Bitte warten - Ihr Zugang wird eingerichtet.

GewichthebenJahrzehntelange Korruption: "Kultur der Angst" im Weltverband

Richard McLaren stellte "systematisches Führungsversagen und Korruption auf höchster Ebene" im Gewichtheber-Weltverband IWF fest. Korruption, Stimmenkauf, die Vertuschung von Dopingfällen und Fehlbeträge in Millionenhöhe seien gang und gäbe gewesen.

Jahrzehntelange Korruption: "Kultur der Angst" im Weltverband
Jahrzehntelange Korruption: "Kultur der Angst" im Weltverband © AP
 

Im Internationalen Gewichtheber-Verband (IWF) habe es unter dem mittlerweile abgesetzten Langzeitpräsidenten Tamas Ajan "systematisches Führungsversagen und Korruption auf höchster Ebene" gegeben. Zu diesem Schluss ist der Topjurist Richard McLaren gekommen, der in den vergangenen Wochen eine unabhängige Sonderermittlung geleitet hat.

Der Verband sei voller Korruption gewesen, die über Stimmenkauf, die Vertuschung von Dopingfällen und Millionen-Fehlbeträge gereicht habe, erklärte der auch schon im russischen Staatsdopingskandal ermittelnde McLaren am Donnerstag. Der 81-jährige Ajan hat die auch schon in einer ARD-Dokumentation erhobene Vorwürfe bisher stets zurückgewiesen. Der Ungar war seit 1976 in IWF-Spitzenfunktionen tätig, die vergangenen 20 Jahre bis zu seiner Absetzung im April als Präsident.

Ajan habe den Verband autokratisch geführt, es habe eine Kultur der Angst geherrscht, erläuterte McLaren. Der Langzeitpräsident habe durch verschiedene Kontrollmechanismen alles diktiert, was innerhalb der Organisation vor sich ging, seine Machtbesessenheit habe jegliche Kontrolle verhindert.

Vertuschung von 40 mutmaßlichen Dopingverstößen

Sein Team habe eine Summe von umgerechnet 9,29 Millionen Euro (10,4 Mio. US-Dollar) an finanziellen Malversationen ermittelt, so McLaren. Die Buchhaltung des Weltverbandes sei unvollständig und ungenau gewesen, es habe eine unzureichende Erfassung von Einnahmen und Ausgaben sowie eine Verschleierung durch verdeckte Bankkonten von Ajan gegeben.

Ein Teil der Gelder soll für Stimmenkäufe bei der Wahl des Präsidenten und anderer IWF-Führungsfunktionen bei den beiden jüngsten Wahlkongressen verwendet worden sein. Darüber hinaus sei man der Vertuschung von 40 mutmaßlichen Dopingverstößen auf die Spur gekommen, darunter auch Medaillengewinner von Großereignissen, führte McLaren aus. Diesbezügliche Informationen habe man an die Welt-Antidoping-Agentur (WADA) weitergeleitet.

Diskutieren Sie mit - posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung! Kommentieren