Ein Team, zwei Gefühlswelten – so sieht die Situation beim übermächtigen Ducati-Werksteam in dieser Saison aus. Während Marc Marquez von Sieg zu Sieg fährt und sich die Weltmeisterkrone nur noch selbst streitig machen kann, versteht Teamkollege Francesco Bagnaia die Motorsportwelt nicht mehr. Insgesamt 197 Punkte (!) trennen beide Fahrer vor dem Großen Preis von Ungarn am Wochenende, zu dem Marquez als strahlender Spielberg-Sieger anreist, während Bagnaia zuletzt nur mit Galgenhumor auf sich aufmerksam machte.
Denn das Wochenende auf dem Red Bull Ring steht schon fast symbolisch für das Jahr des italienischen Doppelweltmeisters. Im Sprint musste „Pecco“ nach einem völlig verpatzten Start mit zu viel Wheelspin aufgeben, im Grand Prix reichte es dann nur zu Platz acht – mit zwölf Sekunden Rückstand auf den übermächtigen Teamkollegen. „Ehrlich gesagt, in dieser Saison verstehe ich die Welt nicht. Beide Rennen waren für mich ein Desaster. Der Sprint darf so einfach nicht passieren und das kann man nicht akzeptieren – auch ein Team kann so etwas nicht akzeptieren“, polterte Bagnaia in Spielberg.
Geduld ist am Ende
Die einst so harmonische Beziehung zwischen dem italienischen Hersteller und dem jungen Mann aus Turin steht vor einem Scheideweg, innerhalb Ducatis geben die Marquez-Brüder seit dieser Saison den Ton an und bestimmen, wohin die Reise geht. Denn hinter dem sechsfachen MotoGP-Champion Marc ist Bruder Alex Marquez die zweitstärkste Kraft in dieser Saison – und das auf der Ducati des Vorjahres. Ein Schlag ins Gesicht des 28-jährigen Weltmeisters von 2022 und 2023, der in einem TV-Interview nicht mit Kritik an seinem Team zurückhielt: „Meine Geduld geht zu Ende.“
Auf dem neuen Balaton-Park-Circuit in Ungarn ruderte der Italiener nun ein wenig zurück. In Spielberg, eigentlich eine der Lieblingsstrecken Bagnaias, sei die Enttäuschung einfach zu groß gewesen. „Es ist meine Schuld, dass ich sage, was ich denke. Manchmal ist das gut, manchmal schlecht“, erklärte der aktuell Dritte in der Fahrer-Weltmeisterschaft. „Wenn du ein Wochenende und ein Rennen so desaströs beendest und dann zu den Interviews gehst, dann ist es wohl keine gute Idee. Aber ich war dort und ich war wütend.“ Seine Ingenieure hätten ihm die Kritik nicht übel genommen, der Fokus richtet sich auf den Ungarn-Grand-Prix, inklusive anhaltender Durchhalteparolen. Deshalb ist es kein Wunder, dass die Gerüchte über einen möglichen Wechsel 2027 nicht leiser werden. „Noch habe ich nicht angefangen, darüber nachzudenken“, blockte Bagnaia ab. Geht die Abwärtsspirale in diesem Tempo weiter, muss er sich damit aber wohl früher als gewünscht auseinandersetzen.