Das Tennis-Märchen von Lilli Tagger hat im Reich der Mitte seine Fortsetzung gefunden. Nur mit einer Wildcard spielberechtigt, schaffte es die erst 17-jährige Osttirolerin bei ihrem WTA-Debüt im chinesischen Jiujiang sensationell bis ins Finale. Im Halbfinale setzte sich die Lienzerin gegen die in der Weltrangliste an Position 53 gereihte Schweizerin und Titelverteidigerin Viktorija Golubic mit 6:1, 4:6, 7:5 durch. Dabei war Tagger im dritten Satz bereits mit 2:5 zurückgelegen und musste beim Stand von 4:5 und 0:40 gleich drei Matchbälle abwehren.

„Es ist grad recht schwer zu reden, ich zittere immer noch. Es war ein wirklich hartes Comeback. Aber ich bin sehr gut damit umgegangen“, erklärte Tagger noch auf dem Court. „Es war ein tolles Match und auch das Publikum war super. Ich habe es sehr genossen.“ Wenn man sie vor dem Turnier gefragt hätte, ob ein Finale möglich wäre, hätte sie dies für zu früh eingestuft. „Das hätte ich mir nicht gedacht. Ich kann es nicht erwarten, morgen hier zu spielen“, sagte die Osttirolerin. Sie bedankte sich auch bei Trainerin Francesca Schiavone. „Ich schätze es so sehr, dass sie jeden Tag an meiner Seite ist.“

Im Finale am Sonntag, das auf Sky und auf ORF 1 zu sehen ist, trifft das österreichische Ausnahmetalent, das im gesamten Turnierverlauf erst einen Satz abgegeben hat, auf die Russin Anna Blinkova, die sich im zweiten Halbfinale gegen die Tschechin Dominika Salkova mit 6:4, 6:4 durchgesetzt hat. Die 27-jährige Blinkova ist aktuell die Nummer 95 im Computer und scheint damit für Tagger auch nicht außer Reichweite. Sollte die Osttirolerin das Turnier gewinnen können, würde sie im Ranking auf Position 136 nach vorne springen. Mit dem Finaleinzug reiht sie sich zumindest schon rund um Platz 155 ein. Unglaublich, wenn man bedenkt, dass Tagger als Nummer 750 in das Jahr 2025 gestartet ist.

Erwähnenswert: In der inoffiziellen WTA-U18-Weltrangliste ist Tagger bereits die Nummer zwei. Nur die ebenfalls erst 17-jährige Amerikanerin Iva Jovic ist als Nummer 35 der Welt noch besser platziert. Gewinnt die Osttirolerin auch am Sonntag, wäre sie die erste österreichische Siegerin auf der Tour seit Yvonne Meusburger vor zwölf Jahren in Bad Gastein.