Im Vorjahr waren aufgrund der Corona-Pandemie auf allen vier Stationen keine Zuschauer zugelassen, heuer ist das Schanzen-Spektakel erneut  von derselben Problematik betroffen. Somit wartet auf Sie in Ihrem ersten Jahr als Tournee-Präsident gleich eine Riesenherausforderung.
PETER KRUIJER: Es war im Vorjahr, als ich noch als Präsident des SC Oberstdorf verantwortlich war, hart und es ist auch heuer wieder hart. Aber wir haben hier in Oberstdorf durch die Nordische WM im Frühjahr hinsichtlich Corona und der ganzen Testerei viele Erfahrungen sammeln können. So gesehen ist es für uns nichts Neues. Aber es ist immer wieder spannend, bangt man doch bis zum Schluss, dass die Politik hinsichtlich Austragung nicht doch noch eine andere Entscheidung trifft.

Könnte es denn noch schlimmer kommen?
Na ja, wir hatten schon Zeiten, wo es nicht erlaubt war, Profisport auszuüben. Aber schmerzhaft ist es auch so genug, wenn keine Zuschauer dabei sein können. Das ist schlimm für die Fans selbst und für die Athleten, die ohne jegliche Stimmung performen müssen. Aber natürlich leidet auch der Tourismus und die gesamte Infrastruktur der vier Tournee-Stationen.

Tournee-Präsident Peter Kruijer
© Imago

In Oberstdorf sind nun bereits zum dritten Mal in Folge keine Zuschauer erlaubt, ging doch auch die WM ohne Fans in Szene. Ist das finanziell überhaupt noch verkraftbar?
Wir sind hier in der glücklichen Lage, mit dem deutschen Skiverband eine Ausfallsversicherung abgeschlossen zu haben, die auch noch heuer greift. Damit sind die Verluste bei den Zuschauereinnahmen abgedeckt. Finanziell geht es sich also aus, nur ist eben die Motivation bei allen Beteiligten geringer, wenn die tolle Atmosphäre ausbleibt.

Nach der zuschauerlosen Weltmeisterschaft hat es geheißen, Oberstdorf würde eine Ersatz-WM bekommen. Gibt es diesbezüglich etwas Neues?
Dieses Thema war nur die Meldung einer Zeitung, die in weiterer Folge hochgebauscht wurde. Doch war das nie ernsthaft im Gespräch. Natürlich wäre eine Ersatz-WM schön, doch ist so etwas im FIS-Reglement gar nicht festgeschrieben. Außerdem stehen die Veranstalter für die kommenden Jahre längst fest – da hängen ja auch Verträge und viel Geld dran.

Oberstdorf ist also finanziell abgesichert – doch wie sieht es mit der gesamten Tournee aus?
Wir sind gut aufgestellt, die Tournee kann solche Ausfälle verkraften. Wir haben ja auch erst heuer die Preisgelder massiv angehoben. Das hätten wir nie gemacht, wenn es uns schlecht gehen würde.

Fallen durch die Pandemie Mehrkosten an?
Unterm Strich kostet die Austragung der Tournee mehr, weil die Zuschauereinnahmen wegfallen und die Testkosten für alle Helfer immens sind. Andere Kosten wie jene für Zusatztribünen, zusätzliche Züge, Busse und Helfer fallen hingegen weg. Auch für die einzelnen Mannschaften fallen natürlich gerade durch das Testen Mehrkosten an. Aber es nützt alles nichts: Die Tournee ist die Tournee und muss stattfinden.

Seit wann sind Sie Teil der Vierschanzentournee und was war Ihr persönliches Highlight?
Ich bin seit knapp 1980 in unterschiedlichen Funktionen dabei. Ich war Ressortleiter der medizinischen Abteilung und dann Präsident des SC Oberstdorf. Mein persönliches Highlight war vergangenes Jahr hier in Oberstdorf, als ich unserem Oberstdorfer Karl Geiger zum Sieg gratulieren und ihm den Pokal überreichen konnte. Aber es gibt viele Höhepunkte: Der erste Grand Slam von Sven Hannawald oder jene Jahre, wo in allen Stadien extrem wenig Schnee war, wir einen irren Aufwand hatten und es am Ende dennoch geschafft haben, dass gesprungen werden konnte.

Man darf also davon ausgehen, dass Geiger auch Ihr Favorit für die heurige Tournee ist?
Er ist momentan Führender im Gesamtweltcup und hatte zuletzt sehr gute Resultate. Wir wollen es nicht verschreien, aber natürlich wäre es toll, könnte er den Gesamtsieg holen.

Abschließend die Frage nach Ihren Tournee-Visionen – gibt es da welche?
(lacht) Ich habe mich schon gefragt, wann Sie mich nach der Frauen-Tournee fragen.

Wie ist diesbezüglich der aktuelle Stand? Es hat doch geheißen, die Frauen-Tournee sollte parallel laufen und jeweils am Tagen der Männer-Qualifikation gesprungen werden.
Das ist der Stand vom Vorjahr, mittlerweile haben wir aber eine neue Idee: Wenn in Oberstdorf die Männer springen, sollen die Frauen am selben Tag, aber für das Fernsehen zeitversetzt, in Garmisch springen. Und wenn die Männer in Garmisch springen, dann die Frauen in Oberstdorf. Und für die beiden Stationen in Österreich gilt dasselbe. Diese Idee favorisieren wir und sie wäre hinsichtlich Logistik und Quartieren auch umsetzbar. Zwar noch nicht in der nächsten, aber möglicherweise schon in der übernächsten Saison. Jetzt warten wir auf eine Entscheidung der FIS und der Verbände.