„Torito, Torito!“ Die mexikanischen Fans, die sich bei der Siegerehrung in der ersten Reihe hinter den Absperrgittern positioniert hatten, riefen ihrem Liebling Isaac Del Toro begeistert dessen Spitznamen zu. Der „kleine Bulle“ lachte stolz und ließ das Selfie-Gewitter mit einem breiten Grinsen über sich ergehen. „Die Stimmung war enorm. Die ganze Woche war verrückt und wir können stolz auf uns sein“, sagte der 21-Jährige in Diensten des UAE Team Emirates – XRG. Nach dem zweiten Platz beim Giro d’Italia feierte er in Feldkirch seinen ersten Rundfahrtssieg in einer beinah perfekten Woche für sein Team, das als bestes der Welt gilt.
Dass nach dem Auftaktsieg von Felix Großschartner und drei Etappenerfolgen von Del Torro allerdings nicht auch das fünfte und letzte Teilstück von UAE gewonnen wurde, lag an einem Luxemburger: Bob Jungels. Der Profi von Ineos entledigte sich seiner Fluchtgefährten und spielte auf den letzten, flachen Kilometern seine Zeitfahr-Qualitäten perfekt aus. „Ich wusste, wenn ich den letzten Hügel überstehe, kann ich es schaffen. Mein letzter Sieg ist schon länger her und es wird immer schwieriger zu siegen“, sagte er nach der beeindruckenden Flucht über 130 Kilometer zum Etappensieg.
Gesamtzweiter hinter Del Toro wurde der Ire Archie Ryan (EF), Felix Großschartner, bis Samstag noch im Roten Trikot des Gesamtführenden, wurde als bester Österreicher schließlich Zehnter. Mit Philipp Hofbauer (WSA Graz/15.), Hermann Pernsteiner (Arbö Kärnten/18.) und Martin Messner (WSA Graz/19.) kamen drei weitere heimische Fahrer unter die besten 20.
Während der Besenwagen durchs Ziel fuhr, war es für Tourdirektor Thomas Pupp an der Zeit, ein erstes Resümee zu ziehen: „Und das kann nur sehr positiv ausfallen.“ Als besonders sah er den Publikumszuspruch an. Alleine auf der letzten Etappe schätzte die Exekutive 30.000 bis 40.000 Fans am Rand der meist steilen Vorarlberger Straßen. „Die gesamte Tour war gut besucht und viele Gemeinden haben sich etwas einfallen lassen. Das zeigt auch den Zuspruch allerorts und es zeigt, dass die Bevölkerung die Tour annimmt“, sagte Pupp.
Vor allem die zahlreichen Hobbyisten unter den Zusehenden waren ein positives Signal für Pupp. „Der Radsport ist eine rasant wachsende Community, der Sport boomt. Wir waren aber skeptisch, ob diese Hobbyradler auch an den Streckenrand kommen – aber gerade sie waren es, die gekommen sind. Es waren unzählige Frauen und Männer im Radoutfit und mit ihren Rädern an der Strecke.“ Die internationale Strahlkraft von Rundfahrt-Sieger Del Toro sieht der Tourdirektor als gute Werbung: „Natürlich wäre es sehr schön gewesen, wenn es Felix Großschartner nach Hause gebracht hätte. Aber Del Toro ist der Shootingstar im Radsport und er hat eine große Fangemeinde.“
2026 feiert die Tour 75. Geburtstag
Kommendes Jahr wird die Rundfahrt den 75. feiern, und es wird wohl beim aktuellen Format mit fünf Etappen bleiben. „Vielleicht kommt wieder ein Prolog dazu“, fügt Pupp, der mit dem Organisationskomitee bei der Dauer der Tour nicht freie Hand hat, hinzu. Da spricht der Weltverband UCI das letzte Machtwort. Von dessen Kommissären hat die Tour bei der Evaluierung aber sehr gute Beurteilungen erhalten und in allen Punkten (Strecke, Absicherung etc.) mit „Grün“ und somit der besten Wertung abgeschnitten.
Wie sich die Tour 2026 durchs Land schlängeln wird, ist allerdings noch in Planung. „Wir wollen zur Jubiläumsausgabe die Highlights der vergangenen Jahre einbauen. Es kommt aber auf die Regionen und Städte an und ob sie bereit sind, das zu finanzieren“, sagt Pupp klar. Der grobe Plan soll aber schon Ende Juli stehen. Den Großglockner will Pupp im kommenden Jahr wieder einbinden. Heuer wurde das „Dach der Republik“ ein Jahr nach dem tödlichen Unfall von André Drege in der Abfahrt vom Hochtor bewusst ausgelassen. Die enge Beziehung der Tour zur Familie des verunglückten Norwegers und seinem Team „Coop“, das auch heuer wieder am Start war, ist für Pupp persönlich der bewegendste Teil der Tour.