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Nach Ferrari-FiaskoMaulkorb für Vettel und Leclerc

Rüffel für die Crashpiloten: Sebastian Vettel und Charles Leclerc durften sich nach ihrem spektakulären Unfall in Brasilien nicht mehr vor der Presse äußern.

Sebastian Vettel oder Charles Leclerc
Sebastian Vettel oder Charles Leclerc © (c) GEPA pictures (GEPA pictures/ XPB Images)
 

Ferrari sagte die eigentlich obligatorische und bereits für 17.40 Uhr Ortszeit angesetzte Medienrunde mit den beiden Piloten kurzerhand ab. "Wir bevorzugen es so", hieß es von einer Sprecherin dazu lapidar. Einzig Teamchef Mattia Binotto äußerte sich nach den kurzen TV-Interviews noch einmal ausführlich zu dem Fiasko der Scuderia in Sao Paulo.

Frei gegeneinander zu fahren heißt nicht, verrückte Sachen zu machen.

Ferrari-Teamchef Mattia Binotto

"Natürlich müssen wir uns jetzt zusammensetzen und gemeinsam entscheiden, wo die Grenzen liegen - um sicherzustellen, dass so etwas nicht wieder passiert", sagte Binotto. Der 50-Jährige vermied es aber, Sebastian Vettel oder Charles Leclerc die Schuld an dem Unfall kurz vor dem Ende des Rennens zu geben. "Es ist noch nicht an der Zeit ein Fazit zu ziehen. Wir werden uns in Maranello alle Daten und Bilder noch einmal in Ruhe anschauen und analysieren", sagte Binotto, der seinen Fahrern aber einen Rüffel mitgab: "Frei gegeneinander zu fahren heißt nicht, verrückte Sachen zu machen." Auf eine Teamorder hatte Ferrari in dieser Saison verzichtet.

Klärendes Gespräch

Binotto war hinterher sehr darum bemüht, die Wogen wieder zu glätten. "Es ist immer noch ein Luxus diese beiden Fahrer zu haben, es sind zwei sehr gute Piloten", sagte er. Gleich nach dem Rennen rief Binotto Vettel und Leclerc zu einem Gespräch zu sich und gab ihnen einen klaren Auftrag mit für die TV-Interviews: "Ich habe ihnen gesagt, dass ich hören will, dass es ihnen für das Team leid tut." Danach durften Vettel und Leclerc dann nichts mehr sagen.

Die Pressestimmen zum GP

ENGLAND
Guardian: "Obwohl Lewis Hamilton den Titel bereits sicher hat, geht es in der Formel 1 weiter zur Sache. Max Verstappen und Red Bull haben einen hart erkämpften und brillanten Sieg gefeiert. Um Verstappen herum spielte sich großes Drama ab - nicht nur, weil Ferrari wieder einmal in aller Öffentlichkeit implodierte."

Telegraph: "Sebastian Vettel und Charles Leclerc schoben sich gegenseitig die Schuld zu. Es war ein weiterer erbärmlicher Nachmittag für Ferrari. Max Verstappen lieferte ein Meisterwerk ab und zeigte erneut, wieso ihn einige als besten Fahrer im Feld sehen. Dieses vorletzte Rennen der Saison 2019 wird dafür in Erinnerung bleiben, dass es das Fass bei Ferrari zum Überlaufen brachte."

Mail: "Dieses Fiasko hatte sich abgezeichnet. Charles Leclerc hatte Sebastian Vettel gerade überholt - und damit die aufstrebende Zukunft die verblassende Gegenwart. Dann schlug der in seiner Würde gekränkte Deutsche zurück und beendete das Rennen der beiden Ferrari. Teamchef Mattia Binotto sah aus wie ein Mann, der sich Tausende Fragen stellen muss. Diese eine lässt sich aber einfach nicht beantworten: Wie können diese beiden Alphatiere in ein Haus passen?"

ITALIEN
Gazzetta dello Sport: "Rotes Harakiri! Vettel und Leclerc versenken sich gegenseitig. Man hätte damit rechnen können, dass früher oder später so etwas passieren würde. Es wäre jedoch nicht fair, Ferrari wegen der Umgangsweise mit seinen beiden Starpiloten zu tadeln. Man kann Regeln vereinbaren und einen Verhaltenskodex bestimmen, doch wenn man zwei Alphatiere unter demselben Dach hat, muss man mit solchen Zwischenfällen rechnen."

Corriere dello Sport: "Ferrari explodiert! Vettel und Leclerc werfen sich gegenseitig raus. Es gibt Niederlagen, die zu schlimmsten Albträumen werden. Die beiden Piloten erzielen ein doppeltes Eigentor, das man in Maranello lang nicht vergessen wird. Beim GP in Brasilien ist ein Generationenkonflikt explodiert, den man nur schwer wieder beruhigen wird. Maranello hat das richtige Auto und gute Piloten, aber keine starke Teamführung."

Tuttosport: "Ferrari, ein Desaster! Teamchef Binotto muss jetzt mit einer Rivalität umgehen, die inzwischen zum offenen Konflikt geworden ist. Leclerc hält sich nicht an die Hierarchie und sorgt für Destabilisierung im Reich Vettels, der in diesem Jahr an Sicherheit verloren und viele Fehler gemacht hat."

La Repubblica: "Krieg im Haus Ferrari! Trauriger brasilianischer Karneval in Interlagos für Maranello: Beim vorletzten GP des Jahres siegt Verstappen, während Vettel und Leclerc sich selbst fünf Runden vor dem Ende versenken, weil sie gegeneinander um das Podium kämpfen. Diese Rivalität kann 2020 zu schweren Konsequenzen führen."

Corriere della Sera: "Vettel zeigt Reaktionen, die er offenbar nicht kontrollieren kann. Die beiden Piloten verhalten sich wie ungezogene Kinder, die sich gegenseitig beschuldigen. Ferrari geht zerstört aus dem GP in Interlagos hervor, während Max Verstappen zurecht grinst. Er ist der absolute Herrscher dieses Rennens."

La Stampa: "Rotes Desaster! Vettels Reaktion dokumentiert den Frust und die Spannung, die er in diesen schwierigen Monaten im internen Duell mit dem jungen Teamkollegen angesammelt hat. Das Resultat ist inakzeptabel: Zwei zerstörte Autos und eine Blamage. Die Schuld haben beide Piloten, doch Vettel hat eine größere Verantwortung."

FRANKREICH
L'Equipe: "Das Verhältnis zwischen den beiden Ferrari-Fahrern war schon die ganze Saison über schwierig - nach dem Knall wird es noch mehr Spannung geben. Wenn sich Ferrari-Chef Binotto weiter weigert, einen der beiden Fahrer zur Nummer eins zu machen, wird er große Kopfschmerzen bekommen. Vettel und Leclerc liefern sich ein Duell, wie es Rosberg und Hamilton bei Mercedes und Ricciardo und Verstappen bei Red Bull gemacht haben. Wenn Verstappen nicht gerade über sich selbst spricht, kann er beweisen, dass er ein exzellenter Fahrer ist. Vielleicht der talentierteste, den es derzeit im Formel-1-Zirkus gibt."

SCHWEIZ
Neue Zürcher Zeitung: "Ferrari schießt sich in Brasilien selbst ab. Vettel ließ den seit Monaten schwelenden Konflikt eskalieren, als er in seinem 100. Rennen für die Scuderia wieder zum Überholen ansetzte. Seite an Seite schossen die beiden auf die nächste Kurve zu, keiner der Dickköpfe war bereit, auch nur einen Zentimeter nachzugeben. Ein leichtes Lenkmanöver von Vettel führte zur Berührung der Rennwagen. Bei Leclerc knickte rechts vorne das Rad ab. Dieses schlitzte Vettel den rechten Hinterreifen auf, beide landeten im Aus."

Blick: "Was für ein Ferrari-Drama in Sao Paulo! Der Super-Knall ereignet sich in Runde 66 von 71. An den Ferrari-Boxen bricht Chef Binotto zusammen."

SPANIEN
Marca: "Man hat es kommen sehen: Unfall zwischen den beiden Ferrari! Das Duell Vettel gegen Leclerc wird immer mehr zu einem Krieg. Dass Verstappen das Rennen gewonnen hat, gerät fast zur Nebensache."

AS: "Leclerc und Vettel knallen kurz vor Ende des Rennens in Interlagos zusammen und scheiden gleichzeitig aus. Wieder ein schwarzer Sonntag für Ferrari."

Sport: "Ein verrücktes Rennen. Vettel und Leclerc touchieren sich, sie führen Krieg. Totales Desaster von Ferrari. Was beim italienischen Rennstall abgeht, ist einfach nicht mehr normal."

El Mundo Deportivo: "Das Theater zwischen Vettel und Leclerc geht in die nächste Runde. Kaum zu glauben, wie beide zusammenknallen und ausscheiden."

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