Bereits am 24. Februar hob Lilli Tagger von Mailand aus Richtung Los Angeles ab. Von der Westküsten-Metropole ging es dann mit Trainerin Francesca Schiavone und Fitnesscoach Sergio Bugada noch mit dem Auto vier statt zwei Stunden („Wir sind mitten in die Rush-Hour gekommen“) in die kalifornische Wüste nach Indian Wells. Der Plan: So schnell wie möglich den Jetlag überwinden und im Idealfall die Qualifikation des heimlichen fünften Grand Slams überstehen. Am Freitag ereilte die seit 17. Februar 18-jährige Osttirolerin dann die frohe Kunde: Turnierdirektor Tommy Haas stattete die Lienzerin mit einer Wildcard für den Hauptbewerb des Masters-Spektakels aus.

Dort bekam die 18-jährige Osttirolerin nun die in Russland geborene Französin Varvara Gracheva zugelost. Die 25-Jährige liegt in der Weltrangliste derzeit auf Position 58 und damit 61 Plätze vor der Lienzerin (WTA-Nr. 119). Trotzdem kann Tagger mit dem Los zufrieden sein, tummeln sich im 96er-Raster des heimlichen fünften Grand Slams doch noch weit größere Tennis-Kaliber. Wobei die Top 32 in der ersten Runde ein Freilos haben. Kann Tagger die erste Runde überstehen (das Match steigt Mittwoch oder Donnerstag), würde sie auf die Griechin Maria Sakkari treffen. „Ich habe mit Gracheva einmal in Auckland trainiert, sie spielt sehr schnell und gerne über die Longline-Seite. Die Plätze sind hier nicht so schnell, das könnte mir ein bisschen entgegenkommen. Ich rechne mir schon gewisse Chancen aus, wenn ich mein bestes Tennis abrufen kann“, sieht es die Österreicherin.

Training mit Mboko und Williams

Über die Wildcard (neben Tagger erhielten auch klingende Namen wie Venus Williams, Sloane Stephens, Donna Vekic und Bianca Andreescu eine „Freikarte“) ist Tagger freilich „extrem happy“, in den vergangenen Tagen trainierte die French-Open-Juniorinnensiegerin mit Kanadas Jungstar Victoria Mboko und auch Williams. „Der Mann von Venus ist ein guter Freund von Francesca, deshalb haben wir schon öfter miteinander gespielt“, erzählt Tagger, die sich vom Turnier begeistert zeigt: „Die Landschaft ist superschön, es gibt viel Grün. Allerdings herrscht hier eine extrem trockene Hitze.“ Mit ihrem Team wohnt die Österreicherin in einem Hotel in der Nähe der Anlage, in Sachen Essen ist das Team bei einem Sushi-Restaurant fündig geworden. „Sonst gibt es hier viel Burger- und Pizza-Läden. Und das sieht man den Amerikanern auch ein bisschen an“, schmunzelt Tagger.

Neben der Osttirolerin steht auch Anastasia Potapowa im Hauptbewerb – die Neo-Österreicherin bekommt es zum Auftakt mit einer Qualifikantin zu tun. Sinja Kraus zog hingegen in der ersten Qualifikationsrunde gegen die Australierin Storm Hunter mit 6:7, 4:6 den Kürzeren, Julia Grabher verzichtete auf eine Reise in die USA. Bei den Männern ist Österreich nicht vertreten, die Nummer eins, Filip Misolic, muss aufgrund einer Verletzung an der Fußsohle pausieren.