Fünf Monate bedingt und eine Geldstrafe setzte es diese Woche für einen 28-jährigen Slowenen am Grazer Straflandesgericht. Ein ehemaliger Lehrer hatte 10.000 Euro auf dessen Konto überwiesen – der Pensionist war via Facebook auf eine vermeintliche Virusmeldung hereingefallen.
Warnsignale beachten
Fallen gibt es zuhauf, weiß Fritz Grundnig von der Landespolizeidirektion Steiermark: „Die Betrüger sind sehr erfinderisch.“ Die Gefahr lauert dabei in der virtuellen ebenso wie in der realen Welt. Fakeshops im Internet sind ein Beispiel dafür. Dahinter verbergen sich Betrüger, die vortäuschen, seriöse Händler zu sein. Ungewöhnlich günstige Preise, Vorkasse als einzige Zahlungsmöglichkeit, kein funktionierendes Kontaktformular oder keine Angaben zum Unternehmen sind mögliche Hinweise darauf. Eigene Gütesiegel helfen „echte“ von „unechten“ Shops zu unterscheiden.
Sensible Daten
Das sogenannte Phishing zählt zu den Dauerbrennern: Die Betroffenen werden von vermeintlich seriösen Organisationen aufgefordert, Passwörter, Kreditkartendaten oder Bankkontoinformationen einzugeben. Doch auch hier stehen Betrüger dahinter. Formulierungen wie „Wir bitten Sie, Ihre Daten umgehend zu aktualisieren“, „Wenn Sie dies nicht tun, müssen wir Ihr Konto leider schließen“ oder „Die E-Mail enthält Links oder Formulare, die Sie ausfüllen sollen“ sind mögliche Hinweise darauf.
Vom Neffen bis zum Polizisten
Immer wieder melden sich die Täter auch telefonisch, geben sich als Mitarbeiter eines Serviceunternehmens aus und bringen ihre Opfer dazu, eine Software zu installieren – offiziell um einen Fehler zu beheben oder ein Update zu machen. Im Hintergrund greifen sie mithilfe der neu installierten Software auf Benutzerdaten oder Banklogins zurück. Die Polizei rät: Kein seriöses Unternehmen fragt per Telefon nach Daten oder verlangt einen Fernzugriff. Anrufe von ausländischen Nummern sind ebenso zu hinterfragen. Polizei-Sprecher Grundnig: „Die Täter sind gewieft, oft psychologisch geschult und vermitteln ihr Anliegen sehr glaubwürdig.“
Bekannt, aber nach wie vor vielfach angewandt wird der Neffentrick: Dabei melden sich die Betrüger per Telefon und geben an, ein bis dato unbekannter Verwandter zu sein. Das Telefon benutzen die Betrüger auch, um potenziellen Opfern vom vermeintlichen Unfall ihrer Tochter/ihres Sohnes zu erzählen, die nun Geld für die Kaution brauchten. Immer wieder geben die Anrufer auch vor, dass es in der Nachbarschaft eine Einbruchserie gebe und deshalb die Polizei vorbeikomme, um Geld und Wertsachen zur Sicherheit mitzunehmen.
Täter nutzen emotionalen Stress der Opfer aus
„Die Polizei würde so etwas niemals tun“, betont Grundnig. Und weiter: „Bitte immer vorsichtig sein, hinterfragen oder auch auflegen und die Tochter, den Sohn selbst kontaktieren.“ Damit könne man auch der emotionalen Ausnahmesituation entfliehen, die die Opfer zumeist in die Falle tappen lässt. „Die Täter machen oft extremen Druck. Einem Täter ist es etwa gelungen, eine ältere Frau gleich mehrere Stunden am Telefon zu halten, damit sie nicht zum Nachdenken kommt. Am Ende hat sie das Geld überwiesen“, bedauert er.
Doch es gibt auch Lichtblicke: Erst Ende Oktober trickste eine ältere Frau einen falschen Polizisten aus, die echte Polizei nahm wenig später drei Tatverdächtige fest.