Knistern, Gänsehaut oder doch ein epischer Moment. Er konnte es kaum glauben, als er im Auslauf von seinen neuseeländischen Kollegen frenetisch bejubelt wurde. Es war der Abend von Luca Harrington (20), der am Samstag bei der Big-Air-Premiere im Klagenfurter Wörtherseestadion vor 10.387 Besuchern seinen ersten Weltcupsieg feierte.

Aus heimischer Sicht war Svancer-Mania angesagt. Der ÖSV-Star und Qualifikationssieger ließ sich im Bad der Menge als Dritter feiern und „rockte“ das Stadion. „Ich bin glücklich. Es ist mein zweites Podium heuer, passt perfekt. Klar hätte der letzte Sprung gelandet werden können, aber man macht halt Fehler. Ich habe den Trick noch nie auf Schnee versucht, ich nehme es mir persönlich nicht übel. Es war lustig“, grinste der 20-Jährige, der seine Sprudelflasche nicht mehr aus der Hand gab.

„Es war extrem eisig“

Wie schwierig es tatsächlich zu landen gewesen ist, verdeutlicht der zweifache Junioren-Weltmeister: „Es war extrem eisig.“ Bereits nach der Quali verriet Svancer, „dass es nicht fein ist, wenn du einen Dreifachsalto in eine Eisplatte reinmachen musst. Aber das Drumherum war perfekt, die Shaper waren sehr bemüht.“

Angesprochen auf den neuen Schauplatz in Kärnten, meint der heurige Chur-Triumphator, der in der Disziplinenwertung auf Rang zwei liegt, in gewohnt ehrlicher Manier: „Klagenfurt ist ein legendäres Event, aber es wäre cool, wenn das Event in Österreich herumreisen würde. Nach Innsbruck hätte ich eine weniger lange Anreise“, schmunzelt Svancer, der vor dem Finale der Top-Zehn mit der Müdigkeit zu kämpfen hatte.

Er redet überhaupt nicht gern über sich

„Es ist richtig anstrengend, zehn Sprünge klingen easy, sind aber psychisch extrem schwer. Doch nach der ersten Drehung waren die Leute da und die Müdigkeit weg. Ohne das Publikum hätte das nicht so funktioniert“, versichert der Ski-Freestyler, der mit seiner chilligen Art überzeugt. Svancer ist jener Athlet, der versucht, neue Messlatten zu setzen und somit den Sport, egal ob technisch oder kreativ, auf ein nächstes Level bringt.

Er habe laut Aussagen seines Umfelds eine unglaubliche Neugier in sich. Grenzen des physikalisch Machbaren interessieren ihn wenig, er testet aus, was das Zeug hält. Er redet überhaupt nicht gern über sich, sondern lässt lieber Taten sprechen. Auf die Frage, ob er die Nacht durchmachen wird, sprach sein Blick Bände. „Aber vorher ist dehnen und Gym dran, bin ja Profi. Party ist für Loser, nein Scherz, klar bin ich dabei.“

Und bei den Damen? Da schlug mit Liu Mengting eine Chinesin zu. Daumen drücken heißt es am Sonntag für Doppel-Olympiasiegerin Anna Gasser. Die Millstätterin holte sich am Vortag den letzten Feinschliff am Kreischberg – und die Devise ist klar: „Ich werde es den Japanerinnen nicht leicht machen.“