Mit einem hart umkämpften 6:0, 7:6, 6:7, 7:6-Erfolg über den Serben Laslo Djere zog Andrej Rublew in die zweite Runde von Wimbledon ein. Dort wartet auf den an Nummer 14 gesetzten Russen heute der Südafrikaner Lloyd Harris. Parallel zum Start des Rasenklassikers lancierte die ATP ein halbstündiges Video über Rublew, in dem der 27-Jährige ungeschminkt über seine schweren Depressionen, die ihm in den vergangenen Monaten und Jahren quasi die Luft zum Atmen geraubt haben, spricht.

So berichtet der 17-fache Turniersieger, er habe sich während seiner schweren Depression wie „ein toter Mensch“ gefühlt und es habe einen Moment gegeben, in dem er erkannt habe, dass er „völlig verloren“ sei und einfach ein paar Antworten brauche. Dass Rublew mit psychischen Problemen zu kämpfen hat, machte er nach seinem Wutausbruch 2024 in Dubai öffentlich. Damals brüllte das Tennis-Ass einen Linienrichter an, wurde disqualifiziert, kam aber mit einer relativ glimpflichen Strafe über 36.400 Dollar davon. Es war nicht das erste Fehlverhalten des Wien-Siegers 2020. Gut in Erinnerung ist auch noch sein Ausraster bei den ATP Finals 2023, als er sich völlig in Rage selbst das Bein blutig schlug.

Zwar gehe es seitdem bei ihm gesundheitlich wieder bergauf, doch hätten ihn die mentalen Fortschritte noch nicht dort hingebracht, wo er gerne wieder sein möchte. Große Hilfe hätte ihm dabei auch Legende Marat Safin, den er vor dem Start der Sandplatzsaison als neuen Coach engagiert hat, geleistet. So hätten sich alleine die Gespräche mit seinem russischen Landsmann als psychische Stütze erwiesen. Als Wegweiser heraus aus den düsteren Stunden, Tagen, Wochen, Monaten und Jahren, die Rublew gefesselt und gelähmt haben.

„Eine Woche lang deprimiert im Zimmer“

Und diese waren extrem heftig, wie der Moskowiter erzählt: „Es fühlt sich an, als würde man sterben. Als ob jemand gekommen wäre, um einen umzubringen. Und was macht man dann? Man ist auf dem Höhepunkt seines Stresses. Man versucht alles, um sein Leben zu retten.“ Und weiter: „Nach jedem Spiel war ich wie tot. Eine Woche lang deprimiert im Zimmer, als ob die Welt untergehen würde. Ich war an einem Punkt angelangt, an dem ich völlig mit mir selbst verloren war. Ich konnte nicht mehr aus meinem Zustand ausbrechen, ich verstand nicht, was ich tat. Wer ich bin. Wofür ich lebe.“

Erschütternde Einblicke. Umso erfreulicher, dass Rublew wieder ein Licht am Ende des Tunnels sieht. Doch ist der Russe mit diesen Problemen im Tennis-Zirkus nicht alleine. Auch Naomi Osaka oder Amanda Anisimova kämpfen mit Depressionen und machten diese öffentlich. Die Dunkelziffer ist weit höher.