Während andere Parteien sich teils ganz oder halb neu erfinden, bleibt bei der KPÖ praktisch alles beim Alten. Das zeigt die Liste für die Gemeinderatswahl am 28. Juni, die die Grazer Kommunisten bei ihrer Bezirkskonferenz am Samstag beschlossen haben. Bürgermeisterin Elke Kahr wurde dabei mit „99-komma-irgendwas Prozent“ als Spitzenkandidatin bestätigt, „ich weiß es jetzt gar nicht genau“. Überhaupt wurden alle 20 Leute auf der Liste mit Ergebnissen zwischen 97,5 und 100 Prozent gewählt. „Das zeigt, dass wir eine sehr freundschaftliche und kameradschaftliche Partei sind“, so Kahr.
Auf Platz zwei folgt erwartungsgemäß Robert Krotzer, Stadtrat und designierter Kahr-Nachfolger, sollte sie wann auch immer aus der aktiven Politik ausscheiden. Auf drei kommt Klubchefin Sahar Mohsenzada, Stadtrat Manfred Eber auf vier und Parteigeschäftsführerin Daniela Gamsjäger-Katzensteiner auf fünf. Um einen neuen Namen zu finden, muss man bis zu Platz 14 schauen: Psychologe Simon Riedl. Insgesamt gibt es unter den Top 20 nur fünf neue Namen, alle eher am Ende der Liste. Und das, obwohl mit Kurt Luttenberger, Christian Fröch und Nenad Savić drei Gemeinderäte aufhören.
KPÖ setzt mit ihrer neuen Liste auf Kontinuität
„Das war schon früh klar, dass der Großteil der Mandatare weitermachen will“, so Kahr, die diese Kontinuität gut findet. So sei ein nahtloses Weiterarbeiten gesichert. Was die KPÖ-Spitze hervorstreicht: Die Liste, die wie immer nach Reißverschlusssystem gebildet wurde, stehe für „den Charakter der KPÖ als Partei der arbeitenden Menschen“, so Krotzer. Vom Elektrotechniker über den Justizwachebeamten bis zur Ärztin, von der Lehrerin über den ÖBB-Bediensteten bis zum Sozialarbeiter decke man die breite Bevölkerung ab. Diese Erfahrungen seien für den Gemeinderat wertvoll. Und: Es sind zwei parteilose Personen auf der Liste.
„Anders als andere Parteien, die ihre Mandatare mit einem vorgeschriebenen Skript eines Parteimanagers ans Rednerpult schicken, um eine Attacke zu reiten, bringen bei uns die Gemeinderäte ihr persönliches Wissen ein“, meint Krotzer. „Das Grazer Rathaus sollte eine lobbyismusfreie Zone sein, unsere Leute haben keinen Zug zu einer Karriere.“
Aktuell hat die KPÖ drei Sitze im Stadtsenat und 15 im Gemeinderat. Demnach wäre Listenplatz 19 mit Karin Reimelt das Kampfmandat.
Grazer KPÖ hat heute 370 Mitglieder, um 48 Prozent mehr als 2021
Die KPÖ ist seit dem Wahlerfolg 2021 stark gewachsen, von damals rund 250 Mitgliedern auf jetzt 370. Sie alle wären bei der Bezirkskonferenz wahlberechtigt gewesen, 87 davon sind tatsächlich gekommen. „Es gibt noch viel mehr, die mit uns sympathisieren“, sagt Kahr. Bei der Mitgliederaufnahme ist man aber wählerisch: „Da muss neben dem Inhalt auch die menschliche Komponente passen. Deswegen laden wir Interessierte immer zuerst ein, sich zu engagieren bei unseren vielen Aktivitäten, seien es die Feste, der Lennymarkt oder anderes.“ Erst wenn man sich gegenseitig kennt, könne man von beiden Seiten aus einschätzen, ob eine Mitgliedschaft passt oder nicht.