Das Olympia-Team war gerade verkündet, da war es schon obsolet. Denn sprichwörtlich in letzter Sekunde wendeten die Interventionen des Österreichischen Skiverbandes das Blatt doch noch zum Guten, der internationale Skiverband erstritt vier weitere Quotenplätze für die Alpinen, von denen zwei an Österreich gehen; der ÖSV darf damit doch elf Herren nach China entsenden. Damit wird ein 106-köpfiges Team – 42 Frauen, 64 Männer – die österreichischen Farben vertreten. Und während der „Quotenkrieg“ in letzter Sekunde gut ausging, bleiben andere Fragen nach wie vor offen.

Die Anreise

Wer nach China will, hatte wenig Auswahl, denn aufgrund der Corona-Sorgen gab es nur vordefinierte „Hubs“ in Europa, von denen aus Peking angeflogen werden darf „Daher haben wir schon im November Verhandlungen mit der AUA aufgenommen, um Charter-Flüge auf die Beine zu stellen“, sagte ÖOC-Generalsekretär Peter Mennel. Diese Flüge reduzieren die Sorgen ein wenig, das Hauptproblem bleibt es aber, das Material für bzw. von allen Sportarten nach Peking zu bringen. „Und dazu kommt die Herausforderung, dass wir auch alle Athleten gesund nach Peking bringen, selbst mit einer solchen Herausforderung wie dem Reisen“, ergänzte ÖOC-Sportdirektor Christoph Sieber.

Corona-Tests

Das Damokles-Schwert eines positiven Tests schwebt über allen Athleten. Zumal lange nicht klar war, wie getestet wird und welche Grenzwerte gelten. Der deutsche Alpin-Direktor Wolfgang Maier warnte vor Manipulation: „Mit so einem Test kannst du die Konkurrenz ausschalten.“ Doch, wie Österreichs IOC-Mitglied Karl Stoss betonte, es gab Bewegung: „Nach langen Verhandlungen wurde der CT-Grenzwert, ab dem man als positiv gilt, auf 35 gesenkt. Davor lag dieser Wert bei 40.“ Was bleibt: Wer innerhalb der letzten 30 Tage an Corona erkrankt war, muss statt der vorgesehenen zwei Tests sogar vier negative Tests in den Tagen vor der Abreise nachweisen.

Die Quartiere

Die Unterkünfte bei Olympia waren noch nie Fünf-Sterne-Paläste. In China kommt die Sorge dazu, dass die Zimmer zu klein geraten sind. „Die Alpinen haben Doppelzimmer, sollen auf 13 m2 zu zweit wohnen, mit allen Taschen“, seufzte ÖSV-Alpinchef Patrick Riml schon im Dezember. „Wir wissen, dass im Alpincluster rund um Yanqing die Zimmer etwas klein geraten sind“, sagte da auch ÖOC-Generalsekretär Peter Mennel, „aber wir sind sicher, dass wir das in den Griff bekommen werden.“ Von den geforderten Einzelzimmern – auch aus Coronagründen – dürfte man aber doch ein Stück entfernt sein.

Der politische Maulkorb

Vergangene Woche erstaunte die Meldung, dass die chinesische Regierung bei Äußerungen hinsichtlich Menschenrechte oder Uiguren einschreiten will. Eine Maßnahme, die im Normalfall bei Olympia einzig dem IOC obliegt. Stoss und Mennel stellen aber klar: „Wir werden unseren Athleten keinen Maulkorb erteilen. Jeder darf sagen, was er für richtig hält.“ Man stellte auch klar, dass es sich bei der Warnung Chinas nur um Äußerungen rund um die Siegerehrungen handle. Alles andere sei – vertraglich geregelt – aber denkbar. „Ich gehe aber davon aus, dass die Sportler andere Sorgen haben“, sagte Christoph Sieber, der über alle Fragen hinweg ergänzte: „Man ist bei Olympia dann oft überrascht, dass alles viel besser ist als gedacht.“