Die ersten Frühlingsboten sprießen aus dem Boden, die Sonne lacht, die Temperaturen werden endlich wieder zweistellig – und die Eissalons öffnen ihre Türen. Was gibt es heuer Neues? Wir haben uns in den Vitrinen umgeschaut.

Dubai darf natürlich nicht fehlen: Die nach wie vor sehr beliebte Geschmacks-Kombination aus Pistazien, Schokolade und knusprigem Kadayıf („Engelshaar“) ist eine der neuen Sorten, mit denen Charly Temmel heuer in seinen Eissalons in die neue Saison startet. Dazu noch Topfen („‚Topfen-Feige‘ ist zuletzt komischerweise nicht gegangen, aber Topfen mögen die Leute“, so Temmel), Mohn-Himbeer und „Mocca Almond Fudge“ („Das geht in den USA sehr gut“) – all das zum Preis von 2,40 Euro pro Kugel. „Damit konnten wir unseren Preis halten“, ist der Eiskönig stolz, der zum Auftakt in der Herrengasse die Band Alle Achtung aus der Tüte gezaubert hat. „Die höre ich in den USA auch immer“, schwärmt er.

Zur Saisoneröffnung blickte Temmel aber nicht nur in die warme Jahreszeit nach vorne, sondern auch zurück: „In unserer Zentrale in Puntigam bauen wir gerade um, da sind mir alte Fotos in die Hände gefallen.“ Sie zeigen die Filiale in der Herrengasse, die Temmel seit 36 Jahren hat. „1981 habe ich mich selbstständig gemacht, seit 1986 haben wir die Konditorei in der Mitterstraße – und seit 1989 die Herrengasse.“ Er habe damals gewusst, dass er unbedingt hier im Stadtzentrum vertreten sein müsse. Er konnte die damaligen Besitzer des Hutgeschäfts Pichler überzeugen, ihm 6 Quadratmeter zu vermieten, wenig später konnte er es aber kaufen: „Es hat sich herausgestellt, dass die Vorbesitzer das Geschäftslokal unter der Maria-Theresien-Konzession betrieben und gar nicht vermieten hätten dürfen.“ Temmel war zur Stelle und kaufte das Lokal um 1,7 Millionen Schilling – „das war damals trotzdem sehr viel Geld und das muss man einmal durch Eisverkauf hereinbekommen.“

Temmel ist natürlich bei Weitem nicht der Einzige, der die Saison schon eröffnet hat: Einen Frühstart hat auch heuer Mariane Leyacker-Schatzl mit den beiden Innenstadt-Filialen Kaiserfeldgasse und Färbergasse hingelegt, schon zum Valentinstag servierte man eiskalte Liebesgrüße. Jakominiplatz und Conrad-von-Hötzendorf-Straße folgen noch diese Woche, wenn das Wetter passt. Der Renner sind derzeit Krapfen mit Eisfüllung. „Die waren am Wochenende in gerade einmal einer halben Stunde ausverkauft“, lacht Leyacker-Schatzl. Rechtzeitig zum Faschingshöhepunkt am Dienstag hat man aber freilich für ordentlich Nachschub gesorgt. Pistazie ist außerdem ebenfalls unter den rein veganen Sorten in der Eisperle schwer angesagt: Die grüne Köstlichkeit kommt in Form von Pistazien-Tiramisu-Eis in die Tüte, gerade frisch erzeugt wird auch ein Schoko-Himbeer-Brownie-Eis – alles ab 2,90 Euro pro Kugel, dafür ist alles handgemacht: „Die Brownies machen wir selbst, wie alle unsere Zutaten, von den Saucen bis zur Hafermilch“, so die Eisperle-Gründerin, die auch mit einer anderen Neuigkeit in den Startlöchern steht: „Unser Eis wird es auch sehr bald außerhalb von Graz geben, mehr darf ich aber noch nicht verraten.“ In einem Instagram-Posting hat man jedenfalls bereits „Top Secret“ ein paar Entwürfe für „Tasty Ice Cream“ zum abgepackt kaufen geleakt.

Bei Sax Eis ist ein neuer Standort in Vorbereitung – vermutlich ab April werden Eis-Fans wieder ganz in der Nähe des Hauptplatzes auf ihre Kosten kommen, nachdem man sich ja im Vorjahr aus der Sporgasse verabschiedet hat (wo mittlerweile Arthur Gelato zu finden ist). Die Standorte in St. Peter und in Feldkirchen sind schon offen, als Sorte des Jahres bietet man heuer Karamell-Popcorn an, neu ist auch Marillenkuchen. Hergestellt wird das Eis von der SASt GmbH (Soziale Arbeit Steiermark) in Puntigam: „Wir stellen 600.000 Kugeln pro Jahr her und sind damit die größte gemeinnützige Eismanufaktur im deutschsprachigen Raum“, sagt Gernot Scheucher. Preislich liegt man heuer trotz zahlreicher Herausforderungen („Die belgische Schokolade, die wir verwenden, ist heuer um 80 Prozent teurer geworden, da braucht man schon einiges an Kreativität“, so Scheucher) bei 2,30 Euro pro Kugel.

Auch Harald Schuster von Harry‘s Ice Cream kann von herausfordernden Preisen bei Rohstoffen berichten: Milch (er verwendet wie Sax auch die Milch von Mantscha Müch) wurde wesentlich teurer, die Schokolade hat aber alles übertroffen. Dafür kann man die Preise aber noch moderat halten: Mit 2,60 Euro für die erste Kugel, die weiteren kosten je 2 Euro, die „Minis“ 1,50 Euro pro Sorte. Seit Sonntag sorgt Schuster wieder für eiskalte Genüsse in der Uni-Gegend: In der Zinzendorfgasse werden frisch aus Harry‘s Eisküche neue Sorten wie Crema della Nonna (Vanille, geröstete Pinien und Orangenzesten), Cassata siciliana (Ricotta, Amaretto, kandierte Früchte) oder ein Fruchteis aus Karotte, Orange und Ingwer in Stanitzel geformt, in der Mariahilferstraße legt man ab Dienstag los.

„Der Eissalon“ hat ebenfalls bereits geöffnet, im Augarten und in Wetzelsdorf, der zentrale Standort in der Stubenberggasse folgt Ende März. Heuer neu: Milchreis, Cookies in glutenfreier Variante und Topfen-Sesam mit Salzkaramell, demnächst kommt zudem noch ein Proteineis. Preislich liegt man bei 2,50 Euro, die Mischkugel kostet 2,80 Euro – „die ist besonders wichtig im Augarten“, heißt es.