Privatleben zurückziehen kann. „Ich freue mich darauf, vor allem nun viel mehr Zeit für meine Enkelin Mariella zu haben. Sie ist mein Sonnenschein. Mein Familienleben ist in den vergangenen Jahrzehnten viel zu kurz gekommen. Jetzt möchte ich es genießen“, erklärt er Montagnachmittag.
Mehr Zeit für sich
Er gibt aber auch unumwunden zu, dass es ihm anfangs sicherlich schwerfallen werde, „nicht mehr täglich ins Gemeindeamt zu gehen. An diese Situation muss ich mich erst gewöhnen. Aber ich habe ja neben der Familie auch noch genügend Hobbys“, erklärt der langjährige Ortschef, der im Vorjahr als Gemeindebeamter in Pension ging.
Seine Funktion als Bürgermeister bezeichnete er immer als „Managerjob einer kleinen, aber fordernden Marktgemeinde“. Und die kommunalpolitischen Herausforderungen sowie die finanziellen Nöte in der Gemeinde finanziellen Nöte in der Gemeinde waren permanent präsent. „Ich habe auch gemerkt, dass meine Gesundheit darunter leidet. Jetzt bin ich 61 Jahre alt und will einfach auch mehr Zeit für mich haben“, betont er am Montag.
Freispruch vor Gericht
Eines der größten Projekte, die Hubner in seiner Amtszeit bewältigt hat, war die Errichtung des Anhaltezentrums im Süden der Gemeinde. Doch auch bei der Errichtung und dem Ausbau der Skiarena am Präbichl war er maßgeblich beteiligt. Jüngst machte er Schlagzeilen, weil er „wegen Verletzung des Amtsgeheimnisses“ vor Gericht stand. Er hatte Schulden von Bewohnern bei der Gemeinde durch ein Inkassounternehmen eintreiben lassen. Im Dezember 2025 wurde er freigesprochen.