Im Morgengrauen ziehen sich Spuren der Verwüstung durch die Grazer Parks. Schon um vier Uhr in der Früh schwärmen deshalb die Mitarbeiter der Holding Graz aus, um sie zu säubern. Der ärgste Unrat ist bis 8.30 Uhr beseitigt. Diese Geschichte wiederholt sich derzeit an jedem schönen Tag – auch wenn diese derzeit wegen des Dauerregens selten sind.
In der Stadt ist längst eine hitzige Debatte entbrannt. Der öffentliche Raum und die Freiheit, wie er zu nutzen ist, spalten die Gesellschaft. Kritiker werden als Spielverderber abgestempelt, Jugendliche und Freizeitsportler als Störenfriede.

Zahlreiche Leserbriefschreiber wandten sich an uns, einer erinnert etwa daran, „dass der öffentliche Raum natürlich nicht rechtsfrei ist“. Freiheit bedeute auch nicht, „dass die Bürger wegen des Lärms ihre Fenster nicht mehr aufmachen können oder die Kinder in der Nacht aufwachen“.
Heidrun Primas, in gesellschaftlichen Debatten in Graz stets präsent und als Forum-Stadtpark-Chefin mit den Resten der nächtlichen Partys quasi vor der Haustür konfrontiert, ortet ein „Selbstverantwortungsdefizit“.

„Es schmerzt mich, wie hier mit dem so wichtigen öffentlichen Raum umgegangen wird“, so Primas. Gefordert sieht sie jedoch nicht nur jeden Einzelnen, der seine leeren Dosen einfach liegen lässt, sondern auch die Politik. „Man sieht an den übervollen Parks deutlich, dass zu wenig öffentlicher Raum und Grünraum vorhanden sind“, unterstreicht sie. „Man sollte nicht über Verbote sprechen, sehr wohl aber über Regeln“, so Primas weiter. Im Konflikt zwischen Anrainern und Skatern sei es Aufgabe der Politik, die Interessensgruppen für die Ausverhandlung einer Lösung zusammenzubringen.

Aufräumen statt Einschreiten

Nutzungskonflikte beschäftigen auch Bürgermeister Siegfried Nagl: „Mir haben Anrainer zuhauf geschrieben.“ Was man sich derzeit mit der Polizei genauer anschaue, sei der Lärm durch Musikanlagen. Aber: „Wir sind eine junge Stadt und ich habe Verständnis, dass die Leute nach einem Jahr einfach hinausmüssen.“ Man hofft, dass sich alles nach dem ersten Wochenende nach dem Lockdown beruhigt – und setzt zunächst auf Aufräumen statt Einschreiten.