Es ist die Zeit, die einmal kommen musste. Wenn am Sonntag der Hauptbewerb der French Open startet, wird man einen Namen im 128er-Raster der Herren vergeblich suchen: Rafael Nadal. Der König von Paris, der das Turnier unglaubliche 14 Mal gewinnen konnte, ist vergangenes Jahr in Pension gegangen und vermisst den Sport nach eigenen Angaben nicht. Zumindest vorerst. In Roland Garros wird der Spanier heuer dennoch vorbeischauen, wird der „Matador von Manacor“ am Sonntag doch für seine herausragenden Erfolge auf dem Pariser Sand geehrt. Quasi eine Draufgabe der Veranstalter, denn eine Statue Nadals ziert bereits die Anlage am Bois de Boulogne.

Von Sebastian Ofner gibt es derweilen noch kein aus Stahl gefertigtes Ebenbild. Macht nichts, der 29-Jährige backt eben etwas kleinere Erfolgsbrötchen, erquickt damit aber die Herzen der heimischen Tennisfans. Erst Mitte März nach siebenmonatiger Zwangspause nach zwei Fersenoperationen wieder auf die Tour zurückgekehrt, präsentierte sich der St. Mareiner von Turnier zu Turnier stärker, was nun vorerst im Halbfinale von Genf gegipfelt ist. Dort musste sich der Österreicher zwar dem Polen Hubert Hurkacz mit 3:6, 4:6 geschlagen geben, kann aber dennoch frohen Mutes nach Paris reisen. Seine Erwartungen: „Ich bin gut drauf und weiß, dass ich jedem weh tun kann.“

Dort wartet auf den Schützling von Wolfgang Thiem, der dank seines „Protected Rankings“ einen Platz im Hauptfeld hat, am Montag mit dem Deutschen Jan-Lennard Struff eine lösbare Aufgabe auf den Mürztaler, der sich in der Weltrangliste bereits auf Position 108 nach oben gearbeitet hat. Damit hat „Ofi“ schon jetzt fast jenes Ziel erreicht, das er für das Saisonende ausgegeben hat: Einen Platz in den Top 100.

Misolic wiederholt Paris-Kunststück

Doch Ofner ist nicht der einzige Österreicher, der in der „Stadt der Liebe“ sein Können zur Schau stellen wird. So löste auch sein steirischer Landsmann Filip Misolic mit einem glatten 6:4, 6:4-Erfolg über den kasachischen Ex-Bresnik-Schützling Alexander Schewtschenko zum zweiten Mal nach 2024 ein Ticket für den Hauptbewerb. Der Grazer, der in der zweiten Runde Landsmann Lukas Neumayer bezwungen hatte, gab in den drei Matches der Vorausscheidung keinen einzigen Satz ab und setzte damit seinen Aufwärtstrend der letzten Wochen fort. „Es ist eine Belohnung für den tollen Lauf in letzter Zeit. Ich fühle mich viel besser auf dem Platz als noch im Vorjahr und spiele auch viel aggressiver“, sagt Misolic.

Zur Erinnerung: Im Vorjahr hatte er sich ebenfalls erfolgreich durch die Qualifikation gekämpft und bei seiner Grand-Slam-Premiere in der ersten Runde Otto Virtanen (der Finne schickte zuvor in der Qualifikation Dominic Thiem mit einem Sieg in den Pariser Tennis-Ruhestand) bezwungen. In der zweiten Runde musste sich der 23-Jährige dem Argentinier Federico Cerundolo in drei Sätzen geschlagen geben. Danach riss allerdings der Erfolgsfaden. „Vielleicht war ich damals zu zufrieden im Kopf“, sinniert der Grazer, „aber das ist Vergangenheit. Heute fühle ich mich gut und weiß, dass ich mit den Jungs mithalten und sie auch schlagen kann.“ In Paris hat „Miso“ seinen Trainer Ante Andric sowie einen Freund dabei. „Mein Fokus liegt natürlich auf Tennis. Aber am Abend haben wir Zeit zum Essengehen und Billard- oder Dartspielen.“