Ach, tut das gut. An einem womöglich geschichtsträchtigen Mittwochabend, nur wenige Stunden nach der jüngsten innenpolitischen Krise, schreiben sieben Persönlichkeiten ihre eigene Geschichte – aber voller Optimismus und Vorbildwirkung. Im Styria Media Center werden die „Köpfe des Jahres“ aus Graz und Umgebung geehrt: In sieben Kategorien, von Sport über Newcomer bis zum sozialen Gewissen, konnten Leserinnen und Leser der Kleinen Zeitung eine oder einen der Nominierten wählen. Wer am meisten Stimmen erhielt, betritt an diesem Mittwoch unter Applaus die Bühne – doch gefeiert werden alle.
Etwa Andrea Pauli, die sich in St. Marein bei Graz auf Geflügelrassen mit den buntesten Eiern spezialisiert hat, die man sich nur vorstellen kann. Pauli verschickt auch befruchtete Exemplare zum Fertigbrüten per Post. Als an diesem Abend ihr Name fällt und sie als „Newcomer des Jahres“ auf die Bühne gebeten wird, betätigt sich Moderator Mathias Pascottini schmunzelnd als Lippenleser: „Sie hat grad ,Oh mein Gott!‘ gesagt.“ Kurz darauf erzählt Pauli selbst, dass man daheim ihre Idee mit den Hühnern zunächst mit den Worten „Jetzt spinnt sie komplett“, kommentiert. „Aber dann hat mich grad der Papa voll unterstützt.“
Das Rampenlicht gilt auch Jakob Url, der die Grazer „Bahnhofsmission“ im Namen der Caritas führt, um dort wohnungs- oder obdachlosen Menschen Geborgenheit und Würde zu bieten. Eine lehrreiche Tätigkeit, weiß Url: „Wenn du dann selbst heimkommst, bist du dankbar für alles, was du hast.“
Lebenswerk-Preis geht an Franz Grossauer
Allein, in einem Fall hat die Redaktion der Kleinen Zeitung eigenmächtig gehandelt – und den Preis für das Lebenswerk an Gastro-Profi Franz Grossauer verliehen. In seiner Laudatio erinnert Kleine-Redakteur Michael Kloiber an ein älteres Zitat des heute 67-Jährigen: „Wenn mich die Jungen nicht mehr brauchen, geb ich eine Ruh‘.“ Das habe man ihm nicht so recht geglaubt, meint der Laudator – „Wir auch nicht!“, hört man die anwesenden Familienmitglieder von Grossauer auflachen.
Neben Vertretern der Sponsoren stellen die Kleine-Redakteure Nina Müller und Gerald Winter-Pölsler dem Publikum die Sieger vor. Zu jenen, die applaudieren oder ihre Handykamera betätigen, gehören unter anderen die Grazer Vizebürgermeisterin Judith Schwentner, die Stadträte Kurt Hohensinner und Günter Riegler, Landtagsabgeordnete Veronika Nitsche und Bundesrätin Antonia Herunter. Aber auch Bürgermeisterinnen und Bürgermeister aus dem Grazer Umland haben das – vom Cateringteam „Der Ederer“ servierte – Glas erhoben, darunter Jakob Frey (Hart bei Graz), Jakob Taibinger (St. Radegund) und Franz Knauhs (St. Marein). Einer der wohl ältesten Gäste ist Julius Holzner: Der 92-Jährige war in der Kategorie Sport nominiert, im März steht der nächste Halbmarathon auf dem Programm. „Voriges Jahr bin ich es zu schnell angegangen, aber diesmal bin ich gescheiter.“
Und während im Newsroom des Styria Media Center die politischen Ereignisse dieses Tages eingeordnet werden, schreiben im 14. Stockwerk die „Köpfe des Jahres“ ihre eigene Geschichte. „Und die besten Geschichten sind jene, die berühren, weil sie als Vorbild für die Gesellschaft relevant sind“, so Oliver Pokorny, Mitglied der Chefredaktion der Kleinen Zeitung. Und Kleine-Geschäftsführer Thomas Spann spricht von einem „schönen, emotionalen Abend“.