"Wie so viele andere in dem Zug auch mussten wir trotz unserer Sitzplatzreservierung am Gang stehen", ärgert sich eine Grazerin über den völlig überfüllten Zug von Graz nach Wien, der gestern um 11.26 Uhr auf dem Hauptbahnhof starten sollte. Bis alle an Bord waren und sich die Garnitur in Gang setzte, war es 11.33 Uhr: "Die Fluchtwege waren komplett verstellt, wir kamen gar nicht zu unseren Sitzplätzen", erzählt die Passagierin. Bis Bruck sei gar nichts gegangen, dann sei es ein wenig besser geworden: "Die Menschen haben sich dann aufgeteilt, aber immer noch standen sie im Zug. Von den ÖBB kam der Hinweis, sie müssten in Mürzzuschlag den Zug räumen, wenn die Fluchtwege dann noch immer nicht frei wären."

Platzreservierung ist Pflicht

Schon seit heuer im April sorgten heillos überfüllte Züge – und auch Räumungen der Garnituren – immer wieder für Kritik an den ÖBB. Auch ein steirischer Fall, als heuer Schüler trotz Reservierung nicht mitgenommen worden sind, machte Schlagzeilen. Die große Rückkehr der Fahrgäste nach der Pandemie stellte die Bundesbahnen vor Probleme. Immer wieder wurden Kunden gebeten, doch den Zug zu verlassen, wenn sie keine Platzreservierung hätten. Sogar von einer Pflicht zur Reservierung war damals die Rede. So weit ist es dann nicht gekommen.

ÖBB-Sprecher Herbert Hofer appelliert an die Fahrgäste: "Vor allem an Starkreisetagen sollte man nicht ohne Sitzplatzreservierung einsteigen." Ohne diese könne es nämlich passieren, dass man eben nicht mitgenommen werden kann. Wichtig sei auch, dass nicht alle in die Intercity-Garnituren einsteigen, sondern auch Nahverkehrszüge nützen, wenn sie nur im Regionalverkehr unterwegs seien: "Denn diese sind oft halb leer, während die Fernzüge überfüllt sind." Die Regionalzüge würden auch in dichtem Takt geführt. Das Problem bei überfüllten Zügen: Kunden mit Dauerkarten im Verkehrsverbund können eben alle Verbindungen nützen ...

Ärger auch im Zug von Wien nach Villach

Platzreservierungen sind von Railjet auf Ersatzzug übertragen worden, allerdings mit Lücken ...
Platzreservierungen sind von Railjet auf Ersatzzug übertragen worden, allerdings mit Lücken ...
© KK

Auch am Samstag gab es wieder Fahrgäste-Ärger, diesmal im Zug vom Wiener zum Villacher Hauptbahnhof, wie eine Passagierin erzählt: "Das Hauptproblem ist, dass das ein Ersatzverkehr ist also kein Railjet. Der Schaffner hat gesagt, die Sitzplatzreservierungen seien vom Railjet übertragen worden." Der Haken daran: Es seien offenbar nicht alle übertragen. Der Unmut der Fahrgäste sei dementsprechend groß: "Sie beschweren sich und fordern das Geld zurück!" Ein Schritt, den die Passagierin gut nachvollziehen kann: "Ich habe zu meinem Klimaticket um 830 Euro zusätzlich ein Sitzplatz-Abo um 45 Euro bezahlt. Und dann funktioniert gefühlt echt nie etwas."