Es war ein wochenlanges Rätselraten, für die Öffentlichkeit genauso wie für Parteifreunde: Tritt die Grazer Bürgermeisterin und KPÖ-Chefin Elke Kahr bei der nächsten Gemeinderatswahl noch einmal an oder nicht? Am Donnerstagabend legte sie nun im Rahmen der Bezirkskonferenz der KPÖ vor gut 100 erschienenen Mitgliedern die Karten auf den Tisch. Kurzversion: Ja, Kahr tritt wieder an. Ihre Familie sagte: „Ja, wenn du willst, mach es nochmal“, so die 63-Jährige am Abend.

„Ich denke schon seit Weihnachten darüber nach, es gab viel Für und Wider“, so Kahr zur Kleinen Zeitung. Es waren vor allem private Dinge, die sie berücksichtigen wollte, aber auch die Frage der Abnutzung. „Ich bin seit 40 Jahren politisch aktiv, habe acht Gemeinderatswahlkämpfe gemacht, vier davon als Spitzenkandidatin.“ Da dürfe man schon nachdenken, ob es ein fünftes Mal noch passt. Aber die Familie sowie auch der „Zuspruch aus der Bevölkerung, nachdem die ersten Artikel in den Medien erschienen sind“, habe letztlich den Ausschlag gegeben.

Kahr: „Wenn wir verlieren, trete ich zurück. Das ist ja logisch“

Offiziell beschlossen wird das in den Gremien zwar erst im Herbst, aber die Entscheidung ist gefallen. Eine Halbzeitlösung mit dem designierten Nachfolger Robert Krotzer sei nie ein Thema gewesen, so Kahr. „Ich trete bei der Wahl für die KPÖ an. Wenn wir verlieren, trete ich zurück, das ist ja logisch.“ Auf eine Fortsetzung der aktuellen Koalition will sie sich nicht festlegen, „ich kann ja nur für mich und die KPÖ sprechen. Aber wir wollen unsere Inhalte und Schwerpunkte weiter setzen, egal in welcher Rolle.“ Welche Konstellationen nach der Wahl möglich sein werden, würden die Wählerinnen und Wähler entscheiden.

In der Partei herrscht Erleichterung, bei der politischen Konkurrenz zeigte man sich ob der Ungewissheit – und der medialen, österreichweiten Aufmerksamkeit, die diese mit sich brachte – schon genervt. Und es war tatsächlich ein Coup, der Kahr und der Partei gelungen ist – oder passiert, schenkt man Parteigranden Glauben. Das Bekenntnis in der Kleinen Zeitung Mitte Mai, dass sie, die einzige kommunistische Bürgermeisterin Österreichs, noch nicht wisse, ob sie die KPÖ neuerlich in die Wahl führt, ließ viele aufhorchen. Der Nachsatz einen Monat später, sie für sich habe sich entschieden, aber sie werde es erst bei der Bezirkskonferenz den Parteimitgliedern sagen, heizte das Interesse weiter an. Bis es zuletzt das große Gesprächsthema in der Stadt war.

Der Amoklauf am 10. Juni hat den internen Zeitplan verändert

Kahr dazu: „Das war keine Strategie, das haben wir immer so gemacht. Zuerst reden wir parteiintern, dann öffentlich.“ Dass jetzt, wo sie als Bürgermeisterin eine andere Rolle hat, der Blick von außen anders war? „Das hat mich noch nie beeindruckt.“ Außerdem habe der 10. Juni, der Amoklauf am Borg Dreierschützengasse, alles nach hinten verschoben. Sonst hätten die Bezirkskonferenz sowie der Parteitag der Landes-KPÖ, der jetzt am 12. Juli abgehalten wird, schon früher stattgefunden.

Max Zirngast geht Teilzeit zur KPÖ Niederösterreich, bleibt aber Gemeinderat in Graz

Einen prominenten (Teil)-Abgang gab es am Rande der Bezirkskonferenz dennoch. Bezirkssekretär Max Zirngast, der auch als Personalreserve für höhere Ämter innerhalb der Grazer KPÖ gegolten hat, legt die operativen Agenden der Grazer Stadtpartei in die Hände von Gemeinderätin Daniela Gamsjäger-Katzensteiner. Zirngast selbst konzentriert sich dann auf sein Gemeinderatsmandat mit Schwerpunkt Stadtplanung und Verkehr und wechselt in Teilzeit zur KPÖ Niederösterreich.