Im Rahmen des Tourneefinales in Bischofshofen stellte Sandro Pertile, FIS-Rennleiter der Sparte Skispringen, die Zukunftspläne des internationalen Skiverbandes vor. Größte Priorität hat dabei das Ziel, ab der Saison 2026/27 Frauen und Männer nur noch zur selben Zeit an denselben Weltcuporten auf Großschanzen springen zu lassen. „Wir haben diesbezüglich einen Dreistufenplan erarbeitet. Bereits in der kommenden Saison wird es mehr Parallel-Bewerbe geben als heuer.“

Hintergrund dieser Revolution ist es, die Wertigkeit des Frauen-Skispringens zu steigern. Dies bedeutet allerdings zugleich, dass es künftig keine Weltcupbewerbe mehr auf Normalschanzen geben wird. Eine Tatsache, die beim ÖSV auf Gegenwehr trifft, droht damit doch Weltcuporten wie Hinzenbach oder Villach das Aus. Für ÖSV-Sportdirektor Mario Stecher der falsche Weg, hätte man doch zuletzt in Engelberg gesehen, dass aufgrund der schwierigen Wettbedingungen der Frauen-Weltcup abgesagt wurde, um das Männer-Springen zu sichern. „Das darf nicht sein“, sagt der Steirer gegenüber dem ORF. Stecher schwebt stattdessen wie im Tennis eine Art Grand Slam vor, wo es zumindest ein paar Wettkämpfe geben würde, die man gemeinsam austragen könne.

Weltliga der Junioren

Damit die Normalschanzen trotzdem im Betrieb bleiben können, denkt die FIS eine Art Weltliga für Junioren an, die dann auf den K90-Bakken in Szene gehen soll. Wie das finanziell gestemmt werden soll, steht allerdings in den Sternen. Ebenfalls offen ist noch die Frage, wie das ideale Format eines Weltcup-Wochenendes mit Frauen und Herren aussehen soll. So ist Pertile bewusst, dass man die Fans nicht länger als fünf Stunden in den Stadien bzw. vor den TV-Stationen halten kann. „Vielleicht streichen wir die Probedurchgänge, vielleicht gibt es pro Wochenende nur einen Qualifikationssprung. Darüber diskutieren wir noch.“ Fix ist hingegen, dass man den Zuschauern neben den Wettkämpfen künftig ein zusätzliches Entertainmentprogramm bieten will. „Der Sport ist attraktiv, doch braucht es heute mehr als nur das.“

Dass die Normalschanzen in absehbarer Zeit damit auch aus dem Olympia- und WM-Programm verschwinden werden, ist ein logischer Schluss. Auswirkungen auf die Bewerbung der Ramsau für die Nordische WM 2031 soll dies aber noch keine haben. „Bei uns ist alles weiter auf Schiene. Wir werden beim Nachtslalom in Schladming ein richtungsweisendes Gespräch mit der politischen Landesspitze führen“, sagt WSV-Obmann Luis Stadlober, der aber zugleich betont: „Die FIS muss aufpassen, welchen Weg sie einschlägt. Haben wir weniger Normalschanzen, wird es auch keine Nachwuchsförderungen und in weiterer Folge keinen Nachwuchs mehr geben.“

Anders argumentiert Pertile: „Man muss ab und zu unpopuläre Entscheidungen treffen, um den Sport weiterzuentwickeln.“ Dass das Frauen-Skispringen laut Statistiken bei den Zuschauern derzeit nur ein Zehntel des Interesses des Männer-Skispringens weckt, ist dem Rennleiter bewusst. „Diesbezüglich wird es jetzt auch nicht gleich eine 180-Grad-Wendung geben, doch der Trend geht langsam nach oben.“

Die mobile Flugschanze

Weitere Pläne der FIS sehen vor, dass die Skiflugschanzen ausgebaut werden sollen, um größere Weiten zu erzielen. Zudem wird eine Globalisierung des Sports vorangetrieben. Dafür wird die US-Skiflugschanze in Copper Peak revitalisiert, zudem will man vermehrt in den chinesischen sowie (sofern es die Lage wieder zulässt) in den russischen Markt vorstoßen. Auch der Traum, dass es irgendwann Skispringen in Rio de Janeiro und Dubai geben soll, nimmt immer konkretere Formen an. So präsentierte Pertile ein Video mit einer mobilen Schanze und einer Hillsize bei 150 Metern. „Der Traum des Menschen ist es, zu fliegen. Wir wollen unseren Sport in die ganze Welt hinaustragen.“