Vielleicht ist es falsch, Stefan Kraft Jahr für Jahr auf seinen Garmisch-Fluch anzusprechen. Es macht es für den Salzburger auf alle Fälle nicht leichter, wenn im Vorfeld der zweiten Tournee-Station regelmäßig daran erinnert wird, dass ihm der Olympia-Bakken nicht liegt. Die Bestätigung folgte auf dem Fuß. Als Tourneeführender angereist, musste der hochdekorierte ÖSV-Adler in der Olympiastadt von 1936 Federn lassen.
Nach dem ersten Durchgang nur 14., konnte sich der Pongauer im Finale aber immerhin noch auf Platz acht nach vorne katapultieren, fiel in der Gesamtwertung allerdings auf den dritten Rang zurück. „Ich bin erleichtert, den Rückstand mit dem zweiten Sprung in Grenzen gehalten zu haben. Es ist gut, dass wir Garmisch jetzt verlassen“, lächelte der 31-Jährige, der jetzt in der Rolle des Jägers ist: „Daniel und Jan sind im Moment eine Nuance besser drauf als ich. Aber ich hoffe, sie in Innsbruck mit meiner Routine ein bisschen ärgern zu können.“
Tschofenig sprang ein
Also ein blaues Auge für den dreifachen Weltmeister. Aber: Österreichs Mannschaft präsentiert sich aktuell dermaßen stark, dass andere problemlos einspringen können. Diesmal war es Daniel Tschofenig, der in Garmisch das Zepter an sich riss. Mit Sprüngen über 141,5 und 143 Metern war der Achomitzer an diesem Tag von der Konkurrenz nicht zu überflügeln. Der Kärntner übernahm mit seinem dritten Saisonsieg die Spitze in der Tournee-Gesamtwertung vor Hörl (minus 7,9 Punkte) sowie Kraft (minus 8,7) und hat nun auch im Gesamtweltcup vor Pius Paschke (in Garmisch Neunter) die Nase vorne.
„Das waren heute zwei geniale Sprünge. Nur bei der Landung muss ich noch ein bisschen üben“, spielte Tschofenig jenen Schreckmoment an, als er beim Telemark ordentlich ins Wackeln geriet. Doch Ende gut, alles gut: „Ich habe schon als kleines Kind davon geträumt, einmal das blaue Trikot des Führenden anziehen zu können. Und jetzt stehe ich da und habe es tatsächlich geschafft.“ Bemerkenswert: Tschofenig ist der erste Garmisch-Sieger seit Thomas Diethart 2014.
Die größte Weite am ersten Tag des neuen Jahres stand aber nicht der 22-Jährige, sondern ein Teamkollege. Michael Hayböck sorgte mit 145 Metern nicht nur für ein echtes „Haylight“, sondern auch für einen neuen Schanzenrekord. Am Ende reichte es für den Oberösterreicher, der auch am Bergisel die Bestweite hält, hinter dem Schweizer Gregor Deschwanden für den dritten Platz. „Jetzt habe ich bei allen vier Tournee-Stationen einen Stockerlplatz. Darüber freue ich mich genauso wie über den Schanzenrekord.“ Warnender Nachsatz: „Meinen Rekord am Bergisel werde ich aber nicht mehr angreifen, da hält der Rücken die Landung tief unten im Kessel nicht mehr aus“, lächelte der oberösterreichische Routinier.
Am Donnerstag ist bei der Tournee wieder Ruhetag, am Freitag (13.30 Uhr) geht es am Innsbrucker Bergisel mit der Qualifikation weiter.