Die Suche nach freiwilligen Helferinnen und Helfern bleibt beim Roten Kreuz in der Endlosschleife. Leichter geworden ist diese Suche auch im Bezirk Leoben nicht geworden, wie Florian Bernt (42), der frischgebackene Bezirksrettungskommandant, und Josef Himsl als Bezirksgeschäftsführer des Roten Kreuzes, bestätigen können.
„Wir haben es heute mit einer Generation zu tun, die eine völlig andere Einstellung zum Thema Freiwilligenarbeit hat. Man muss insgesamt sagen, dass selbstloser Einsatz für andere heute leider nicht mehr so ausgeprägt ist“, stellen Bernt und Himsl fest. Durch die massive Änderung der Lebensumstände habe sich auch im Bereich der Freiwilligenarbeit vieles stark gewandelt.
Fluktuation an Mitarbeitern gestiegen
„Freiwilligenarbeit muss man sich leisten können. Die persönliche Lebenssituation muss passen, in Zeiten hohen finanziellen und beruflichen Drucks tun sich da die Leute oft schwer“, wissen Bernt und Himsl. Der Druck auf den Einzelnen sei in diesen und auch in weiteren Bereichen markant geändert: „Auch bei der Mobilität. Insgesamt ist die Fluktuation bei den Mitarbeitern gestiegen.“
Die meisten würden sich nicht mehr gerne längerfristig binden und Verantwortung übernehmen wollen: Das mache eine stabile, längerfristige Dienst- und Personalplanung beim Roten Kreuz schwierig. Besonders in den Urlaubsmonaten sei es oft eine Kunst, die Dienste zu besetzen – auch wenn es letztlich zum Glück doch immer gelinge.
„Wir sind sehr stark von Freiwilligen abhängig, und haben zum Glück einen stabilen, verlässlichen Stamm an freiwilligen Helfern, denen man nie genug für ihr Engagement danken kann. Aber man muss schon sagen, es ist unser erklärtes längerfristiges Ziel, die Freiwilligenarbeit deutlich zu stärken“, so Bernt und Himsl.
Wenn man sich für die Freiwilligenarbeit beim Roten Kreuz interessiere, könne man in Form von „Schnupperdiensten“ unverbindlich in die Arbeit hineinschauen. Für alle, die tatsächlich im Bereich Rettungsdienst arbeiten möchten, startet am 18. September 2026 die nächste Runde für eine Ausbildung zum Rettungssanitäter in Leoben. „Die Bereitschaft junger Leute, sich zu engagieren, ist relativ groß“, halten Bernt und Himsl fest.
Hoher Bedarf an Zivildienern
Auch bei den Zivildienern sei man immer wieder auf der Suche: „Meistens haben wir im Juli und August ein größeres Loch. Wir benötigen insgesamt 18 Zivildiener. Wenn Zivildiener nach Abschluss ihres Dienstes direkt in die Freiwilligenarbeit übergehen, ist das perfekt. Und je mehr Zivildiener wir haben, desto größer ist freilich auch die Chance, dass dann einige weitermachen.“
Bernt und Himsl weisen auch darauf hin, dass es beim Roten Kreuz nicht nur den Rettungsdienst, sondern viele andere Bereiche gibt, in denen man als Freiwilliger aktiv werden kann: Etwa beim Blutspendedienst, der Team Österreich-Tafel in Eisenerz oder auch im Bereich des Kriseninterventionsteams.
Finanziell sei die Situation beim Roten Kreuz im Bezirk Leoben weiterhin angespannt – nicht anders, als in anderen Regionen der Steiermark. Die Sanierung sei ein schwieriges Unterfangen, meinen Bernt und Himsl: „Wir haben in unserer Arbeit natürlich einen hohen Qualitätsanspruch. Und es darf nicht so sein, dass man sich das sowohl im Rettungsdienst als auch im Krankentransport nicht mehr leisten kann.“
80 Cent pro gefahrenem Kilometer
80 Cent zahle man nach wie vor für jeden gefahrenen Kilometer selbst dazu, wenngleich sich die Situation tendenziell durch die Unterstützung der Gemeinden mit dem „Rettungseuro“ verbessert habe. Der Jahresabschluss für 2025 stehe noch aus: „Wir haben aber auch mit einigen kleinen Maßnahmen etwas erreicht und auch die wirkungsvolle Tür-zu-Tür-Werbung war erfolgreich.“