„Ich bin eine, die nie lange fackelt, sondern macht. Ich lege mein Herz in die Arbeit rein, um meine Ziele zu erreichen.“ Diese Devise hat Osttirols Tennisjuwel Lilli Tagger im Juniorenbewerb der French Open verinnerlicht. Und zwar so sehr, dass die 17-Jährige ohne Satzverlust das Endspiel (6:4, 7:6-Erfolg gegen die topgesetzte Australierin Emerson Jones) erreicht hat. „Es gibt gegen Hannah Klugman nur Vollgas“, grinst Tagger, die von Alex Vittur, Manager von Italiens Superstar Jannik Sinner seit 2021 unterstützt wird, vor dem Finalduell am Samstag gegen die Britin.
Der Schützling von Ex-Weltklassespielerin Francesca Schiavone steht als erste Österreicherin überhaupt in einem Juniorinnenfinale in Paris – vor ihr hatten acht Österreicher das Einzel-Finale eines Major-Nachwuchsbewerbes erreicht. Tagger könnte Historisches gelingen, der bisher einzige Triumph ist Jürgen Melzer 1999 in Wimbledon geglückt.
„Es macht großen Spaß ihr zuzusehen“
„Es wäre schön, wenn ich nicht mehr der Einzige bleiben würde. Ich würde es Lilli 26 Jahre nach mir so sehr gönnen. Man hat schon vor Jahren gesehen, dass sie unglaublich viel Potenzial hat. Sie arbeitet extrem professionell, das Training mit Francesca trägt Früchte und sie bringt derzeit einfach auch ihre Stärken auf den Platz. Sie dominiert aktuell ihre Gegnerinnen, ist für ihr Alter sehr reif, es macht großen Spaß ihr zuzusehen. Es ist sehr cool, dass wir jemanden ganz vorne haben. Sie ist tief in ihrer Materie drinnen. Über Lilli kann man absolut nichts Negatives sagen“, verdeutlicht der ÖTV-Direktor und Daviscup-Captain. Abseits der Tenniswelt ist Tagger äußerst beliebt, bodenständig, offenherzig, unkompliziert – ihr Lachen und positives Auftreten sei nahezu ansteckend. Melzer verriet, „dass sie sehr lustig ist, sobald das Eis gebrochen ist.“
Nahezu eiskalt präsentiert sich die Lienzerin bei ihrer Premiere in Roland Garros. Stress? Druck? Das alles ist der Lienzerin anscheinend völlig fremd, und das obwohl sie wenige Tage vor den French Open noch einige schulische Sachen zu erledigen hatte. Noch dazu musste sie sich mit einer hartnäckigen Verkühlung herumplagen.
Tagger bevorzugt Powertennis
Tagger, die einst ein Vertragsangebot von Star-Coach Patrick Mouratoglou ausschlug, trainiert in Varese. Das Akademie-Leben ist freilich kein Zuckerschlecken, jeder Tag exakt durchgetaktet, doch die leidenschaftliche Skifahrerin lebt ihren Traum vom Profitennis. Sie wohnt in einem Appartement, kocht täglich und bespannt auch ihre Schläger selbst. Die 1,85-Meter große Tennisspielerin, die das Powertennis bevorzugt, hat sich in den vergangenen zwei Jahren körperlich enorm weiterentwickelt.
Am Court strahlt das Toptalent, das mit ihrem Bewegungsgeschick diverse Trainer „verzaubert“, mit ihrer ruhigen Art eine Beharrlichkeit aus. In der Tennisszene wird gemunkelt, dass sie einen Sound hat, wie nur wenige Spieler und über eine schnelle Auffassungsgabe verfügt. Sie kennt nicht die Angst, Dinge zu riskieren, spielt aggressiv und zieht ihr Spiel gnadenlos durch. Und auch wenn sie hundertmal nicht funktionieren, sie gibt nicht auf, bis es klappt. Tagger ist wild, aggressiv, probiert viel aus und zieht ihr Spiel durch.“ Eigentlich untypisch für Mädchen, doch gerade dieses Spiel macht Tagger zu der Person, die sie ist.
Wie man sich als Champion in Paris fühlt, weiß der Vorarlberger Maximilian Taucher. Der 17-Jährige verteidigte im Rollstuhl-Juniorenbewerb mit einem 6:2, 7:6-Erfolg gegen den US-Boy Charlie Cooper seinen Titel in Roland Garros erfolgreich.