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Graz nimmt Abschied vom Song Contest-Traum

Der Amoklauf hat die steirischen ESC-Pläne überschattet. Die Politik verabschiedet sich wohl von der Bewerbung.

© KLZ / Stefan Pajman
Bernd Hecke
Chefreporter

Beim Netzwerk-Treffen des steirischen Stiftungsrates Thomas Prantner im Beisein von Landeshauptmann Mario Kunasek und zahlreich erschienener ORF-Prominenz vom General Roland Weißmann abwärts im Grazer Generalihof war eine mögliche Bewerbung von Graz zur Austragung des Song Contests 2026 noch das Gesprächsthema des Abends. Ein Monat später, überschattet durch den Amoklauf am Borg Dreierschützengasse, dürften sich die steirischen ESC-Pläne wohl erledigt haben.

Offiziell ist die mögliche Bewerbung natürlich völlig in den Hintergrund gerückt. Sie war angesichts der Grazer Tragödie die geringste Sorge der Entscheidungsträger. Dennoch haben die beauftragten Köpfe im Rathaus, wie von der Stadtregierung vor einigen Wochen gewünscht, ihre Hausaufgaben gemacht und eine vertiefte Kostenschätzung erstellt. Diese hält das Rathaus aber aktuell auch aus Gründen der Pietät unter Verschluss. Wie die Kleine Zeitung aber in Erfahrung bringen konnte, liegt die Summe deutlich unter den Kosten des heurigen ESC in der Schweiz (inklusive Übertragungskosten: rund 60 Millionen Franken, 35 Millionen davon stemmte die Stadt Basel), aber doch über der ersten Schnellschätzung der Grazer Stadtpolitik von 20 Millionen. Nach genauer Prüfung geht man im Rathaus von Kosten von knapp unter 30 Millionen Euro aus. Da sind die Übertragungskosten, die der ORF übernimmt, nicht inkludiert. Kommentieren will das aktuell aber keiner.

ESC-Dämpfer von Landeshauptmann Kunasek

Klar war aber von Anfang an, dass die Stadt in ihrer finanziellen Lage diese Kosten nicht allein stemmen könnte. Man sprach stets von einer Drittellösung von Bund, Land und Stadt. Nächste Woche will die Stadt ans Land herantreten, um die Optionen auszuloten. Landeshauptmann Kunasek, stand ja von Anfang an eher auf der Bremse, weil die Kostenfrage noch unklar war. Jetzt versetzt er den Song Contest-Träumen, die vor dem Amoklauf vor allem die SPÖ Graz angeheizt hat, einen deutlichen Dämpfer. Am Rande des Sicherheitsbeirates, im Eindruck der Tragödie, sagte er zur Kleinen Zeitung: „Ehrlich gesagt, glaube ich eher nicht, dass wir uns da bewerben sollten.“

In den Überlegungen hinter den Kulissen hörte man dieser Tage zwei Meinungen. Die erste: Es wäre ein Zeichen von Hoffnung und Zuversicht und ein Blick nach vorne, der Graz gut täte. Die zweite: Es wäre undenkbar, so kurz nach dem Amoklauf fristgerecht am 4. Juli eine Bewerbung für die ESC-Austragung in der steirischen Landeshauptstadt abzugeben. Letztere Sicht dürfte sich nun durchsetzen.

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