Die Stegers – Fritz senior und Fritz junior – sind dieser Tage nur „nebenberuflich“ Hoteliers. Während sich in ihrem Vier-Stern-Betrieb „Hasenauer“ die Restfamilie um die 170 Gästebetten, den Restaurantbetrieb und die Wellnessoase kümmert, sind die Herren des Hauses am Berg unterwegs. Die beiden Stegers fungieren im weitverzweigten WM-Organigramm als Pistenchefs für die Rennstrecken. Ihr Hauptaugenmerk gilt damit dem Schneeband, das neben der Bergstation der Zwölferkogel-Seilbahn beginnt und 3,129 Kilometer und 901 Höhenmeter weiter unten vor der mächtigen Tribüne des Zielstadions endet. Hier, auf der „Schneekristall“- und „Ulli Maier“-Piste, finden bis 16. Februar sämtliche Medaillenentscheidungen statt. Und Fritz & Fritz sorgen dafür, dass das auf einem bestmöglichen Untergrund passiert.
Wie oft sie dafür in den letzten Wochen die Piste abgefahren oder hinuntergerutscht sind? Synchrones Schulterzucken. „Jeden Tag an die zwanzig Mal – eher öfter“, wagt Fritz Steger senior nur eine vorsichtige Schätzung. Wie häufig sie in den vergangenen Tagen die Wetterprognose angeschaut haben? „Mehrmals stündlich“, sagt Fritz junior und lacht: „Du muasst scho‘ a bisserl an Vog‘l hab’n fürs Skifahren.“ Vater und Sohn entsprechen diesem Anforderungsprofil und bringen die notwendige irrationale Begeisterung für Schnee mit, die schon eine Generation davor in die Familien-DNA eingebrannt wurde: Herbert Steger, Vater und Großvater der heutigen Pistenchefs, bekleidete diese Funktion bereits bei der Ski-WM 1991. Da konnte er schon auf einschlägige Erfahrung aus zwanzigjähriger Hauptverantwortung für die Rennpisten in Saalbach-Hinterglemm zurückgreifen. Sein Erfolgsrezept: „Du musst mit dem Schnee reden wie mit einem guten Freund, musst ihn fragen, wie es ihm geht und ihm geben, was er braucht.“
Mit der richtigen Strategie zum Erfolg
zur weißen Pracht begann auch im heurigen WM-Winter schon mit dem ersten Schneefall im Frühwinter. Das, was auf natürliche Weise vom Himmel fiel, wurde um Kunstschnee aus strategisch positionierten Kanonen und Lanzen ergänzt. Entlang der Strecke wurden Depots angelegt und auf der Strecke eine möglichst kompakte Schneedecke geschaffen. „Sie ist an jeder Stelle mindestens 75 Zentimeter hoch“, erklärt Fritz senior. Dieses Wissen stammt von GPS-Daten. Die gesamte WM-Piste wurde im Sommer im Überflug vermessen. Sensible Sensoren in den tonnenschweren Pistengeräten gleichen die Daten mit dem Ist-Zustand ab und liefern so die exakte Schneehöhe. Auch die Position der einzelnen Torstangen ist bekannt, wurde der Speed-Kurs doch bereits im letzten Winter gesetzt und GPS-mäßig erfasst. So können jetzt Übergänge, Sprünge und Sturzräume perfekt modelliert werden. Für das Vereisen stehen entlang der Strecke rund 80 Wasseranschlüsse und oberarmdicke Schläuche mit Hochdruckdüsen zu Verfügung.
„Man muss schon wissen, was man tut“, sagt Fritz junior. Er sitzt im Clubhaus des örtlichen Skivereins in der Nähe der Mittelstation der Zwölferkogel-Seilbahn: Moderne Architektur, funktionale Raumaufteilung mit langem Besprechungstisch und kurzen Wegen zu Kaffeemaschine und Getränkekühlschrank. Pistenpläne hängen an der Wand. Das bis zu 600-köpfige Pistenpersonal wird von hier aus organisiert und dirigiert. „Es soll möglichst überall gleich griffig, eisig und glatt sein“, erklärt Fritz senior die Tücken der richtigen Präparierung. Wo und wie man das lernt? „Sich gegenseitig beraten, aber nicht zu viel reden, sondern einfach tun“, beschreibt er den Mix aus Anpack-Mentalität, Wissen um die Eigenheiten des Geländes und der Erfahrung aus einem Vierteljahrhundert Pistenbearbeitung.
Familienerbgut Schnee
Dieses tradierte Rezept und der Umgang mit aktuellen Wetterphänomenen gehört bei den Stegers zum Familienerbgut. „Nach den Speedbewerben werden wir noch einmal nachwassern“, sinniert der Junge, während er vor dem Clubhaus steht und auf den imposant steilen oberen Streckenabschnitt schaut. Hier teilt sich die Zuständigkeit der Stegers: Um die Pisten für die Damenrennen links kümmert sich der Junior, die Herrenpisten rechter Hand sind Revier des Seniors. Ein letztes Mal. „Nach der WM ist für mich Schluss“, sagt der 58-Jährige. Für Nachwuchs ist gesorgt. Fritz junior wurde kurz vor der WM Vater von Zwillingsbuben.