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Ermittlungen werden fortgesetztWar es ein Suizid oder doch Mord?

Angeblicher Suizid in der Oststeiermark: Neue brisante Gutachten könnten zu Mordermittlungen führen. Die Staatsanwaltschaft gab am Samstag bekannt, dass aufgrund dieses Gutachtens die Annahme eines Selbstmordes "nicht mehr mit ausreichender Sicherheit aufrechterhalten werden kann".

Hat die Polizei ordentlich ermittelt? © Jürgen Fuchs
 

Werden im Fall eines angeblichen Suizids im Umfeld jenes oststeirischen Arztes, gegen den ein Gerichtsverfahren wegen Misshandlung seiner Kinder anhängig ist, nach viereinhalb Jahren Mordermittlungen eingeleitet? Die Staatanwaltschaft Graz teilte am Samstag mit, dass "aufgrund eines von der Staatsanwaltschaft Graz zuletzt in Auftrag gegebenen Gutachtens eines Sachverständigen aus dem Bereich des Schießwesens" die Annahme eines Selbstmordes "nicht mehr mit ausreichender Sicherheit aufrechterhalten werden" kann, "weshalb das Ermittlungsverfahren, welches nach wie vor gegen unbekannte Täter geführt wird, fortgesetzt wurde".

Es geht um den Tod von Alois H. (63) in der Nacht zum 26. September 2014 (die Kleine Zeitung berichtete mehrmals darüber). Die Leiche des Mannes lag im Wohnzimmer seines Einfamilienhauses bei Hartberg. Gefunden wurde der Tote von seiner Ehefrau, die zum Tatzeitpunkt im Nebenzimmer schlief. Weder sie noch ihr Liebhaber wollen einen Schuss gehört haben. Alle – auch die örtliche Polizei – gingen von einer Selbsttötung aus.

Keine Tatortarbeit

Tatortarbeit wurde keine durchgeführt, lediglich drei Fotos angefertigt. Erst als am nächsten Tag die Tochter die Selbstmordvariante infrage stellte, wurden eine Schusshandbestimmung und eine Obduktion durchgeführt. Der Gerichtsmediziner fand keine Anhaltspunkte für ein Fremdverschulden. Allerdings: Alois H. hatte keine Schmauchspuren an den Händen, wie einige Wochen später auch ein Gutachten des Bundeskriminalamtes bestätigte. Darin heißt es: „Es konnten keine Anhaltspunkte dafür gefunden werden, dass Alois H. mit der Schusswaffe hantiert, sie abgefeuert oder sich in der Nähe der Schussabgabe aufgehalten hat.“

Außerdem war Alois H. schwerbehindert, konnte seinen rechten Arm kaum bewegen. Trotzdem ging man davon aus, dass er sich hinter dem rechten Ohr in den Kopf geschossen hat.

Viele Ungereimtheiten

Die Leiche lag neben einem Polstersessel, die Tatwaffe (eine Pistole, Kaliber 6,35) unter dem Tisch, das ausgeworfene Projektil unter einem Polster auf der Wohnzimmerbank. Das alles hätte der Polizei auffallen müssen. Doch alle diese Ungereimtheiten wurden bei den Erhebungen ebenso außer Acht gelassen wie die Frage, woher die Tatwaffe stammte.

Erst drei Monate später, als das Landeskriminalamt (Gruppe für Sittlichkeitsdelikte) im Fall gegen den oststeirischen Arzt ermittelte, stellte sich heraus, dass die Waffe ihm gehört hat. Trotzdem wurde das Verfahren abgebrochen. Jahre später erstellte ein pensionierter Wiener Gerichtsmediziner im Auftrag der Tochter des Toten ein Gutachten, in dem er einen Selbstmord praktisch ausschloss. Jetzt erst reagierte die Justiz. Die in Auftrag gegebenen Gutachten liegen nun vor.

Dazu Monja H. (Tochter): „Ich erwarte mir, dass die Staatsanwaltschaft endlich ordentlich ermittelt.“

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