Zum Artikel „Der stationäre Handel liegt kurz vor der Intensivstation“

Im Artikel wird die deutsche Stadt Freiburg als gutes Beispiel für eine belebte Innenstadt erwähnt. Nicht erwähnt wurde, dass es rund um Freiburg aufgrund funktionierender Raumplanung kein Einkaufscenter gibt (mit der Ausnahme von Baumärkten). Also das genaue Gegenteil davon, wie in der Steiermark Raumplanung betrieben wird.
Karl Reiter

Die Begründungen warum Menschen zum Einkaufen nicht die Grazer Innenstadt wählen sind folgende:
- Der Onlinehandel ist zeitsparend, praktisch weil jederzeit möglich und billiger.
- In den Einkaufszentren gibt es Gratisparkplätze und dort ist das Auto um zwischendurch Pakete abzulegen, nahe.
- Die Graz Linien sind zu teuer (6,2 Euro sind zu viel für zwei Stundenkarten für jemanden, der selten fährt. Der/Die kauft sich keinen Zehnerblock und  schon gar kein Klimaticket) und zu umständlich (sämtliche Einkäufe müssen mitgetragen werden) und es dauert zu lange.
- Radwege: man muss schon sehr mutig sein um sich von manchen Außenbezirken durch das lückenhafte Radwegenetz in die Innenstadt zu trauen.
- Es fehlt im Zentrum eine unkomplizierte Möglichkeit (ohne vorher eine App zu laden) Einkäufe, Gepäck in unterschiedlich großen Schließfächern sicher aufzubewahren.

Mir ist es ein Anliegen, dass die Grazer Innenstadt zum Einkaufen attraktiv bleibt - nicht nur für Events und Gastro. Meine Idee: Wie an den Adventsamstagen an einem Tag der Woche eine Freifahrt mit Bus und Bim einführen. Niemand versteht wieso in Wien die einfache Fahrt € 2,40 kostet und in Graz € 3,10.
Maria Kainz

Meine Erfahrung zeigt, dass das von den Händlern selbst auch Richtung „Intensivstation“ gesteuert wird: Ich wollte kürzlich eine Tasche kaufen und habe im Internet gesehen, dass das große Traditionskaufhaus in der Innenstadt diese führt. Ich habe das Auto zuhause gelassen und bin im Sinne der Nachhaltigkeit mit dem Bus in die Stadt gefahren. Im Geschäft wurde mir gesagt „online only“. Somit bin ich zwei Stunden später daheim gewesen und musste es bei jenem Händler online kaufen. Wie nachhaltig und einladend ist das, beim nächsten Mal wieder in die Stadt zum Einkaufen zu fahren? Ich habe „online only“ nicht zum ersten Mal in der Stadt gehört. Man trägt hier schon selbst auch zur Misere bei.
Alexandra Leopold

Kurz vor der Intensivstation ... ja warum denn wohl?

1. Die Mieten in der Innenstadt sind kaum noch zu stemmen. Wird ein Geschäft neu vermietet, steht die nächste Mietpreissteigerung ins Haus.

2. Große Einkaufstempel (Murpark, Center West, Seiersberg, ...) bieten kleinste Wege für „alles unter einem Dach“ und sind bestens und kostenfrei mit dem Pkw erreichbar.

3. Die Erreichbarkeit der Innenstadt mit dem Pkw ist höchst unattraktiv. Entweder man findet nur schwer einen Parkplatz oder man bemüht die Graz Linien, dies als Paar für zwei 24h-Tickets um 13,60€, ups. Das führt doch zwangsläufig zur Intensivstation. 

Die vielleicht „rettende“ Idee: Warum sind die höchst defizitären Graz Linien nur an Adventsamstagen kostenfrei, dafür aber bummvoll? Freifahrt an jedem Samstag würde die Attraktivität der Innenstadt erheblich steigern. Eine temporäre Station (nur samstags) am Landhaus/Stempfergasse lüde zum Einkaufen, Flanieren und Kaffeetrinken ein. Eine Mietpreisbremse für Geschäfte würde zumindest die Herz-Lungenmaschine finanzieren. Wenn die Innenstadt einmal komplett ausgestorben ist, wird man sehen, dass man „online“ weder fühlen noch riechen kann.
Thomas Leifert

Zum Artikel „Das ist kein Jammern, das ist ein Ruf um Hilfe“

Meint Herr Wäg vielleicht Hilfe in Form eines Coachings für sich und sein Klientel, wie man mit Kund:innen umgeht und wie man Kund:innen an sich bindet? In den meisten Innenstadtgeschäften habe ich, wenn ich die Geschäfte betrete, das Gefühl, das Personal in ihrer täglichen Ruhe zu stören. Ich vermisse Sach - und Fachkenntnisse auf allen Ebenen und bin meist froh, das Geschäft wieder verlassen zu können. Ähnliches sehe ich im Gastgewerbe. Fachleute werden durch Laien ersetzt, weil es ja kostengünstiger ist, aber zum Leidwesen der Konsument:innen. Ein Coaching brauchen auch die Vermieter:innen der Lokalitäten. Man vermietet keine feuchten und verschimmelten Lokalitäten zu horrenden Preisen. Das ist Wucher und gegen jeglichen Anstand.

Zum Schluss sage ich noch eins klar und deutlich. Ich bin unglaublich froh, dass Graz von zwei grandiosen Frauen, Frau Kahr und Frau Schwentner, mit ihren Teams klug und sensibel regiert wird. In einem Rekordtempo wird unsere Stadt zukunfts - und klimafit und vor allem auch generationenfreundlich. Eine europäische Herzeigestadt.
Edith Haberfellner-Dohr

Sollte nicht die unsichtbare Hand des Marktes die Situation in der Innenstadt regeln? Müssen die teils abstrus hohen Mieten nicht sinken, wenn Leerstand lang besteht und dadurch neue Mieter anlocken? Scheinbar ist es wie mit den leeren Wohnungen in Graz: Lieber leer lassen als weniger Miete bekommen.
Julian Wenninger

Ich wohne am nördlichen Stadtrand von Graz und habe ca. zwei Kilometer Fußweg zu einem öffentlichen Verkehrsmittel. Wenn ich mein Auto an der Haltestelle stehen lasse, zahle ich für die Grüne Zone UND für das Öffi Ticket. Ein Preisbeispiel: Verbringe ich 83 Minuten in der Innenstadt, zahle ich für das Parkticket 2,76 Euro und für die Straßenbahntickets 6,20 = 8,96 Euro. Ich liebe das Flair der Innenstadt, aber der Preis, den ich dafür bezahlen muss, schmerzt doch sehr und sollte vielleicht zum Nachdenken anregen. Mein Vorschlag: Parkticket = Öffi-Ticket, denn an eine Park and Ride Lösung im Norden von Graz glaube ich schon nicht mehr!
Gabi Sebanz-Holzer