Es ist immer wieder ein schmaler Grat zwischen voller Attacke und Zurückhaltung, den die Rallyepiloten zu beschreiten haben. Simon Wagner ist Meister seines Faches. Fünf Staatsmeistertitel in Serie sind Zeuge seines Könnens, und mit dem Sieg bei der heurigen Jännerrallye, dem Auftakt der heimischen Meisterschaft, hat er die Anwartschaft auf seinen sechsten Streich schon wieder eindrucksvoll unterstrichen.

In eineinhalb Wochen wird der Oberösterreicher wieder aufs Gaspedal steigen. Bei der Rebenland-Rallye rund um Leutschach in der Südsteiermark, die einen speziellen Status für ihn hat: „Sie ist im Laufe der Jahre zu meiner Lieblingsrallye geworden. Es fühlt sich hier für mich wie der richtige Saisonstart an. Dazu kommt noch die schöne südsteirische Landschaft und die tollen Fans“, erzählt der 32-Jährige, der viermal in Serie auf den Straßen und Wegen zwischen den Reben dominiert hat – vergangenes Jahr vor 20.000 Fans. Auf ähnlichen Fanbesuch hofft Leutschachs Bürgermeister Erich Plasch auch dieses Jahr am 13. und 14. März. Zahlen, die der Veranstaltung auch große wirtschaftliche Bedeutung geben, wie er erklärt: „Diese zwei Tage Rallye-Action bringen ein großes Plus an Nächtigungen mit sich, was eine enorme Wertschöpfung für die Region ist.“

Simon Wagner möchte nach seinem Triumph bei der Jännerrallye in der Südsteiermark nachlegen
Simon Wagner möchte nach seinem Triumph bei der Jännerrallye in der Südsteiermark nachlegen © GEPA pictures

Kieferentzündung bremste die Vorbereitung

Während man also in der Südsteiermark mit den Vorbereitungen voll im Plan ist, standen die Vorzeichen für Seriensieger Wagner unter keinem guten Stern: Er musste sich wegen einer akuten Kieferhöhlenentzündung einer Operation unterziehen. „Dank der hervorragenden ärztlichen Betreuung verlief aber alles gut“, berichtete der Oberösterreicher, der erst diesen Dienstag aus dem Krankenhaus entlassen wurde.

Trotzdem will er bei der 13. Auflage der zur Staatsmeisterschaft sowie zum Mitropa Cup zählenden Rallye unbedingt am Start stehen. „Auch wenn mein Gesicht noch geschwollen ist, muss ich glücklicherweise keine Schmerzmittel mehr nehmen. Nach einer derartigen Operation ist man normalerweise zwei bis drei Wochen außer Gefecht. Nach ärztlicher Absprache darf ich mich aber jetzt schon aufs Rebenland vorbereiten, auch wenn es keine optimalen Voraussetzungen sind. Ich möchte aber unbedingt dabei sein. Ein großer Dank geht an mein Team, auf das ich mich immer verlassen kann“, sagte der Hyundai-Fahrer. Im Rebenland ist auf der Strecke viel Präzisionsarbeit gefragt. Die höheren Startnummern haben mit mehr Schmutz und damit rutschigerem Untergrund auf der Strecke zu kämpfen. Das musste vergangenes Jahr schon der Slowene Mitja Glasenčnik erkennen, der in den Weinbergen einen schweren Abflug verzeichnete.

Simon Wagner setzt sich in der Südsteiermark nach überstandener Operation wieder hinter das Steuer
Simon Wagner setzt sich in der Südsteiermark nach überstandener Operation wieder hinter das Steuer © GEPA pictures

Wagner, im Beruf Schmiede- und Metallbautechniker, kennt die Umstände, hat aber nichtsdestotrotz ambitionierte Ziele. „Wenn ich starte, möchte ich auch gewinnen“, sagt der Serien-Staatsmeister. Gegen einen Sieg hätte auch Österreichs Rallye-Legende Raimund Baumschlager nichts einzuwenden. Der 14-fache Staatsmeister hält mit fünf Siegen den Rekord im Rebenland. „Eigentlich wollte ich im Vorjahr aufhören, aber es macht dann doch zu viel Spaß. Der Nachwuchs wie Simon Wagner schläft aber nicht und kommt immer mehr in die Erfolgsspur. Ich bin froh und dankbar, mit 66 Jahren noch Rallye fahren zu können, und bin sehr gerne in dieser wunderschönen Gegend unterwegs“, betonte Baumschlager, der sich durchaus bewusst ist, dass Simon Wagner heuer an Erfolgen zu ihm aufschließen kann.

Bürgermeister Erich Plasch, Raimund Baumschlager, Mitorganisator und Rallye-Fahrer Günther Knobloch und WKO-Südsteiermark Regionalstellenobmann Dietmar Schweiggl freuen sich auf die heurige Rebenland Rallye
Bürgermeister Erich Plasch, Raimund Baumschlager, Mitorganisator und Rallye-Fahrer Günther Knobloch und WKO-Südsteiermark Regionalstellenobmann Dietmar Schweiggl freuen sich auf die heurige Rebenland Rallye © Harald Illmer