Es ist beinahe ein Automatismus. Wenn Victoria Hudson das Flugzeug zu ihrem nächsten Wettkampf besteigt, startet das Kopfkino wie von selbst. Dann läuft er ab, der große, ja perfekte Wurf. Der, mit dem man letztlich die beste Speerwerferin der Welt sein könnte. „Ich visualisiere dann den Anlauf, stelle mir oft den perfekten Wurf vor.“ Und dann fliegt ihr Speer. Wie weit? Man weiß es gar nicht. Klar ist: Die Europameisterin von Rom wird in Paris einen ihrer besten Wettkämpfe auspacken müssen. Dabei zählt sie zu den Favoritinnen, nicht nur wegen der Goldmedaille in Rom, sondern wegen ihres neuen Rekords von 66,06 Metern; in diesem Jahr die drittbeste Weite der Welt. „Aber“, bremst sie gleich alle weiteren Spekulationen und ergebnistechnischen Visualisierungen, „hier starten alle bei Null. Das Gold hilft mir nicht, die Weite auch nicht.“