Auch wenn sich in den vergangenen Jahren beim Thema Gleichstellung zwischen Männern und Frauen einiges getan hat, gibt es immer noch große strukturelle Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern. Im Heft „Steiermark – Gleichstellung in Zahlen 2025“, das kürzlich von Vize-Landeshauptfrau Manuela Khom (ÖVP) präsentiert wurde, werden diese unterschiedlichen Lebensrealitäten aufgezeigt.
Wie Khom bei der Präsentation berichtete, gebe es vor allem in den Bereichen der Gewalt gegen Frauen, dem Ungleichgewicht bei der Betreuungsarbeit, der Karriere und der Pensionssicherheit, noch viel zu tun.
40,9 Prozent weniger Pension
Auch der Bezirk Leoben ist da keine Ausnahme, wie die Statistik zeigt. Der Einkommensunterschied lag 2023 bei allen unselbstständig Erwerbstätigen bei 40,9 Prozent zulasten der Frauen (Voll- und Teilzeit). Frauen hatten einen mittleren Jahresbruttoverdienst von 27.865 Euro (Median) und verdienten damit um 19.313 Euro weniger als die Männer. Frauen erhielten außerdem um 40,9 Prozent weniger Pension.
Vergleicht man die Gehälter der ganzjährig Vollzeitbeschäftigten, so gibt es immer noch einen Einkommensunterschied von 21,4 Prozent beziehungsweise 12.169 Euro.
„Wir sind eine Industrieregion und auch wenn mittlerweile schon viele Frauen in die Technik gehen, sind die meisten trotzdem im Dienstleistungssektor tätig“, findet Helga Ahrer, Vorsitzende der ÖGB-Frauen Steiermark und der SPÖ-Regionalfrauen Leoben-Eisenerz, eine Erklärung.
Frauen leisten Großteil der Care-Arbeit
„Hinzu kommt, dass viele Frauen in Teilzeit arbeiten, weil es nicht anders geht, da sie in den Familien nach wie vor die Care-Arbeit leisten, also die Kinderbetreuung oder Pflege von Angehörigen übernehmen, während der Mann als Hauptverdiener im Betrieb bleibt“, führt Ahrer weiter aus. Laut Statistik waren 2023 im Bezirk Leoben 275 Personen in Mutterschutz beziehungsweise Elternkarenz, davon 266 Frauen und neun Männer.
Im Gegenzug dazu „hapert es oft an den Öffnungszeiten der Kinderbetreuungseinrichtungen“, führt Ahrer aus, wobei sie betont, dass Leoben und die anderen Gemeinden des Bezirkes bereits viel getan haben, um die Kinderbetreuung auszubauen, es aber oftmals eine Frage der finanziellen Möglichkeiten sei, vor allem im Bereich der Ganztagesbetreuung. Damit sich die Gleichstellung ändere, müssten sich also auch die Rahmenbedingungen ändern: „Wo die Voraussetzungen geschaffen werden, werden sie auch angenommen, aber ein starres Denken bremst oftmals“, weiß Ahrer.
Arbeitsmarkt braucht Frauen
Gleichzeitig liege es aber teilweise an den Frauen selbst, meint Ahrer: „Weil sie anders ticken als Männer und ihre Netzwerke nicht nutzten, während Männer eine ganze Seilschaft haben. Ich erlebe immer wieder, dass Frauen sich in falscher Bescheidenheit und Zurückhaltung üben, dabei beweisen sie tagtäglich in der Organisation vielfältiger Aufgaben und dem Management der ganzen Familie, dass sie super teamfähig und flexibel sind“, betont Ahrer.
Wichtig sei es, Frauen noch mehr für technische Berufe zu interessieren, in gut bezahlte Jobs und Führungspositionen zu bringen, wo sie oft fehlen würden. „Ohne Frauen werden wir nicht auskommen, der Arbeitsmarkt braucht sie“, ist Ahrer überzeugt.
Frauen in Führungspositionen
Die Statistik zeigt, dass bei den steirischen Universitäten der Anteil an Frauen in Entscheidungspositionen bei 29,6 Prozent liegt, an der Montanuniversität sind es 15,5 Prozent.
Auch der Blick in die Gemeinden fördert Interessantes zutage: Mit Stand 11. Juli 2025 gab von den 16 Gemeindevorstehern des Bezirkes Leoben eine Bürgermeisterin. Bei den Vizebürgermeisterinnen waren es sechs. Von 260 Sitzen in Gemeinderäten, waren 77 von Frauen belegt.