Mit einer Steigung von 16 Prozent stellte sich die nur 470 Meter kurze Landebahn 9/27 des Altiport Peyresourde-Balestas vor den Berufsradfahrern auf, als sie sich in den letzten Zügen des Bergzeitfahrens über 10,9 Kilometer befanden. So war das Ziel der 13. Tour-Etappe lange vor dessen Erreichen in quälender Sichtweite, während links und rechts die Fans jubelten. Und es war Tadej Pogačar (UAE), der auf jener Landebahn brillierte, die im James-Bond-Streifen „Der Morgen stirbt nie“ (1997) als Schauplatz diente.
Nur vier der 171 gestarteten Fahrer setzten auf das aerodynamische Zeitfahrrad: Jonas Vingegaard (2./Visma), Primož Roglič (3./Red Bull), Florian Lipowitz (4./Red Bull), Remco Evenepoel (12./Soudal) und damit die härtesten Konkurrenten des Slowenen, der sie wie ein Spezialagent düpierte. Schon im ersten, flachen Teil hatte er auf dem Rennrad die Lizenz zum Rasen und führte. Am Ende fuhr er die 645 Höhenmeter mit einem Stundenmittel von 28,431 Kilometern. Es war sein vierter Etappensieg bei dieser Tour. „Ich bin sehr glücklich. Dieses Zeitfahren war in der Vorbereitung ab Dezember ein großes Fragezeichen, aber es lief perfekt“, sagte der Sieger. „Am Ende bin ich fast explodiert, aber ich habe die Zeitangabe auf dem Bogen gesehen und das gab mir einen Push.“ Die Wahl des Rads war nach Rechnungen doch eine Frage des besseren Gefühls. Die Taktik war von Beginn an „All out“ und daher fuhr er das Rennen sogar ohne Funk.
Felix Gall (Decathlon) eröffnete schon im flachen Teil verhalten und schaffte es auf Platz zehn (+ 2:22 Minuten): „Ich habe mich ganz gut gefühlt und vor allem mit der Anstiegszeit bin ich zufrieden. Da war ich einer der Schnellsten im Anstieg selbst. Es war wieder ein guter Tag und nun kommt wieder ein ganz, ganz großer Tag für das Gesamtklassement.“ Damit blieb er sogar vor Zeitfahr-Olympiasieger Evenepoel, der einen Defekt hatte und kurz vor dem Ziel von Vingegaard überholt wurde – die Höchststrafe. In der Gesamtwertung bleibt der Osttiroler auf Rang neun (+11:43 min). Pogačar baute seine Führung auf Vingegaard um 36,69 Sekunden auf 4:07 Minuten aus.
Am Samstag rollt das Feld in Pau wieder geschlossen los, doch dürfte es das Peloton spätestens nach dem Zwischensprint in Esquièze-Sère zerbröseln. Da wartet mit dem Col du Tourmalet der mit 85 bisherigen Passagen am häufigsten befahrene Pass im Rahmen der Tour. Zum ersten Mal wurde er im Jahr 1910 erklommen, er ist mit einer Höhe von 2115 Metern über dem Meer die höchste zu befahrene Straße in dem Gebirgszug. Einmal war der Tourmalet im Programm der Frauen-Tour, dreimal in dem der Vuelta. Doch ist dieser Gigant nicht der Höhepunkt, sondern nur der erste Gang des „Menüs“. Es folgen dem Berg der „Hors Catégorie“ noch der Col d‘Aspin (2. Kategorie), der Col de Peyresourde (1.) und die Bergankunft im Wintersportort Luchon-Superbagnères auf 1794 Metern.