Den ersten Blick nach dem Aufstehen in der Früh und auch den letzten vor dem Schlafengehen widmen wohl viele Jugendliche ihrem Handy. Egal ob durch TikTok-Videos scrollen, über Snapchat rund um die Uhr mit Freunden in Kontakt stehen oder das Leben von Influencern auf Instagram verfolgen – aus Minuten werden schnell einmal Stunden, die man tagtäglich auf dem Smartphone verbringt.
Dass das Handy mittlerweile eine wesentliche Rolle im Leben junger Menschen spielt, steht wohl außer Frage. Doch hat die intensive Nutzung ihres täglichen Begleiters Auswirkungen auf ihre mentale Gesundheit – von Schlafproblemen über Stress bis hin zu Depressionen ist die Rede. Um dem entgegenzuwirken, hat der ORF gemeinsam mit dem Bildungsministerium, dem Anton Proksch Institut, der Sigmund Freud Universität und IR&C das „Handy-Experiment“ ins Leben gerufen.
„Handy-Experiment“ in Österreich
Tausende Schülerinnen und Schüler quer durch Österreich verzichten dabei drei Wochen lang auf ihr Smartphone. Unter ihnen finden sich auch einige Schülerinnen und Schüler der 6C-Klasse am Alten Gymnasium Leoben. Sie haben sich freiwillig dazu entschieden, ihr Handy bis 24. März wegzulegen.
„Ich wollte einfach einmal probieren, wie es ohne Handy ist“, schildert Simon Springer seine Beweggründe, am Experiment teilzunehmen. „Wir sind alle schon sehr viel am Handy. Ich wollte wissen, wie groß das Suchtpotenzial tatsächlich ist“, sagt Amelie Filzwieser. „Eine Pause vom Handy schadet nicht, wir sind viel zu abhängig“, meint Emma Milos. Und Hana Schlauer ergänzt: „Ohne Handy kann man viel mehr im Hier und Jetzt leben.“ Vor allem auf Social Media vergeude man viel Zeit, sind sich die Schülerinnen und Schüler einig.
Die Herausforderungen, die es ohne Handy zu bewältigen gilt, seien vielfältig: Man könne weder Musik in gewohnter Form hören noch die Fahrpläne für den Schulbus digital abrufen. „Man kann sich auch mit Freunden nicht so einfach etwas ausreden. Grundsätzlich sind sowohl die Kommunikation als auch organisatorische Themen schwieriger“, so Filzwieser. „Ich muss mich zum Beispiel umstellen, wieder mit Bargeld zu zahlen. Ich habe das eigentlich immer mit dem Handy gemacht und weiß gerade gar nicht, wo meine Bankomatkarte ist“, sagt Springer.
Startschuss am 4. März
Die Jugendlichen vermuten, dass ihnen die Zeit ohne Smartphone leicht fallen werde. Am 4. März startete die „handyfreie“ Zeit, sie befinden sich also gerade erst am Anfang des Projekts. Doch bereits jetzt machen sich erste positive Auswirkungen des Verzichts bemerkbar: „Am Anfang hatte ich schon ein bisschen Sorge, etwas zu verpassen. Aber man muss nicht immer sofort alles wissen, das ist auch irgendwie erleichternd“, beschreibt Schlauer. In der Freizeit habe man ohne Handy mehr Zeit für sportliche Aktivitäten, betont Jens Mooswalder. „Man ist auch viel produktiver, weil es zum Beispiel beim Lernen keine ständige Ablenkung gibt“, berichtet wiederum Filzwieser.