Die Vorfreude auf den Urlaub ist groß bei den Passagieren der Eurowings-Maschine, die eigentlich Dienstag gegen Mittag von Graz in den Urlaub in das Fantasie-Urlaubsziel „Tomorrow Town“ abheben wollten. Aber dann geht alles ganz schnell, das Unvorstellbare passiert: mehrere Täter bringen das Flugzeug in ihre Gewalt und nehmen Geiseln.

Es ist der Startschuss für die größte Katastrophenübung in der Grazer Airportgeschichte mit rund 500 Teilnehmenden.

Sekunden nach Eingang der fiktiven Terror-Meldung wird die Alarmierungskette in Gang gesetzt, unter der Leitung der Landespolizeidirektion Steiermark werden die Notfallpläne von Flughafen und Einsatzorganisationen im Einsatzstab zusammengeführt.

Verhandlungen mit Geiselnehmern scheitern

Was folgt sind nervenaufreibende Stunden, das Einsatzkommando Cobra und die Verhandlungsgruppe Süd des Landeskriminalamts nehmen Kontakt zu den Geiselnehmern auf, die sich in der Maschine verschanzt halten, stundenlang wird verhandelt, ohne Erfolg. Eine mögliche Erstürmung des Flugzeuges wird immer wahrscheinlicher.

Cobra Süd-Einsatzkommandant Kurt Kornberger koordiniert den Einsatz
Cobra Süd-Einsatzkommandant Kurt Kornberger koordiniert den Einsatz © Lisa Hanschitz

Der Zugriff erfolgt dann binnen Sekunden, mehrere Cobra-Einsatzfahrzeuge umstellen die Maschine, zeitgleich nähert sich der Polizei–Hubschrauber Libelle, ein Sicherungsschütze sorgt aus der Luft für Rückendeckung der Cobra-Beamten, die das Flugzeug stürmen. Wenige Minuten später dann der erlösende Ausruf „Übung beendet!“ – mehrere Geiseln werden von den Cobra–Beamten ins Freie gebracht und in Polizeigewahrsam genommen. Die Passagiere an Bord der Eurowings–Maschine bleiben unverletzt.

Neue Erkenntnisse für den Airport Graz

Alle zwei Jahre finden am Flughafen Graz derartige Notfallübungen statt, bis jetzt wurden zumeist Katastrophenszenarien durchgespielt, technische Gebrechen, Notlandungen oder Flugzeugabstürze. „Ein Terrorszenario ist heute Premiere für uns, wir lernen daraus irrsinnig viel und können neue Erkenntnisse in unsere Notfallpläne einfließen lassen“, betont Flughafensprecherin Doris Pölt. „Wir haben ja diverse Notfallpläne, die immer wieder durchgespielt werden müssen, von der Notlandung bis zum Bombenalarm.“

Gerald Ortner bei der Einsatzbeschreibung
Gerald Ortner bei der Einsatzbeschreibung © Lisa Hanschitz

Mehr als 500 Teilnehmer sorgen für einen reibungslosen Ablauf, die Grenzpolizei ist ebenso dabei wie das Rote Kreuz, Kriseninterventionsteams oder die Airline. „Eurowings ist die größte Fluglinie am Standort Graz, seit Jahren arbeiten wir erfolgreich zusammen und deshalb beteiligen wir uns als Partner sehr gerne an dieser Übung. Alles, was dazu beiträgt, die Sicherheit im Luftverkehr zu steigern, ist gut, so Eurowings Base Captain für Graz und Wien Alexander Gsteu.

Flughafensprecherin Doris Pölt und Eurowings Base Captain Alexander Gsteu
Flughafensprecherin Doris Pölt und Eurowings Base Captain Alexander Gsteu © Lisa Hanschitz

Die Rädchen greifen ineinander

Zufrieden bilanziert auch Landespolizeidirektor Gerald Ortner, der mit seinem Team im Ernstfall diverse Aufgaben am Airport übernehmen muss, das reicht von der Absicherung des Flughafens über die Sicherstellung von Beweismaterial bis zur psychologischen Betreuung. „Die heutige Übung verdeutlicht, wie eng Einsatzkräfte im Ernstfall zusammenarbeiten müssen, damit alle Rädchen ineinander greifen. Das ist zentraler Bestandteil unserer Sicherheitsstrategie.“