Stellungnahme von Sport AustriaSpitzensport geht weiter, die Breite ruht: "Sport ist kein Infektionstreiber"

Hans Niessl, Präsident der Bundessportorganisation "Sport Austria" nahm gleich nach Bekanntmachung des Lockdowns Stellung - mit scharfer Kritik. Profisport wird wohl fortgeführt.

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VARIOUS SPORTS - Sport Austria/ BMI, press conference
VARIOUS SPORTS - Sport Austria/ BMI, press conference © (c) GEPA pictures (GEPA pictures/ Edgar Eisner)
 

Der ab Montag in Kraft tretende vierte Lockdown bringt ein bekanntes Bild mit sich: Der Spitzensport wird ohne Publikum fortgesetzt, die breite Masse muss auf organisierte, gemeinschaftliche Bewegung verzichten. Wie der Fußball ist auch in Sportarten wie Eishockey, Volleyball, Basketball und Handball davon auszugehen, dass die als Spitzensport definierten Ligen ab nächster Woche fortgeführt werden können, der Nachwuchs aber ebenso wie der Breitensport pausieren müssen. Wenngleich betont wird, dass die entsprechende Verordnung noch nicht auf dem Tisch liegt.

Für Präsident Hans Niessl ist es nur schwer nachvollziehbar, dass mit dem vierten, aufgrund der aktuellen Situation unvermeidbaren Lockdown wieder der gesamte Breitensport eingestellt werden soll. Man habe aus Fehlern nicht gelernt, sonst wäre dieser Lockdown generell zu verhindern gewesen, so ist nun auch der Sport betroffen. "Sport ist der Gesundheitsmotor des Landes. Ein Faktum ist, dass der Sport nicht zu den Treibern des Infektionsgeschehens gehört. Zuletzt lagen Neuinfektionen aus dem Sportbereich bei nur 0,3 Prozent", betont Niessl. Er wünsche sich eine klare Kommunikation und fordert das Gesundheitsministerium zu einer vertiefenden Zusammenarbeit auf und kritisiert: "Dass nun wieder die Notbremse gezogen werden muss, wird uns bei der Rückgewinnung der Menschen zurückwerfen."

Es müsse auch weiter eine finanzielle Unterstützung für die rund 15.000 Sportvereine geben. Der organisierte Sport habe zuletzt schon Mitglieder in dramatischem Ausmaß verloren. "Wenn jetzt wieder die Notbremse gezogen werden muss, wird uns das bei der Rückgewinnung dieser Menschen zurückwerfen", sagt Niessl. Was den Nachwuchs betrifft, haben die vergangenen Lockdowns gezeigt, welch verheerende physische und psychische Auswirkungen das Schließen gerade in diesem Bereich habe.

Nachwuchssportler sind "die Leidtragenden"

Für Martin Micheu, Sportdirektor des Volleyball-Bundesliga- und Mevza-Klubs Aich/Dob, könnte gerade der Nachwuchs wieder besonders betroffen sein. "Der Spitzensport wird wohl auch bei uns weitergeführt. Freilich ohne Zuschauer. Aber wir werden wieder mit großen Verlusten zu kämpfen haben." Schon in Anbetracht des bevorstehenden Lockdowns hat Aich/Dob bereits auf ein Heimspiel im Europacup gegen Kasan verzichtet und wird nun beide Spiele (ab 8. Dezember) in Russland austragen. Auch Frederick Laure, ÖVV-Vizepräsident und Manager des UVC Graz, betont: "Der Nachwuchs ist wieder der Leidtragende."

Erneuter Rückschlag

Vor dem gleichen Problem steht auch der Handball-Sport. Auch für den SC Ferlach wird der Spitzensport weitergehen (ohne Zuschauer), im Nachwuchsbereich sieht Manager Walter Perkounig aber wieder ein gerade zaghaft aufgebautes Haus wieder zusammenbrechen. „Wir haben viele Kinder verloren, haben über den Sommer versucht, diese Lücke wieder zu schließen, haben uns in den Schulen engagiert. Wenn jetzt wieder alles geschlossen werden muss, dann befürchte ich eine kaum wieder einzubringenden Schaden. Wenn wir der Jugend wieder das nehmen, was sie am liebsten tut: nämlich sich zu bewegen.
Dass der Sport am wenigsten zu steigenden Infektionszahlen beiträgt, kann Perkounig nur bestätigen. „Wir haben genaue Konzepte, wir halten uns an alle Richtlinien, wir haben virustötenden Geräte in der Halle. Mir ist im Verein kein einziger Fall bekannt, wo sich Sportler beim Training angesteckt haben soll“, bestätigt Perkounig

 

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