Ironman AustriaRadlegende Adam Hansen in Klagenfurt am Start

Am Sonntag fällt der Startschuss zum Ironman Austria. Im Feld befindet sich mit dem Australier Adam Hansen auch ein ehemaliger Rad-Profi mit insgesamt 29 Grand-Tour-Teilnahmen in der Vita.

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19-01-2020 Schwalbe Classic; 2020, Lotto - Soudal; Hansen, Adam; Adelaide; PUBLICATIONxNOTxINxITAxFRA
Adam Hansen in seinem letzten Jahr im Peloton © (c) imago images/Sirotti (Fotoreporter Sirotti Stefano via www.imago-images.de)
 

Der Australier Adam Hansen hat über viele Jahre den Zirkus der Berufsradfahrer mitgeprägt. Der mittlerweile 40-Jährige hat zwölf Jahre auf der World Tour verbracht und dabei unter anderem insgesamt 29 Grand Tours und 13 Klassiker bestritten. Bei der Vuelta a España und dem Giro hat er auch Etappen gewonnen. Mittlerweile ist er in das Lager der Triathleten gewechselt und wird am Sonntag mit einer Profilizenz beim Ironman Austria an den Start gehen. Vergangene Woche hat er eine Langdistanz in 8:23:50 Stunden absolviert.

Sie sind zwölf Jahre auf der World-Tour gefahren und haben die ganz großen Rennen bestritten. Statt in Pension zu gehen haben Sie nun eine Karriere als Ironman begonnen. Warum?
Ich hatte schon immer eine Leidenschaft für den Triathlon. Eigentlich wollte ich früher in Pension gehen, weil ich gewusst habe, dass die Jahre im hochklassigen Radsport gezählt sind, aber ich liebe das Radfahren einfach. Als ich dann fast 40 war, wusste ich, dass es jetzt sein musste.

Das Ziel ist einmal die WM in Hawaii?
Ich habe noch keine wirklichen Ziele. Ich mache es wie in meiner Karriere als Radfahrer: Ich konzentriere mich auf mich selbst und verbessere mich Monat für Monat. Das wird mich dorthin bringen, wo ich hingehöre. Wenn es Hawaii wird, ist das großartig.

Sie haben gesagt, dass das Radfahren und die Jungs Sie jung gehalten haben. Was fasziniert am Triathlon?
Triathlon ist ziemlich cool und ich liebe die drei Sportarten. Es ist einfach aufregend. Vergangene Woche bin ich bei der Langdistanz-WM neben Niek Heldoorn gelaufen. Er ist 22 Jahre alt. Wir haben ein bisschen gescherzt. Es hat Spaß gemacht, aber dann ist mir eingefallen, dass ich alt genug bin, um sein Vater zu sein.

Sie waren schon immer als Technikfreak bekannt. Schmale Lenker, lange Kurbeln, eigene Schuhe. Worauf dürfen sich die Fans am Sonntag freuen?
Im Moment entwickle ich ein Rad von Grund auf neu, sogar der Antrieb wird einzigartig sein. Aber das ist noch in der Entwicklung. Also am Sonntag werde ich einfach einen sehr hohen Custom-Lenker haben und eine super lange Aero-Kurbel. Nächstes Jahr werde ich aber eine radikal neue Maschine haben. Eine Neuentwicklung will ich aber am Sonntag fahren: meine MK3-Prototyp-Triathlon-Schuhe. Ich baue seit Jahren maßgeschneiderte Radschuhe, aber man braucht zu lange, um sie im Triathlon anzuziehen. Mit den Schuhen, die ich gerade entwickle, geht das extrem schnell. Sie brauchen aber noch einen Feinschliff, aber hoffentlich sind sie rechtzeitig fertig.

Sie veröffentlichen viele Ihrer Daten und Erfahrungen auf Ihrer Homepage. Warum?
Ich möchte, dass andere, die auch tüfteln und experimentieren wollen, einen Vorsprung haben, den ich nicht hatte. Damit möchte ich sie motivieren, ihr Bestes zu geben. In den kommenden Monaten wird sich auf der Seite einiges tun. Aktuell erstelle ich eine Seite, auf der ich zeige, wie ich meine Schuhe und Lenker herstelle oder wie ich die Daten (Anm. Leomo) interpretiere.

Wie viel Spaß macht es, das richtige Rad-Setup für den Triathlon zu finden und wie lange hat es gedauert?
Ich liebe dieses Basteln und Experimentieren einfach. Ich hatte einige Ideen und Theorien und viel Material. Dann habe ich einen Windkanal gemietet und habe sieben Rennanzüge, zwei Paar Schuhe und 65 Lenkerpositionen getestet. Das Setup mit den besten Daten aus den 72 Tests verwende ich jetzt.

Adam Hansen

Geboren am 11. Mai 1981 in Cairns
Nationalität: Australien
Gewicht/Größe: 75 kg/1.86 m
World-Tour: Columbia (2009, 2010), Omega Lotto (2011), Lotto Belisol (2012, 2013), Lotto Soudal (2014 - 2020)
Siege: Etappe Veulta (2014), Etappe Giro (2019), Gesamtklassement Ster Elektrotoer (2010)

Sie haben 29 Grand bestritten, 20 davon in Serie. Die Radform sollte passen. Wie sieht es beim Schwimmen und Laufen aus?
Im Training läuft es eigentlich sehr gut. Aber ich habe Mühe, es im Rennen so umzusetzen. Aber ich habe Zeit und werde auch das schaffen.

Sie sind zwölf Mal den Giro gefahren. Vermissen Sie das?
Nein (lacht). Ich denke, ich habe genug getan.

Sehen Sie sich eigentlich Radrennen im Fernsehen an?
Als ich noch Rennen gefahren bin, haben ich sie mir nie angesehen, aber ich habe tatsächlich angefangen, mir die Highlights anzusehen.

Stimmt es eigentlich, dass Sie das Gaberl mit nur einem Bein hinauf gefahren sind?
Das ist eigentlich nur zu Hälfte richtig. Ich bin immer fünf Minuten mit einem Bein gefahren und habe dann auf das andere gewechselt, bis ich oben war.

Nur wenige wissen, dass Sie Ihre internationale Karriere in der Steiermark begonnen haben . . .
Ich habe Österreich geliebt. Ich habe immer gesagt, dass Österreich das schönste Land in Europa ist und ich war vor etwa einem Monat drei Tage in Kitzbühel auf Urlaub - es war einfach unglaublich. Ich habe eigentlich bei "Rapso" begonnen und bin dann drei Jahre für das Team von Christoph Resl unterwegs gewesen. Es heißt heute "WSA KTM Graz". Ich hatte meine schönsten Jahre in diesem Team und - RAZ. Ich hatte meine schönsten Jahre in diesem Team und vor ein paar Wochen habe ich ihn angerufen und ihm gesagt, dass ich nächstes Jahr für ihn fahren werde. 2006 habe ich versprochen, dass ich das nach meiner Profikarriere machen werde. Der Triathlon ist jetzt zwar die Nummer eins, aber will so viele Rennen fahren wie möglich bestreiten und helfen, die jungen Fahrer zu entwickeln und sie zu leiten. Wir sind gerade dabei, die Details zu finalisieren, aber es sieht so aus, als ob ich nächstes Jahr viele Rennen in Österreich bestreiten werde.

Als Profi im Peloton musste man taktisch reagieren oder tun, was nötig ist. Wie plant man einen Ironman?
Aktuell muss ich mir über die Taktik noch nicht so viele Gedanken machen, weil ich beim Schwimmen und Laufen noch viel lernen muss. Sobald ich aber auf einem besseren Niveau bin, werde ich meine Rennen sicher taktisch bestreiten.

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