Manuel Feller redet zwar mitunter viel, aber nie um den heißen Brei herum. Und er selbst stellte vor seinem ersten Auftritt bei der WM klar, dass es um nichts mehr und nicht weniger als dieses eine Rennen geht. Im Slalom von Saalbach-Hinterglemm, in seinem Heimatskigebiet, das ganze vier Lifte von seinem Heimatort Fieberbrunn entfernt ist, kann es für ihn nur Gold geben. Es wäre kein Jahr nach dem Weltcup-Finale, bei dem er just hier nach einer Fabelsaison die Kristallkugel für den Weltcupsieg im Slalom überreicht bekam, nicht nur der nächste Höhepunkt, es wäre der Gipfel für ihn. Und nicht nur für ihn – im Teambewerb gab es schon einen Vorgeschmack, was er auslöst: Nie war es so laut, als er von Zwischenzeit zu Zwischenzeit Bestzeit fuhr, selten auf einen Schlag so still, als er einfädelte.
„Natürlich ist das die größte Enttäuschung meines Lebens, wenn es hier im Slalom nichts wird“, hatte er davor gesagt. Und danach ergänzt: „Es wäre wohl leichter gewesen, wenn ich schon etwas auf der Habenseite gehabt hätte, aber auch das ändert nichts an der Ausgangsposition.“ Der Einfädler? Für Feller keine unbekannte Größe: „Ich bin das gewöhnt. Die anderen guten Läufer, die auch so ausgeschieden sind, nicht unbedingt.“ Und vor allem holte er sich in der Team-Kombination die Bestätigung, dass „es pfeift. Ich weiß, dass ich schnell bin.“ Und vor allem weiß er, dass er vorne mit dabei ist, wenn er schnell ist.
Auch sein Trainer Martin Kroisleitner bestätigt das. „Im Prinzip müsste ich sagen, dass er sogar besser ist als in der vergangenen Saison. Und da hat er 700 Punkte herausgefahren, also im Schnitt 70 Punkte pro Rennen“, sagt der in Kärnten lebende Steirer. Nur sei diese Saison eben nicht mit so einem Paukenschlag gestartet wie die vergangene, als es in Gurgl gleich einen Dreifachsieg gab. Was das für einen Unterschied ausmacht, war lange zu sehen. Bis ins neue Jahr blieb das erfolgsverwöhnte Team ohne Podestplatz – die gelangen erst just im letzten Rennen vor der WM, in Schladming. „Es war wichtig, dass ein Resultat auf dem Papier steht. Und wir haben es erwartet“, sagt Kroisleitner, der betont: „Manuel ist viel stabiler als noch vor drei, vier Jahren.“
Was die Stärke des 32-Jährigen ausmacht? „Er ist ab etwa fünf Minuten vor dem Start voll in seiner Zone und fokussiert. Da geht er in seine Welt, konzentriert sich ganz auf seine Schlüsselpunkte, die ihn schnell machen.“ In Saalbach kommt dazu, dass er den Hexenkessel weit nach oben hören wird. Keine Sache, die Feller hemmt: „Das genießt er. Dafür hat er trainiert, dafür lebt er – um hier am Start zu stehen. Manuel wird heute alles da draußen lassen!“ Und wäre ein Triumph nach der Durststrecke nicht besonders schön? „Auf Englisch sagt man: It ain‘t sweet without a sour – es schmeckt nicht süß ohne sauer davor“, sagt Kroisleitner. Erfolge würden wieder mehr geschätzt.
Kroisleitner und das gesamte Team setzen ihr ganzes Vertrauen in den Tiroler, aber nicht nur in diesen. „Heute sind auch zwei Medaillen möglich“, erklärt er und betont: „Anfangs der Saison waren wir nicht am Limit, daher gab es keine Top-5-Plätze. Wir haben uns verbessert, nur auf dem Papier ist das lange nicht gestanden.“ Fabio Gstrein ging in Schladming endlich der Knopf auf, erstmals fuhr er aufs Podest. „In der Team-Kombi war er auch gut unterwegs, aber nicht bis ganz ins Ziel. Ich hoffe, es war ein Weckruf.“ Und auch Marco Schwarz sei immer eine Explosion zuzutrauen: „Er wäre sonst nicht Weltmeister, wenn er das nicht könnte. Das Blatt kann sich schnell wenden.“