Im Naturbahnrodeln können die Nächte vor dem Wettkampf schon einmal etwas länger sein. Vor dem heutigen Auftakt zur Weltmeisterschaft in Deutschnofen (ITA) aber blieb das Werkzeug von Michael Scheikl im Koffer. "An der Rodel tu ich nix mehr herum", sagt er, "jetzt wird nur noch gestreichelt und gut zugeredet". Er wirkt vor dem Saisonhöhepunkt in Südtirol erstaunlich gelassen, hat aber auch einen guten Grund dafür: Im Training am Freitag hat er in 54,50 Sekunden die Tagesbestzeit aufgestellt, im zweiten Probegalopp legte er die zweitschnellste Zeit hin.

An seiner Rodel hat er in den letzten Wochen genug gebastelt, das WM-Training hat gezeigt, dass die Einstellung passt. "Ich habe meine Abstimmung gefunden und aus dem Training meine Erkenntnisse gezogen. Jetzt heißt es, sich auf die Wertungsläufe zu konzentrieren." Ein steirischer Weltmeister, das hat Seltenheitswert. Im Jahr 2007 ist dies zuletzt Gernot Schwab in Grande Prairie (CAN) gelungen. "Ich würd’ einen Rückwärtssalto machen, wenn wir einen neuen Weltmeister haben", sagt Schwab, der mittlerweile als Landessportkoordinator im steirischen Rodelverband fungiert. Scheikl aber will die "Kirche im Dorf lassen": "Man muss im Rennen sicher noch Zeit gutmachen. Das wird eine enge Geschichte", erzählt der Kindberger. Zudem könne in drei Wertungsläufen viel passieren.

Diepold Vierte und Fünfte

Michelle Diepold belegte im Training die Plätze vier und fünf. Auf das Podest fehlten zwar ein Mal nur zehn Hundertstelsekunden, dennoch bäckt sie vor den Rennen kleine Brötchen. "Bei Großveranstaltungen war ich noch nie unter den Top fünf. Daher ist das mein Ziel, vor allem, nachdem die aktuelle Saison bislang nicht nach Wunsch verlaufen ist", sagt die Aflenzerin. Die Tatsache, dass die Medaillen in drei Wertungsläufen vergeben werden, räumt aber zumindest Chancen ein, denn "das Set-up stimmt. Ich weiß, wo ich die Zeit rausholen kann."

Diepold und Scheikl sind die beiden einzigen steirischen WM-Vertreter. Im Rahmen des Trainings ist Sebastian Feldhammer noch um einen vakanten, österreichischen Startplatz gefahren – dieser ging aber an Lukas Mark. "Ich vergönne es ihm, er war der Schnellere", sagt Feldhammer, der nach seinem dritten Platz bei der Junioren-Europameisterschaft in seiner Heimat St. Sebastian erstmals in Deutschnofen gerodelt ist.